Erste Hilfe im Krisenfall: Das Wesentliche
Bei einem mehrtägigen Blackout, einer Naturkatastrophe oder einer regionalen Versorgungsunterbrechung passiert folgendes: Der Rettungsdienst ist mit lebensbedrohlichen Fällen beschäftigt. Arztpraxen und Ambulanzen sind überlastet oder nicht erreichbar. Apotheken sind leer oder geschlossen.
Wer dann einfache medizinische Situationen selbst versorgen kann, entlastet das System — und hilft sich und anderen konkret.
Dieser Artikel fokussiert auf das, was sich in typischen Krisenszenarien ereignet, und was jeder Haushalt können und haben sollte.
Die häufigsten medizinischen Probleme im Krisenfall
Statistiken aus vergangenen Katastrophen zeigen: Die meisten Verletzungen und Erkrankungen in den ersten 72 Stunden nach einem Ereignis sind:
- Schnittwunden und Platzwunden — durch Aufräumarbeiten, Trümmer, Unachtsamkeit bei Kerzenlicht
- Verbrennungen — durch Gaskocher, Kerzen, Lagerfeuer
- Stürze und Prellungen — durch schlechte Beleuchtung
- Dehydration und Magen-Darm-Probleme — durch unsicheres Wasser
- Erschöpfung und Unterkühlung — besonders im Winter
All das sind medizinische Situationen, die ohne Arzt versorgt werden können — wenn man weiß wie und die richtige Ausrüstung hat.
Was in jeden Haushalt gehört: Das Basis-Set
Ein DIN-13169-Verbandskasten (Betriebsverbandkasten, ca. 45–75 Euro) ist der Mindeststandard. Er enthält Verbandmaterial in ausreichender Menge für mehrere Personen.
Ergänzen Sie das Standard-Set um:
Wundversorgung:
- Jodlösung oder Octenisept (Wunddesinfektion)
- Steri-Strips/Wundverschluss-Strips (Wunden schließen ohne Naht)
- Druckverband (für starke Blutungen)
Schmerzen und Fieber:
- Ibuprofen 400mg und Paracetamol 500mg
- Fieberthermometer
Verdauung:
- Elektrolytpulver (für Durchfall und Dehydration — kritisch!)
- Aktivkohle-Tabletten
Die vollständige Übersicht: Erste-Hilfe-Sets im Vergleich
Drei lebensrettende Handgriffe, die jeder kennen sollte
1. Blutung stoppen
Starke Blutungen sind lebensbedrohlich. Die Methode:
- Druckverband anlegen: sterile Kompresse auf die Wunde, mit Binde fest umwickeln
- Bei Arterienverletzungen (spritzend, hellrot): Tourniquet anlegen, wenn kein Druckverband reicht
- Wunde hochhalten
Einen Erste-Hilfe-Kurs machen — Theorie allein reicht hier nicht.
2. Stabile Seitenlage
Bei Bewusstlosigkeit: Stabile Seitenlage verhindert, dass die bewusstlose Person an Erbrochenem erstickt. Bewegungsreihenfolge: Arm des Patienten zum Helfer hin ausstrecken, Knie anwinkeln, zum Helfer drehen, Kopf überstrecken. Das lernt man in 10 Minuten im Kurs.
3. Herzdruckmassage
Kreislaufstillstand: 30 Druckmassagen (5–6 cm tief, 100/min) + 2 Beatmungsversuche. Ohne Kurs schlechter ausführbar, aber schlechte Wiederbelebung ist besser als keine. AED-Geräte (in Bahnhöfen, Malls) mit Sprachführung helfen.
Wasserdesinfektion als medizinische Maßnahme
Durchfall durch kontaminiertes Wasser tötet mehr Menschen in Krisen als direkte Verletzungen. Das lässt sich verhindern:
- Wasser abkochen (1 Minute sprudelnd) tötet alle biologischen Erreger
- Chlordioxid-Tabletten (Micropur) desinfizieren 1 Liter pro Tablette
- Wasserfilter (Berkey, Sawyer) für größere Mengen
Elektrolytpulver (Oral-Rehydrationstherapie) rettet Leben bei schwerer Dehydration durch Durchfall. 10 Beutel im Vorrat sind Minimum. Mehr: Medikamente lagern
Erste-Hilfe-Kurs: Der wichtigste Schritt
Kein Equipment ersetzt Wissen. Ein Erste-Hilfe-Kurs beim DRK, Malteser oder DLRG kostet ca. 30 Euro und einen Samstag — und gibt Ihnen die Grundlage, um in echten Notfällen handlungsfähig zu sein.
Empfehlenswert:
- Grundkurs Erste Hilfe — 9 Unterrichtseinheiten (Pflicht für Führerschein)
- HLW-Kurs (Herz-Lungen-Wiederbelebung) — oft 3 Stunden, reicht als Auffrischung
- ERC-Kurs — für Fortgeschrittene, europäischer Standard
Die Kenntnisse bleiben 2–3 Jahre frisch, dann ist eine Auffrischung sinnvoll.
Was bei persönlichen Dauermedikamenten zu beachten ist
Wer dauerhaft Medikamente nimmt (Blutdruck, Schilddrüse, Diabetes, Epilepsie), muss einen Vorrat von 4 Wochen haben. Apotheken können bei einem 3-Wochen-Vorrat auf ein monatliches Rezept wechseln — fragen Sie Ihren Arzt und die Apotheke.
Insulin und andere kühlpflichtige Medikamente: Kühltasche mit Gel-Kühlelementen für mindestens 48 Stunden vorbereiten.