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Erste Hilfe im Notfall: Was tun wenn der Rettungsdienst nicht kommt

Bei Katastrophen oder Massenanfall von Verletzten kann der Rettungsdienst überlastet oder nicht erreichbar sein. Was du als Laie wissen und können müssen — lebensrettende Maßnahmen, Wundversorgung und der richtige Umgang mit Notfällen.

⏱ Lesezeit: ca. 15 Minuten📅 Aktualisiert: März 2026✓ DRK und ERC-Leitlinien 2021

⚠️ Wichtiger Hinweis

Dieser Guide ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs. Er gibt Orientierung für Laien in Ausnahmesituationen. Das DRK empfiehlt, alle 2–3 Jahre einen Erste-Hilfe-Kurs zu wiederholen. Notruf 112 immer als Erstes wählen wenn möglich.

Warum Erste Hilfe im Krisenfall anders ist

Im normalen Alltag ist der Rettungsdienst in 8–15 Minuten vor Ort. Bei Großschadensereignissen, Hochwasser, Erdbeben oder einem Blackout kann das ganz anders aussehen:

  • Rettungsdienste können überlastet oder unzugänglich sein
  • Krankenhäuser können evakuiert oder nicht erreichbar sein
  • Kommunikation (Notruf) kann unterbrochen sein
  • Verletzungen durch Trümmer, Flut oder andere Katastrophenfolgen

In solchen Situationen können Erste-Hilfe-Kenntnisse den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen — nicht nur für andere, sondern auch für dich selbst.

Die lebensrettende Sofortkette

Bei einem bewusstlosen oder verletzten Menschen gilt immer diese Reihenfolge:

1. SicherheitEigene Sicherheit zuerst. Sich selbst nicht in Gefahr bringen. Strom, Gas, Verkehr, Absturzgefahr prüfen.
2. BewusstseinAnsprechen und vorsichtig schütteln: 'Kannst du mich hören?' — Reagiert die Person?
3. Notruf 112Notruf wählen (funktioniert auch ohne SIM-Karte und mit leerem Akku). Adresse, Vorfall, Zustand mitteilen, Rückfragen abwarten.
4. AtemwegBewusstloser ohne Reaktion: Kopf vorsichtig in Nacken, Kinn anheben. Normal atmend: Stabile Seitenlage. Nicht atmend: CPR beginnen.
5. CPRHerzdruckmassage: 30 Drücke (5–6 cm, 100–120/min) + 2 Beatmungen. Ohne Beatmung: nur Herzdruckmassage kontinuierlich.

Blutungen stoppen — die wichtigste Fähigkeit

Starke Blutungen können in Minuten zum Tod führen. Das richtige Vorgehen:

  1. Direkter Druck: Steriles Tuch (oder sauberste verfügbare Alternative) auf die Wunde legen und fest drücken — kontinuierlich, nicht nachschauen. Wenn Blut durchdringt, weiteres Tuch drüber legen.
  2. Druck halten: Mindestens 10 Minuten ununterbrochen Druck halten. Körpereigene Blutgerinnung braucht Zeit.
  3. Nie Fremdkörper entfernen: Eingestochene Gegenstände (Messer, Splitter, Glas) nie entfernen — sie können als natürlicher Stöpsel die Blutung verlangsamen.
  4. Tourniquets: Bei lebensbedrohlicher Blutung an Arm oder Bein, wenn Druck nicht ausreicht: Tourniquet 5–8 cm oberhalb der Wunde anlegen, fest anziehen, Zeit notieren. Schmerzhaft aber lebensrettend.
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Häufige Notfälle im Krisenfall — Schnellreferenz

Schock

Schock (nicht psychischer Schock, sondern medizinischer) entsteht wenn zu wenig Blut zu den Organen gelangt — durch Blutungen, Verbrennungen, schwere Allergien oder Infektionen.

  • Erkennungszeichen: Blasse, kalte, feuchte Haut; schneller schwacher Puls; Unruhe; Bewusstseinstrübung
  • Person hinlegen, Beine hochlagern (außer bei Brust-/Kopf-/Bauchverletzungen)
  • Warm halten (Rettungsfolie, Decke)
  • Beruhigen, Bewusstsein beobachten
  • Notruf 112

Verbrennungen

  • Kühlen: 10–15 Minuten mit kühlem (nicht eiskaltem) Wasser — sofort beginnen, senkt Gewebeschaden
  • Keine Butter, kein Öl, keine Zahnpasta auf Verbrennungen
  • Verbrannte Kleidung nicht entfernen wenn sie klebt
  • Ab Handflächen-Größe: Arzt oder Notruf
  • Inhalationsverletzungen (Rauchgas): immer Notruf

Knochenbrüche und Traumata

  • Ruhigstellen in der Position wie vorgefunden — kein Versuch, Knochen zu richten
  • Improvisierte Schiene: Brett, Äste, gerollte Kleidung
  • Offener Bruch (Knochen sichtbar): steril abdecken, nicht berühren
  • Wirbelsäulentrauma (Sturz aus Höhe, Autounfall): Person NICHT bewegen außer bei Lebensgefahr

Unterkühlung

  • Person aus Kälte/Nässe bringen
  • Nasse Kleidung entfernen (vorsichtig)
  • Mit Decken und Rettungsfolie einwickeln
  • Keine direkte Wärme (kein Heizkissen direkt auf Haut — Gefäßschäden!)
  • Warme (nicht heiße) Getränke wenn bei Bewusstsein und schluckfähig
  • Bei Unterkühlung: Herzrhythmusstörungen möglich — schonend behandeln

Hitzschlag

Unterschied zu Hitzeerschöpfung: Hitzschlag = heiße trockene Haut, Verwirrtheit, kein Schwitzen mehr. Lebensbedrohlich!

  • Sofort kühlen: Nasse Tücher auf Nacken, Achseln, Leistengegend
  • In Schatten/kühlen Raum
  • Kleidung lockern
  • Notruf 112

Improvisierten Erste-Hilfe-Ausrüstung

Im Krisenfall sind sterile Materialien möglicherweise nicht verfügbar. Improvisation:

  • Wundauflage: Sauberes Tuch, Kleidungsstück, Binden aus Stofffetzen
  • Schiene: Stöcke, Äste, Bretter, aufgerollte Kleidung
  • Tourniquet: Gürtel, Stromleitungsisolierung, Krawatte — fest anziehen
  • Tragbare: Decke über zwei Stäbe (Tragbahre) für Transport
  • Pinzette: Mit gespaltenen Ästen und Tuch

Das richtige Erste-Hilfe-Set für den Krisenfall

Standard-Verbandskästen (DIN 13164) sind für alltägliche Unfälle ausgelegt — im Krisenfall reichen sie nicht. Erweitere dein Set um:

  • CAT-Tourniquet oder SOF-T Wide (professionelles Abbindemittel)
  • Israelischer Druckverband (Emergency Bandage) — für starke Blutungen
  • Hämostyptische Wundauflage (QuikClot, Celox)
  • CPR-Atemschutzmaske
  • Mylar-Rettungsdecken (2–3 Stück)
  • Einmalhandschuhe (mind. 10 Paar)
  • Schmerzmittel (Ibuprofen, Paracetamol — Vorrat)
  • Schüttelfrost-Tabletten
  • Antibiotika-Creme

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Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen — Empfehlungen

Wissen verblasst. Das DRK empfiehlt, Erste-Hilfe-Kenntnisse alle 2–3 Jahre aufzufrischen. Optionen:

  • Standard-Erste-Hilfe-Kurs (9 Stunden): Pflicht für Führerschein, Basis für alle. Beim DRK, Malteser, Johanniter oder ASB.
  • Erweiterte Erste Hilfe (16+ Stunden): Empfehlenswert für alle die ernsthaft vorsorgen. Mehr Szenarien, mehr Praxis.
  • Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW)-Kurs: Oft als 2-Stunden-Kurs, regelmäßig auffrischen.
  • Wilderness First Aid: Für Wanderer und Outdoor-Enthusiasten — 16+ Stunden, speziell für Situationen ohne schnelle Hilfe.

Kurse finden: DRK Erste-Hilfe-Kurse

Häufige Fragen zur Ersten Hilfe im Krisenfall

Was ist bei Herzstillstand zu tun wenn kein Defibrillator vorhanden ist?
Sofort mit Herzdruckmassage beginnen: 30 Drücke (5–6 cm tief, 100–120 pro Minute) auf die Mitte des Brustbeins, dann 2 Beatmungen. Wenn keine Beatmung möglich: Nur-Hände-CPR (kontinuierliche Herzdruckmassage) ist deutlich besser als gar nichts. Weitermachen bis Rettungsdienst übernimmt oder Erschöpfung.
Wie lange kann ich ohne professionelle Hilfe Erste Hilfe leisten?
Herzdruckmassage ist innerhalb von 2–3 Minuten nach Herzstillstand am effektivsten (Gehirn ohne Sauerstoff). Nach 4–6 Minuten steigt das Risiko irreversibler Hirnschäden. Trotzdem: Weitermachen auch nach Minuten — es gibt dokumentierte Fälle erfolgreicher Reanimation nach 30+ Minuten. Regelmäßige Abwechslung mit anderen Helfern reduziert Erschöpfung.
Was ist Schock und wie erkenne ich ihn?
Schock ist ein lebensbedrohlicher Zustand unzureichender Blutversorgung der Organe. Anzeichen: blasse, kalte, feuchte Haut, schneller schwacher Puls, flache Atmung, Bewusstseinstrübung, Unruhe, Durst. Maßnahmen: Person hinlegen, Beine hochlagern (außer bei Kopf-, Brust-, Bauchverletzungen), warm halten, Notruf, beruhigen. Keinen Kaffee oder Alkohol geben.
Wie versorge ich eine starke Wunde ohne Arzt?
Starke Blutung sofort durch direkten Druck stoppen: Steriles Tuch auf Wunde, fest drücken, nicht loslassen auch wenn Blut durchdringt (weiteres Tuch drüber). Bei Extremitäten: Abbinden als letzte Maßnahme (Tourniquets aus dem Erste-Hilfe-Set), aber nur wenn Leben in Gefahr. Notruf 112. Niemals Fremdkörper aus Wunde entfernen — sie können Blutung stoppen.
Was sollte in einem Erste-Hilfe-Set für den Krisenfall enthalten sein?
Über DIN-13164-Standard hinaus empfehlen wir für den Krisenfall: Tourniquet (israelischer Druckverband), Blutstillungsmittel (QuikClot oder ähnlich), Wundkompresse (hämostyptisch), Wundnaht-Strips oder Wundkleber, Atemmaske für CPR, Einmalhandschuhe (mehrere Paar), Dreieckstuch, Rettungsfolie, Pinzette, Schere, Schmerzmittel, Antibiotika-Creme.
Wo kann ich einen guten Erste-Hilfe-Kurs machen?
DRK (Deutsches Rotes Kreuz), ADAC, Malteser, Johanniter und viele Volkshochschulen bieten Erste-Hilfe-Kurse an. Der Standard-Kurs (9 Unterrichtseinheiten) reicht für Führerschein und Grundkenntnisse. Empfehlenswert für ernsthafte Krisenvorsorge: Erweiterte Erste Hilfe (16+ Stunden) oder Wilderness First Responder-Kurse.

📚 Quellen

  • • DRK — Erste Hilfe Leitlinien: drk.de
  • • European Resuscitation Council — Reanimationsleitlinien 2021: erc.edu
  • • BBK — Katastrophenschutz Erste Hilfe: bbk.bund.de
  • • ADAC — Erste Hilfe: adac.de