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Krisenvorsorge für Familien: Der komplette Notfallplan

Familien mit Kindern haben andere Bedürfnisse als Singles. Säuglinge, Schulkinder, Haustiere, pflegebedürftige Angehörige — was jede Familie für den Notfall planen und vorbereiten sollte.

⏱ Lesezeit: ca. 12 Minuten📅 Aktualisiert: März 2026✓ BBK Familienempfehlungen

👨‍👩‍👧 Familien sind besonders verletzlich

Familien mit kleinen Kindern, Säuglingen oder pflegebedürftigen Angehörigen haben im Krisenfall besondere Herausforderungen: höherer Wasser- und Nahrungsbedarf, spezielle Medikamente, psychologische Stabilisierung der Kinder und Koordination unter Stress. Ein guter Plan macht den Unterschied.

Schritt 1: Den Familien-Notfallplan erstellen

Ein Notfallplan ist keine dicke Akte — er muss klar und handlungsorientiert sein:

Die drei Kernelemente

  • Außenkontakt: Eine Person außerhalb deiner Stadt/Region, die alle Familienmitglieder erreichen können. Im Krisenfall sind lokale Netze oft überlastet — weiträumige Verbindungen funktionieren besser. Diese Person nimmt Nachrichten entgegen und gibt sie weiter.
  • Zwei Treffpunkte: Nah (z.B. vor dem Haus oder direkt um die Ecke) für Situationen wie ein Hausbrand. Fern (z.B. eine bestimmte Schule, die Wohnung der Großeltern) für Situationen wo das Viertel evakuiert wird.
  • Kommunikationsregel: Wenn niemand erreichbar: Treffpunkt aufsuchen und warten. Zeiten festlegen (z.B. 30 Minuten warten).

Den Plan aufschreiben und üben

  • Notfallplan auf 1 DIN-A4-Seite — laminiert, griffbereit
  • Eine Kopie in der Schultasche/am Arbeitsplatz
  • Einmal pro Jahr durchgehen und aktualisieren
  • Mit Kindern altersgerecht üben (kein Erschrecken, sondern Kompetenz vermitteln)

Schritt 2: Notfallvorrat für die Familie berechnen

Der BBK empfiehlt 10 Tage Notvorrat. Für Familien:

PersonWasser/TagKalorien/TagBesonderheiten
Erwachsener2 L2.000–2.500 kcalStandard
Kind 6–12 Jahre1,5 L1.500–2.000 kcalLieblingsessen einplanen
Kleinkind 2–5 Jahre1 L1.000–1.400 kcalWeiche Speisen nötig
Säugling <1 JahrMuttermilch oder FormelSeparate Planung nötig

Detaillierter Guide: Notvorrat anlegen — Schritt für Schritt

Schritt 3: Besondere Bedürfnisse planen

Familien mit Säuglingen

  • Stillen ist die sicherste Option: Keine Aufbereitung nötig, immer verfügbar, immunisierend. Stillende Mütter brauchen ausreichend Kalorien und Flüssigkeit.
  • Formel-Vorrat: Mindestens 4 Wochen Babynahrung, bevorzugt Pulverform (länger haltbar). Klares Wasser zum Anmischen zwingend.
  • Windeln und Hygiene: Mindestens 200 Windeln für Neugeborene (Verbrauch 8–12 pro Tag). Feuchttücher, Pflegeprodukte.
  • Psychologische Sicherheit: Vertraute Gegenstände (Schnuller, Kuscheltier, Lieblingsdecke) bei Evakuierung mitnehmen — beruhigt Säuglinge effektiv.

Familien mit Schulkindern

  • Schulprotokoll für Notfälle kennen — wer darf Kind abholen?
  • Kinder ab 8 Jahren können Telefonnummern auswendig lernen
  • Ab 10 Jahren: Grundregeln der Ersten Hilfe üben
  • Lieblingsessen und Snacks im Notvorrat — Normalität in Ausnahme stabilisiert
  • Bücher, Spiele, Beschäftigung für Tage ohne Strom

Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen

  • Medikamente für mindestens 4 Wochen bevorraten (mit Arzt besprechen)
  • Medizinische Geräte (Beatmung, Stühle) auf Notstrom prüfen
  • Beim Netzbetreiber als Haushalt mit besonderem Bedarf registrieren
  • Evakuierung planen: Transportmöglichkeit, Rollstuhl/Pflegebett berücksichtigen
  • Mehr: Krisenvorsorge für Senioren

Schritt 4: Notfallrucksäcke für die Familie

Jedes Familienmitglied sollte einen eigenen oder altersgemäß befüllten Rucksack haben. Bei einer schnellen Evakuierung zählt jede Sekunde.

👨 Erwachsenen-Rucksack

  • ✓ Wichtige Dokumente (waterproof)
  • ✓ Bargeld (Kleingeld!)
  • ✓ Medikamente (7 Tage)
  • ✓ Wasser + Ration 3 Tage
  • ✓ Taschenlampe + Powerbank
  • ✓ Erste-Hilfe-Set
  • ✓ Kleidung (3 Tage, wetterfest)

👧 Kinder-Rucksack (ab 6)

  • ✓ Notfallinfo-Karte (Name, Eltern)
  • ✓ Taschenlampe (eigene!)
  • ✓ Wasser + Snacks
  • ✓ Wechselkleidung
  • ✓ 1 Kuscheltier
  • ✓ Buch oder Spiel
  • ✓ Notfallpfeife

Ausführlicher Guide: Notfallrucksack packen — die komplette Liste

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Kinder vorbereiten — ohne Angst zu machen

Kinder, die wissen was im Notfall zu tun ist, sind sicherer und stabiler als solche die hilflos sind. Das Ziel ist nicht Angst, sondern Kompetenz:

  • Altersgerechte Erklärungen: 5-Jährige: „Wenn zu Hause ein Feuer ist, gehen wir raus und treffen uns vor der Haustür." 12-Jährige: Komplexere Szenarien, Erste-Hilfe-Grundlagen.
  • Notfall-Übungen: „Feuerprobe" üben — ruhig, nicht als Schocktest. Alle wissen: Das ist eine Übung.
  • Telefonnummern lernen: Beide Elternteile auswendig kennen. Notruf 112 kennen und wann man ihn ruft.
  • Sicherheitskarte erstellen: Mit Namen, Telefonnummern und Treffpunkt. Laminiert in Schulranzen.

Kommunikationsplan für die Familie

Im Krisenfall ist Kommunikation schwieriger. Plane jetzt:

  • Außenkontakt festlegen und regelmäßig Nummer aktualisieren
  • Alle Mitglieder kennen die Außenkontakt-Nummer auswendig
  • Einigung auf SMS statt Anruf (entlastet überlastete Netze)
  • PMR-Funk für lokale Kommunikation in der Familie
  • WhatsApp-Gruppe oder Signal-Gruppe für schnelle Statusmeldungen

Mehr: Kommunikation ohne Strom — der vollständige Guide

Häufige Fragen zur Krisenvorsorge mit Familie

Wie erkläre ich Kindern Krisenvorsorge ohne Angst zu machen?
Sprich sachlich und handlungsorientiert — 'Was tun wir wenn...' statt 'Was passiert wenn...'. Übe Notfallpläne als Spiel oder Probe. Betone Kontrolle und Kompetenz: 'Wir wissen was wir tun.' Passe die Komplexität dem Alter an: 6-Jährige brauchen nur 2–3 Regeln, Teenager können mehr verstehen.
Was muss eine Familie mit Säugling extra bevorraten?
Säuglinge brauchen: Babynahrung oder Säuglingsanfangsmilch (Formel) für 2+ Wochen, frisches Wasser zum Zubereiten, Sterilisationsausrüstung (oder Tabletten), ausreichend Windeln, Babyfeuchttücher, Hautpflegeprodukte. Stillende Mütter brauchen genug Kalorien und Flüssigkeit für sich selbst. Nicht vergessen: Lieblingsschnuller, Kuscheltier — psychologischer Anker für Kinder.
Was wenn Kinder bei Krise in der Schule sind?
Kläre mit der Schule deren Notfallprotokoll. Benenne klare Bevollmächtigte die dein Kind abholen dürfen. Erkläre deinem Kind: 'Warte in der Schule bis ich oder Oma kommt.' Hinterlege der Schule einen Notfallkontakt außerhalb deiner Familie. Übe mit dem Kind was es tun soll wenn niemand kommt.
Wie viel Wasser braucht eine Familie mit 2 Kindern?
Faustregel BBK: 2 Liter Trinkwasser pro Person und Tag. Für eine 4-köpfige Familie (2 Erwachsene, 2 Kinder) sind das 8 Liter pro Tag, 80 Liter für 10 Tage. Kinder haben oft etwas geringeren Bedarf, dafür aber mehr Hygiene-Wasser (Sauberkeit). Plane 3 Liter/Person/Tag für Trinken + Kochen + Hygiene.
Sollte ich meinen Kindern zeigen wo der Sicherungskasten ist?
Ja — ab ca. 10 Jahren können Kinder lernen, wo der Sicherungskasten ist und wie man ihn handhabt. Ältere Kinder können den Hauptwasserhahn, das Gasventil und den Sicherungskasten kennen. Das gibt Sicherheit und Handlungskompetenz statt Hilflosigkeit.
Was sollte im Familien-Notfallplan stehen?
Ein guter Familien-Notfallplan enthält: Notfallkontakte (Familie, Arzt, Schule, Netzbetreiber), zwei Treffpunkte (nah und fern), einen Außenkontakt als Relaisstation, den Weg zu Notunterkünften, Besonderheiten der Familienmitglieder (Allergien, Medikamente), Standort von Notfallset und Dokumenten, Abschaltpunkte (Gas, Strom, Wasser).

📚 Quellen

  • • BBK — Vorsorge für die Familie: bbk.bund.de
  • • FEMA (USA) — Family Emergency Plan: ready.gov
  • • DRK — Krisenvorsorge für Familien: drk.de