👨👩👧 Familien sind besonders verletzlich
Familien mit kleinen Kindern, Säuglingen oder pflegebedürftigen Angehörigen haben im Krisenfall besondere Herausforderungen: höherer Wasser- und Nahrungsbedarf, spezielle Medikamente, psychologische Stabilisierung der Kinder und Koordination unter Stress. Ein guter Plan macht den Unterschied.
Schritt 1: Den Familien-Notfallplan erstellen
Ein Notfallplan ist keine dicke Akte — er muss klar und handlungsorientiert sein:
Die drei Kernelemente
- Außenkontakt: Eine Person außerhalb deiner Stadt/Region, die alle Familienmitglieder erreichen können. Im Krisenfall sind lokale Netze oft überlastet — weiträumige Verbindungen funktionieren besser. Diese Person nimmt Nachrichten entgegen und gibt sie weiter.
- Zwei Treffpunkte: Nah (z.B. vor dem Haus oder direkt um die Ecke) für Situationen wie ein Hausbrand. Fern (z.B. eine bestimmte Schule, die Wohnung der Großeltern) für Situationen wo das Viertel evakuiert wird.
- Kommunikationsregel: Wenn niemand erreichbar: Treffpunkt aufsuchen und warten. Zeiten festlegen (z.B. 30 Minuten warten).
Den Plan aufschreiben und üben
- Notfallplan auf 1 DIN-A4-Seite — laminiert, griffbereit
- Eine Kopie in der Schultasche/am Arbeitsplatz
- Einmal pro Jahr durchgehen und aktualisieren
- Mit Kindern altersgerecht üben (kein Erschrecken, sondern Kompetenz vermitteln)
Schritt 2: Notfallvorrat für die Familie berechnen
Der BBK empfiehlt 10 Tage Notvorrat. Für Familien:
| Person | Wasser/Tag | Kalorien/Tag | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Erwachsener | 2 L | 2.000–2.500 kcal | Standard |
| Kind 6–12 Jahre | 1,5 L | 1.500–2.000 kcal | Lieblingsessen einplanen |
| Kleinkind 2–5 Jahre | 1 L | 1.000–1.400 kcal | Weiche Speisen nötig |
| Säugling <1 Jahr | — | Muttermilch oder Formel | Separate Planung nötig |
Detaillierter Guide: Notvorrat anlegen — Schritt für Schritt
Schritt 3: Besondere Bedürfnisse planen
Familien mit Säuglingen
- Stillen ist die sicherste Option: Keine Aufbereitung nötig, immer verfügbar, immunisierend. Stillende Mütter brauchen ausreichend Kalorien und Flüssigkeit.
- Formel-Vorrat: Mindestens 4 Wochen Babynahrung, bevorzugt Pulverform (länger haltbar). Klares Wasser zum Anmischen zwingend.
- Windeln und Hygiene: Mindestens 200 Windeln für Neugeborene (Verbrauch 8–12 pro Tag). Feuchttücher, Pflegeprodukte.
- Psychologische Sicherheit: Vertraute Gegenstände (Schnuller, Kuscheltier, Lieblingsdecke) bei Evakuierung mitnehmen — beruhigt Säuglinge effektiv.
Familien mit Schulkindern
- Schulprotokoll für Notfälle kennen — wer darf Kind abholen?
- Kinder ab 8 Jahren können Telefonnummern auswendig lernen
- Ab 10 Jahren: Grundregeln der Ersten Hilfe üben
- Lieblingsessen und Snacks im Notvorrat — Normalität in Ausnahme stabilisiert
- Bücher, Spiele, Beschäftigung für Tage ohne Strom
Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen
- Medikamente für mindestens 4 Wochen bevorraten (mit Arzt besprechen)
- Medizinische Geräte (Beatmung, Stühle) auf Notstrom prüfen
- Beim Netzbetreiber als Haushalt mit besonderem Bedarf registrieren
- Evakuierung planen: Transportmöglichkeit, Rollstuhl/Pflegebett berücksichtigen
- Mehr: Krisenvorsorge für Senioren
Schritt 4: Notfallrucksäcke für die Familie
Jedes Familienmitglied sollte einen eigenen oder altersgemäß befüllten Rucksack haben. Bei einer schnellen Evakuierung zählt jede Sekunde.
👨 Erwachsenen-Rucksack
- ✓ Wichtige Dokumente (waterproof)
- ✓ Bargeld (Kleingeld!)
- ✓ Medikamente (7 Tage)
- ✓ Wasser + Ration 3 Tage
- ✓ Taschenlampe + Powerbank
- ✓ Erste-Hilfe-Set
- ✓ Kleidung (3 Tage, wetterfest)
👧 Kinder-Rucksack (ab 6)
- ✓ Notfallinfo-Karte (Name, Eltern)
- ✓ Taschenlampe (eigene!)
- ✓ Wasser + Snacks
- ✓ Wechselkleidung
- ✓ 1 Kuscheltier
- ✓ Buch oder Spiel
- ✓ Notfallpfeife
Ausführlicher Guide: Notfallrucksack packen — die komplette Liste
Kinder-Notfallrucksack-Set mit Taschenlampe und Erste-Hilfe
Kompakter Rucksack für Kinder ab 6 Jahren. Inkl. LED-Taschenlampe, Erste-Hilfe-Set, Rettungsfolie und wasserdichtem Beutel für Dokumente.
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Kinder vorbereiten — ohne Angst zu machen
Kinder, die wissen was im Notfall zu tun ist, sind sicherer und stabiler als solche die hilflos sind. Das Ziel ist nicht Angst, sondern Kompetenz:
- Altersgerechte Erklärungen: 5-Jährige: „Wenn zu Hause ein Feuer ist, gehen wir raus und treffen uns vor der Haustür." 12-Jährige: Komplexere Szenarien, Erste-Hilfe-Grundlagen.
- Notfall-Übungen: „Feuerprobe" üben — ruhig, nicht als Schocktest. Alle wissen: Das ist eine Übung.
- Telefonnummern lernen: Beide Elternteile auswendig kennen. Notruf 112 kennen und wann man ihn ruft.
- Sicherheitskarte erstellen: Mit Namen, Telefonnummern und Treffpunkt. Laminiert in Schulranzen.
Kommunikationsplan für die Familie
Im Krisenfall ist Kommunikation schwieriger. Plane jetzt:
- Außenkontakt festlegen und regelmäßig Nummer aktualisieren
- Alle Mitglieder kennen die Außenkontakt-Nummer auswendig
- Einigung auf SMS statt Anruf (entlastet überlastete Netze)
- PMR-Funk für lokale Kommunikation in der Familie
- WhatsApp-Gruppe oder Signal-Gruppe für schnelle Statusmeldungen
Mehr: Kommunikation ohne Strom — der vollständige Guide
Häufige Fragen zur Krisenvorsorge mit Familie
Wie erkläre ich Kindern Krisenvorsorge ohne Angst zu machen?
Was muss eine Familie mit Säugling extra bevorraten?
Was wenn Kinder bei Krise in der Schule sind?
Wie viel Wasser braucht eine Familie mit 2 Kindern?
Sollte ich meinen Kindern zeigen wo der Sicherungskasten ist?
Was sollte im Familien-Notfallplan stehen?
Krisenvorsorge-Checkliste
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Haustiere im Krisenfall
Vorsorge für Hunde, Katzen und mehr
📚 Quellen
- • BBK — Vorsorge für die Familie: bbk.bund.de
- • FEMA (USA) — Family Emergency Plan: ready.gov
- • DRK — Krisenvorsorge für Familien: drk.de