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📻 Praxis-Anleitung

Kommunikation ohne Strom: Radio, Funk, Mesh-Netz

Beim Blackout fällt nicht nur der Strom aus — auch Mobilfunk und Internet sind irgendwann weg. Welche Kommunikationswege dann noch funktionieren und was du heute vorbereiten sollten.

⏱ Lesezeit: ca. 12 Minuten📅 Aktualisiert: März 2026✓ BNetzA und BBK Empfehlungen

📊 Welche Netze fallen wann aus?

0–2 h:Internet-Router ausfallen (kein Strom), Festnetz-Telefon (IP-Telefonie = weg)
2–8 h:Mobilfunk-Masten-Batterien leer, Netz bricht ein/zusammen
8+ h:Nur noch Notstrom-versorgte Masten (selten), Radio und lokaler Funk
Immer:UKW/DAB+ Radio (Sender haben Notstrom), Amateurfunk, PMR-Funk, Meshtastic

Stufe 1: Das Handy effizient einsetzen

In den ersten Stunden ist das Handy noch das beste Werkzeug — wenn du es smart nutzen:

  • Flugmodus aktivieren: Reduziert Akku-Verbrauch dramatisch. Alle 30–60 Minuten kurz Netz suchen, Nachrichten senden/empfangen, wieder Flugmodus.
  • SMS statt Anruf: SMS kommen noch durch wenn Sprachverbindungen überlastet sind. Kurze Statusnachrichten sind effizienter.
  • Powerbank immer voll halten: Eine 20.000-mAh-Powerbank lädt ein Smartphone 4–5 Mal auf.
  • WLAN-Calling: Wenn das Mobilfunknetz überlastet ist, aber Internet noch läuft: WLAN-Calling aktivieren (in Handy-Einstellungen). Kann Sprachqualität verbessern.
  • Offline-Karten laden: Maps.me oder Komoot offline herunterladen — GPS funktioniert ohne Internet und Mobilfunk.

Stufe 2: Batterie-Radio — Das unverzichtbare Grundgerät

Das Batterie- oder Kurbelradio ist das Herzstück jeder Krisenvorsorge. Es empfängt Informationen ohne jede Infrastruktur außer dem Radiosender selbst.

Was das Radio im Krisenfall liefert

  • Offizielle Behördeninformationen (BBK sendet über ARD)
  • Wetterinfos (DWD hat eigene Sender)
  • Lageberichte und Verhaltenshinweise
  • Informationen zu Evakuierungsgebieten und Notunterkünften

Welcher Empfang ist wichtig?

  • UKW (FM): Lokale Sender, beste Qualität, größte Reichweite für lokale Info
  • DAB+: Digitaler Rundfunk, bessere Qualität aber braucht Notstrom beim Sender
  • Mittelwelle (AM): Große Reichweite, Informationen von weit, wichtig für überregionale Lage
  • Kurzwelle (SW): International, DW und BBC World Service als Backup
  • Wetter-Rundfunk (NOAA/PWS): In Deutschland weniger verbreitet

Empfehlung: Multifunktions-Notfallradio

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Stufe 3: PMR-Funk — Für die Nachbarschaft

PMR (Private Mobile Radio) sind lizenzfreie Handfunkgeräte auf 446 MHz. Kein Netz nötig — Direktfunk zwischen Geräten.

  • Reichweite: 500 m bis 5 km (Gelände abhängig)
  • Kosten: 20–60 € pro Gerätepaar
  • Lizenz: Keine nötig
  • Ideal für: Familie, Nachbarschaft, kurze Abstände
  • Kanäle: 16 Kanäle, alle können mithören — keine vertrauliche Kommunikation

Tipp: Kauf mindestens 4 Geräte (2 Paare) und wähle einen Kanal für die Nachbarschaft. Sprich das im Voraus ab.

Stufe 4: Amateurfunk — Für ernsthafte Vorbereitung

Amateurfunker sind das Rückgrat der Notfallkommunikation weltweit. In Deutschland gibt es ca. 80.000 Amateurfunker, viele davon in Notfunk-Gruppen organisiert (DARC, BOS-Funk).

  • Reichweite: Lokal bis weltweit (abhängig von Frequenz und Ausrüstung)
  • Frequenzen: VHF/UHF für lokal (2m/70cm), Kurzwelle für überregional
  • Lizenz: Klasse E (Einsteiger) oder A beim BNetzA erforderlich
  • Kosten: Einstiegsgerät ab 50 € (Baofeng UV-5R), Antenne ab 30 €
  • Notfunkfrequenzen DE: 145.500 MHz (2m Anruffrequenz), 70.330 MHz (70cm)

Für Krisenvorsorge-Zwecke: Eine Klasse-E-Lizenz reicht für grundlegende Kommunikation. Der DARC bietet Vorbereitungskurse an. Prüfungsvorbereitung: ca. 2–3 Monate.

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Stufe 5: Meshtastic — Modernes Mesh-Netz ohne Infrastruktur

Meshtastic ist eine Open-Source-Software für kleine LoRa-Funkgeräte (ca. 30–50 €), die sich ohne Internet direkt verbinden und Textnachrichten weiterleiten. Jedes Gerät ist ein Knoten im Netz — je mehr Geräte, desto größer das Netz.

  • Reichweite: 2–5 km Stadt, bis 30 km freies Gelände pro Knoten
  • Kapazität: Textnachrichten, GPS-Koordinaten
  • Lizenz: Läuft auf ISM-Bändern (EU: 868 MHz), lizenzfrei
  • Kosten: 30–60 € pro Gerät (LILYGO T-Beam, Heltec WiFi LoRa 32)
  • App: Android/iOS-App verbindet sich per Bluetooth mit dem Gerät

Meshtastic ist noch nicht Mainstream, aber die Community wächst schnell. Ideal für technisch versierte Nutzer, die lokale Kommunikationsnetze aufbauen wollen.

Analog kommunizieren — wenn alles andere ausfällt

Manchmal ist analog am besten:

  • Vorher abgesprochene Treffpunkte: Wer ist wo, wenn alle Netze weg sind?
  • Briefkasten als Nachrichtensystem: Zettel hinterlassen
  • Nachbarschaftsnetz: Klingeln beim Nachbarn, Lagebesprechung
  • Sichtbare Signale: Im Fenster (grünes Tuch = alles okay, rotes = Hilfe)
  • Wichtige Nummern ausgedruckt: Feuerwehr, Polizei, Familie, Arzt, Netzbetreiber

Vorbereitungs-Checkliste: Kommunikation

📦 Geräte

  • ☑ Batterie-Radio (Kurbel + Solar)
  • ☑ Powerbank 20.000+ mAh
  • ☑ PMR-Funkgeräte (2 Paare)
  • ☑ Wichtige Nummern ausgedruckt
  • ☑ Offline-Karten auf Handy

📋 Vereinbarungen

  • ☑ Treffpunkt mit Familie vereinbart
  • ☑ Außenkontakt benannt
  • ☑ PMR-Kanal mit Nachbarschaft
  • ☑ Radio-Sender für Notinfos kennen
  • ☑ Fenster-Signal vereinbart

Häufige Fragen zur Kommunikation ohne Strom

Funktioniert das Handy bei einem Stromausfall noch?
Kurzzeitig ja — Mobilfunkmasten haben Notstromversorgung (Batterien, teilweise Aggregate), die 4–8 Stunden halten. Bei einem großflächigen Blackout bricht das Mobilfunknetz ab einer gewissen Zeit zusammen. Dazu kommen Netzüberlastungen, weil alle gleichzeitig telefonieren. SMS funktionieren noch wenn Sprache schon ausfällt.
Was ist das wichtigste Kommunikationsgerät für den Krisenfall?
Das Batterie- oder Kurbelradio ist die einzige vollständig netzunabhängige Möglichkeit, Informationen zu empfangen. Es braucht keine Infrastruktur außer einem Radiosender — die ARD und die Bundesbehörden senden im Notfall auf UKW und Mittelwelle. Kauf ein Radio mit Kurbeldynamo, Solar und Akkubetrieb.
Wie funktioniert ein Mesh-Netzwerk im Notfall?
Mesh-Netzwerke wie Meshtastic nutzen LoRa-Funkchips (433/868 MHz) in kleinen Geräten (ESP32), die sich ohne Internet direkt miteinander verbinden. Jedes Gerät ist ein Knoten und leitet Nachrichten weiter. Reichweite: 2–5 km im Stadtgebiet, bis 30 km freies Gelände. Ideal für lokale Nachbarschaftskommunikation ohne Infrastruktur.
Brauche ich eine Lizenz für das Amateurfunk?
Für den Amateurfunk in Deutschland ja: Klasse E (Einsteiger) oder Klasse A (alle Frequenzen). Die Prüfung beim BNetzA ist nicht trivial aber machbar. Im Krisenfall (Not- und Katastrophenfunk) gelten Ausnahmen, aber praktisch: Wer im Ernstfall funken will, sollte vorher üben. Alternativen ohne Lizenz: PMR-Funk (kurze Reichweite) und Meshtastic (lizenzfrei auf ISM-Bändern).
Was ist PMR-Funk und wie weit reicht er?
PMR (Private Mobile Radio) ist lizenzfreier Kurzstreckenfunk auf 446 MHz. Typische Reichweite: 500 m bis 5 km je nach Gelände und Bebauung. Günstige Geräte ab 20 € pro Paar. Gut für Kommunikation innerhalb der Familie oder Nachbarschaft. Nachteil: Kanal wird von anderen geteilt, keine Vertraulichkeit.
Wie kann ich im Ausland kommunizieren wenn das Mobilfunknetz ausfällt?
Satellitentelefone (Iridium, Inmarsat) funktionieren weltweit unabhängig von terrestrischen Netzen. Preis: Gerät 500–1.500 €, Minuten teuer (1–3 €/Minute). Günstiger: Garmin inReach oder SPOT — Satellit-Messenger für Kurznachrichten und GPS-Ortung ab 25 €/Monat. Für Deutschland: Satellitentelefon ist Overkill außer für professionelle Krisenvorsorge.

📚 Quellen