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Kommunikation ohne Strom 2026 — Notfunk, Kurbelradio, PMR

Wenn Mobilnetz und Internet ausfallen, brauchen Sie Alternativen. Dieser Guide zeigt alle Optionen von PMR-Funk bis Signalspiegel, mit konkreten Kaufempfehlungen ab 35 Euro.

Was wir beim Testen gemerkt haben: Beim Thema Kommunikation überspringen die meisten die einfachste Stufe — ein UKW-Kurbelradio für 40 Euro. Erst wenn das steht, lohnt es sich über teurere Lösungen nachzudenken.

Zuletzt aktualisiert: April 2026Autor: Redaktion krisenfall.euLesezeit: ca. 18 Minuten

Juli 2021, Ahrtal: 134 Tote. Das Mobilfunknetz brach nach 6 Stunden zusammen. Festnetz war schneller tot. Wer ein Kurbelradio besaß, erfuhr rechtzeitig, wo Hilfe eintraf. Wer ein PMR-Funkgerät in der Schublade hatte, konnte Nachbarn warnen und Rettungsketten organisieren. Alle anderen standen ohne jede Verbindung da.

Laut Bundesnetzagentur fielen in den Hochwassergebieten über 80 % der Mobilfunkmasten innerhalb von 6 Stunden aus. Die USV-Batterien der Basisstationen halten 4 bis 8 Stunden. Danach ist Schluss. Gleichzeitig überlasten Massenanrufe die verbliebenen Kapazitäten. Das Resultat: komplette Funkstille genau dann, wenn Kommunikation am dringendsten wäre.

Dieser Artikel stellt jede realistische Alternative vor: Vom Kurbelradio für 35 Euro bis zum Amateurfunk-Netzwerk. Mit echten Reichweiten, deutschen Frequenzvorschriften und einer klaren Empfehlung, was Sie als Erstes anschaffen sollten. Ohne Beschönigung, ohne Marketing-Reichweiten.

1. Kaufberatung: Welches Notfallradio passt zu Ihnen?

Ein Notfallradio mit Kurbeldynamo gehört in jeden Haushalt. Punkt. Es funktioniert ohne Steckdose, ohne Batterien, ohne Mobilfunkmasten. Drei Minuten Kurbeln liefern 30 Minuten Empfang. Die ARD-Sender laufen auf Notstrom weiter, auch wenn das öffentliche Stromnetz ausfällt. Wer ein Kurbelradio besitzt, ist nie komplett abgeschnitten.

2. Kurbelradio und Solarradio — Nachrichten ohne Strom

Öffentlich-rechtliche Sender in Deutschland sind per Gesetz verpflichtet, bei Katastrophen Warnmeldungen auszustrahlen. Im Ahrtal 2021 und beim Hochwasser 2024 liefen WDR, NDR und BR auf Notstrom weiter. Sie sendeten Evakuierungshinweise, Sperrzonen und Informationen zu Hilfsangeboten. UKW und DAB+ sind die beiden Empfangswege, die am zuverlässigsten funktionieren, weil die Sendemasten eigene Notstromgeneratoren besitzen.

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Was ARD-Sender im Krisenfall senden

ARD-Regionalsender schalten bei Großlagen auf Katastrophenschutz-Modus. Konkret: WDR 2 sendet Evakuierungsrouten, Bayern 1 koordiniert Hilfsangebote, NDR 1 gibt Pegelstände durch. Mittelwelle (MW) ist eine weitere Option, die auch bei zerstörter UKW-Infrastruktur funktioniert. Die Deutsche Welle sendet auf Kurzwelle weltweit. Wer ein Radio mit MW- oder KW-Empfang besitzt, hat eine zusätzliche Absicherung.

Was ein gutes Notfallradio mitbringen muss

KriteriumMinimumBesserPremium
EmpfangUKW (FM)UKW + DAB+ + MW+ Kurzwelle (KW)
StromquelleKurbeldynamoKurbel + Solar + Akku+ USB-C-Eingang
Handy ladenNeinUSB-AusgangUSB-C mit 10 W
WasserschutzKeinerSpritzwasser (IPX4)Strahlwasser (IPX5)
TaschenlampeEinfache LEDLED + SOS-BlinkmodusLED + Fokus
Preisrahmen15–30 €35–80 €100–150 €

Notfallradio Kurbel Solar — der Einsteiger ab 35 Euro

UKW, DAB+ und Mittelwelle, dazu Kurbeldynamo und Solarpanel. Drei Minuten Kurbeln liefern ca. 30 Minuten Radioempfang. Der USB-Ausgang lädt Ihr Smartphone im Notfall auf. Keine Konfiguration, kein Vorwissen nötig: einschalten und hören. Für 35 Euro eine Anschaffung, die im Ernstfall unbezahlbar ist.

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Notfallradio mit Kurbel, Solar und Powerbank-Funktion
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UKW/DAB+/MW Empfang
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Kurbeldynamo + Solar = immer Strom
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Lädt Handy via USB
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Must-Have für jeden Haushalt
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UKW/DAB+/MW Empfang
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Sangean MMR-99 — unsere Empfehlung

Das Sangean MMR-99 hat uns im Test am meisten überzeugt. DAB+ liefert rauschfreien Digitalempfang, IPX5-Schutz macht das Gerät wetterfest, und USB-C lädt schneller als die älteren Micro-USB-Modelle. Der eingebaute Bluetooth-Lautsprecher funktioniert auch im Alltag. Bei 140 Euro kein Schnäppchen, aber das Radio, das Sie in 10 Jahren immer noch zuverlässig nutzen.

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Sangean MMR-99 — DAB+/AM/FM Kurbelradio, IPX5
DAB+ Empfang
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DAB+ Empfang für digitale Sender
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USB-C Ladekabel, Li-Ion-Akku
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Kurbel + Solar als Backup
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DAB+ Empfang für digitale Sender
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Eton FRX5-BT — Kurzwelle für weltweite Nachrichten

Die Besonderheit des Eton FRX5-BT: Kurzwellenempfang. Damit hören Sie BBC World Service, Deutsche Welle und Radio France Internationale, wenn lokale Sender ausfallen oder zensiert werden. Auf Kurzwelle reichen Signale Tausende Kilometer weit, völlig unabhängig von lokaler Infrastruktur. Der Bluetooth-Lautsprecher und USB-Ladeport runden das Paket ab. Der NOAA-Wetterfunk ist in Europa nicht relevant, zeigt aber die professionelle Verarbeitung.

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Eton FRX5-BT Kurbelradio — AM/FM/SW/NOAA, Bluetooth
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Bluetooth-Lautsprecher integriert
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USB-Ladeport für Smartphones
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Kurbel + Solar + USB + Akku
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3. PMR-Funk — lizenzfreie Kurzstreckenkommunikation

PMR 446 (Private Mobile Radio) ist der europäische Standard für lizenzfreie Handfunkgeräte. Keine Anmeldung. Keine Gebühren. Europaweit 8 einheitliche Kanäle auf 446 MHz. Sie kaufen zwei Geräte, schalten ein, drücken die Sprechtaste. Das ist alles. Für die Koordination in der Nachbarschaft, zwischen Stockwerken im Hochhaus oder auf dem Campingplatz die einfachste und günstigste Lösung.

Vorteile

  • Keine Lizenz, keine Anmeldung nötig
  • Geräte ab 15 Euro das Stück
  • Europaweit einheitliche 8 Kanäle
  • Sofort einsatzbereit per Knopfdruck
  • Betrieb mit AA/AAA-Batterien oder Akku
  • Wasserdichte Modelle verfügbar (IP67)
  • Kinder können sie bedienen

Grenzen

  • Max. 500 mW Sendeleistung (gesetzlich)
  • Stadtreichweite: 300 m bis 1 km realistisch
  • Nur 8 Kanäle, in Krisenlagen schnell voll
  • Kein offizieller Notfallkanal definiert
  • Nur Simplex (kein Relais-Betrieb erlaubt)
  • Keine Verschlüsselung

Vergessen Sie die Reichweitenangaben auf der Verpackung. Wenn dort "10 km" steht, meint der Hersteller: freie Sichtlinie zwischen zwei Bergkuppen bei perfektem Wetter. In einer Wohnsiedlung erreichen Sie 1 bis 2 km, in der Innenstadt oft nur 300 bis 800 Meter. Im offenen Feld sind 3 bis 8 km möglich. Das reicht für die Koordination mit Nachbarn und Familie im gleichen Stadtteil, aber nicht für Kontakt zu Verwandten am anderen Ende der Stadt.

PMR-Kanalplan für die Krisenvorsorge

KanalFrequenzEmpfohlene NutzungHinweis
Kanal 1446,00625 MHzAnruf- und Notfallkanal (inoffiziell)Am häufigsten überwacht
Kanal 2–6446,01875 – 446,08125 MHzGespräche, FamilienkoordinationFrei wählbar
Kanal 7446,09375 MHzGruppenkoordinationOft von Veranstaltern belegt
Kanal 8446,10625 MHzReserveWenig frequentiert

PMR-Geräte kaufen: Worauf achten

Kaufen Sie nur Geräte mit CE-Kennzeichen und expliziter PMR-446-Zulassung. Billigimporte senden häufig mit mehr als den erlaubten 500 mW oder auf falschen Frequenzen. Das ist in Deutschland strafbar. Empfehlenswerte Marken: Motorola Talkabout, Midland G-Serie, Kenwood ProTalk. Kaufen Sie immer mindestens zwei Geräte, denn ein Sender braucht einen Empfänger.

Meine persönliche Empfehlung: Legen Sie ein Paar PMR-Geräte zusammen mit Ersatzbatterien in Ihren Krisenvorsorge-Koffer. Kosten: 30 bis 50 Euro für ein solides Paar. Wenn Sie im Ernstfall Ihre Familie oder Nachbarn auf Kanal 3 erreichen können, weil Sie das vorher vereinbart haben, macht das einen enormen Unterschied.

4. CB-Funk — mehr Reichweite ohne Lizenz

CB-Funk (Citizens Band, 27 MHz) existiert seit den 1970ern. Auf 27 MHz breiten sich Funkwellen flacher aus als auf dem UHF-Band von PMR. In offenem Gelände sind 10 bis 50 km möglich. Bei atmosphärischen Überreichweiten (Sporadic-E) können CB-Signale sogar Hunderte Kilometer überbrücken. Seit 2003 ist CB-Funk in Deutschland lizenzfrei.

Der Nachteil: CB-Funkgeräte sind größer und schwerer als PMR-Handgeräte. Die Antennen müssen länger sein (27 MHz hat eine Wellenlänge von ca. 11 Metern). Handgeräte funktionieren, liefern aber deutlich weniger Reichweite als eine ordentliche Mobilantenne auf dem Autodach.

MerkmalPMR 446CB-Funk
LizenzKeineKeine (DE, seit 2003)
Sendeleistung500 mW4 W AM / 12 W SSB
Reichweite Stadt300 m – 1 km2–5 km
Reichweite Land3–8 km10–50 km
Gerätepreisab 15 € (Handgerät)ab 50 € (Hand), 80 € (KFZ)
AntennengrößeKlein, kompaktGrößer (27 MHz = lange Welle)
NotfallkanalKanal 1 (inoffiziell)Kanal 9 (international)
Ideal fürNachbarschaft, FamilieWeitreichende Verbindungen, KFZ
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CB-Notfallkanal: Kanal 9

Kanal 9 ist der international festgelegte Notfallkanal im CB-Funk. In Deutschland überwachen einzelne Hilfsorganisationen diesen Kanal (nicht flächendeckend). Kanal 19 ist der Fernfahrerkanal, auf dem in ländlichen Gebieten oft Hilfe zu finden ist. Im Krisenfall: Zuerst Kanal 9, dann Kanal 19 versuchen. Ein CB-Gerät im Auto ist ein sinnvolles Backup, besonders auf Langstrecken durch dünn besiedelte Regionen.

Für wen lohnt sich CB-Funk? Wenn Sie ländlich wohnen und die PMR-Reichweite nicht genügt. Wenn Sie ein Fahrzeug haben und eine Mobilantenne montieren können. Oder wenn Sie bereits Fernfahrer kennen, die auf Kanal 19 aktiv sind. Für reine Nahbereichskommunikation in der Stadt ist PMR die bessere Wahl, weil die Geräte handlicher und günstiger sind.

5. Amateurfunk — weltweite Kommunikation im Krisenfall

Amateurfunk ist das mächtigste Kommunikationsmittel, das Privatpersonen zur Verfügung steht. Kurzwellenfunkgeräte überbrücken Tausende Kilometer ohne jede Infrastruktur. Keine Masten, keine Server, keine Satelliten nötig. Die Funkwellen reflektieren an der Ionosphäre und erreichen so Empfänger auf der anderen Seite des Kontinents. Im Krisenfall ist Amateurfunk regelmäßig das letzte funktionierende Kommunikationsnetz.

Drei Fälle, in denen nur Amateurfunk funktionierte

  • Nepal 2015: Nach dem Erdbeben koordinierten Funkamateure 72 Stunden lang internationale Hilfe, bevor Mobilnetz und Satellit wieder liefen.
  • Puerto Rico 2017: Hurrikan Maria zerstörte die gesamte Telekommunikation. Amateurfunker bildeten drei Wochen lang das einzige Kommunikationsnetz der Insel.
  • Ahrtal 2021: Das DARC-Notfunknetz übernahm Koordinationsaufgaben, als Mobilnetz und BOS-Funk (Behördenfunk) überlastet waren.

Die Hürde: Sie brauchen eine Lizenz. Das klingt abschreckend, ist aber machbar. Die Prüfung bei der Bundesnetzagentur kostet 50 Euro. Online-Lernmaterial ist kostenlos verfügbar. Der Deutsche Amateur-Radio-Club (DARC) bietet in fast jeder Stadt Einsteigerkurse an, viele kostenfrei.

Lizenzklassen im Vergleich

Klasse E

Einsteiger

VHF/UHF und einige HF-Bänder. Reicht für Deutschland und Europa. Prüfung: ca. 50 Fragen bei der BNetzA.

Lernzeit: 4–8 Wochen

Klasse A

Vollzugang

Alle Frequenzbänder, höhere Sendeleistung, weltweite Kommunikation auf Kurzwelle. Die volle Leistungsfähigkeit.

Lernzeit: 3–6 Monate

50 €

Prüfungsgebühr

Für beide Klassen gleich. Prüfungen bundesweit bei der Bundesnetzagentur. Einmalige Zahlung, Lizenz gilt lebenslang.

Einmalig

Mein Rat: Wer sich ernsthaft mit Krisenvorsorge beschäftigt, sollte zumindest Klasse E in Erwägung ziehen. Vier bis acht Wochen Vorbereitung sind überschaubar. Und die Fähigkeit, im Ernstfall über Hunderte Kilometer kommunizieren zu können, lässt sich durch kein Fertigprodukt ersetzen.

DARC e.V. — Anlaufstelle für Einsteiger

Der DARC hat über 33.000 Mitglieder und lokale Ortsverbände in fast jeder Stadt. Für die Krisenvorsorge lohnt sich der Kontakt zum lokalen Ortsverband auch ohne eigene Lizenz. Viele Ortsverbände organisieren regelmäßige Notfunkübungen, an denen Gäste teilnehmen dürfen.

6. Meshtastic — dezentrales LoRa-Mesh-Netzwerk

Meshtastic ist ein Open-Source-Protokoll für LoRa-Funkmodule (Long Range Radio). Das Prinzip: Jedes Gerät ist gleichzeitig Sender und Relais. Nachrichten hüpfen von Gerät zu Gerät. Je mehr Geräte im Umkreis existieren, desto größer und stabiler wird das Netz. Kein Server, kein Internet, keine zentrale Stelle, die ausfallen kann.

Fakten

  • Hardware: LoRa-Modul (TTGO T-Beam, Heltec V3, RAK WisBlock) ab 20 €
  • Reichweite: 5–15 km pro Hop, durch Mesh theoretisch unbegrenzt
  • Stromverbrauch: Extrem niedrig, Wochen mit AA-Batterien
  • Verschlüsselung: End-to-End via AES-256
  • App: iOS und Android per Bluetooth
  • Lizenz: ISM-Band (868 MHz in DE), keine Lizenz nötig
  • Datenrate: Nur Text und GPS-Koordinaten, keine Sprache

Wann Meshtastic sinnvoll ist

  • Mehrere Geräte im Umkreis vorhanden (Familie, Nachbarschaft, Verein)
  • Für Textnachrichten und GPS-Positionsfreigabe im Notfall
  • Bei mehrtägigen Outdoor-Aktivitäten (Wandern, Camping, Expeditionen)
  • Wenn eine lokale Meshtastic-Community existiert (Karte auf meshmap.net)
  • Einschränkung: Noch kleine Community in Deutschland
  • Einschränkung: Etwas technisches Verständnis für Ersteinrichtung nötig

Meshtastic hat enormes Potenzial, aber die Technologie steht in Deutschland noch am Anfang. In Regionen wie Südtirol, den Niederlanden und Teilen der USA existieren bereits dichte Mesh-Netzwerke. In deutschen Städten wächst die Community seit 2024 deutlich. Wer technikaffin ist und das Projekt unterstützen möchte, kann für 20 bis 40 Euro einen LoRa-Knoten aufstellen und das Netz vergrößern. Für die Krisenvorsorge ist Meshtastic ein spannendes Zusatzwerkzeug, ersetzt aber PMR-Funk und Kurbelradio nicht.

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Meshtastic vs. PMR-Funk

Meshtastic sendet Textnachrichten und GPS-Positionen. PMR-Funk überträgt Sprache in Echtzeit. Beides hat seinen Platz. Für schnelle Koordination ("Feuer in der Gartenstraße, kommt zum Treffpunkt") ist Sprechfunk schneller. Für stille Nachrichten und Standortfreigabe über größere Distanzen hat Meshtastic Vorteile. Im Idealfall haben Sie beides.

7. Satellitentelefon und Satelliten-Messenger

Satellitengeräte funktionieren komplett unabhängig von terrestrischer Infrastruktur. Egal ob Mobilfunknetz, Stromnetz oder Internetleitungen ausfallen: Solange ein Satellit über dem Horizont steht, läuft die Verbindung. Das hat seinen Preis. Für den durchschnittlichen Haushalt in Deutschland ist ein Satellitengerät eher überdimensioniert. Für bestimmte Szenarien ist es die einzige Option.

Gerät / DienstTypHardwareAbo / NutzungFunktion
Garmin inReach Mini 2Sat-Messengerca. 300 €ab 15 €/MonatText, GPS, SOS-Knopf
SPOT XSat-Messengerca. 200 €ab 12 €/MonatText, Tracking, SOS
Iridium 9575 ExtremeSatellitentelefonca. 1.200 €1–2 €/MinuteSprache + SMS weltweit
Starlink MiniSat-Internetca. 600 €ab 50 €/MonatVolles Internet via Satellit

Der Garmin inReach Mini 2 ist das Gerät, das wir Outdoor-Enthusiasten und Menschen in abgelegenen Gebieten empfehlen. Der SOS-Knopf verbindet direkt mit einer Rettungsleitstelle, die Ihren GPS-Standort sieht. Für rund 300 Euro Hardware und 15 Euro monatlich erhalten Sie eine Lebensversicherung, die weltweit funktioniert. Starlink Mini ist interessant für Unternehmen mit Krisenvorsorge-Pflicht oder Personen, die im Notfall volles Internet benötigen, etwa für Telemedizin.

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Für wen lohnt sich ein Satellitengerät?

Für die meisten Haushalte in Deutschland ist die Kombination aus Kurbelradio + PMR-Funk + CB-Funk die bessere und günstigere Lösung. Satellitengeräte lohnen sich für: Menschen in sehr ländlichen Gebieten ohne zuverlässigen Mobilfunk, Bergsteiger und Segler, Betriebe mit gesetzlicher Krisenvorsorge-Pflicht und Personen, die regelmäßig in Regionen ohne Mobilfunk reisen.

8. Analoge Signalmittel — wenn alle Technik versagt

Analoge Signalmittel sind die letzte Verteidigungslinie. Keine Batterie, kein Netz, keine Lizenz, keine Konfiguration. Ein Signalspiegel wiegt 30 Gramm und funktioniert auch nach 20 Jahren Lagerung. Bei Verschüttung, Orientierungsverlust oder extremen Wetterereignissen können diese Mittel den Unterschied machen zwischen gefunden werden und unentdeckt bleiben.

Signalspiegel

Ein 10x10 cm Signalspiegel reflektiert Sonnenlicht und ist bei klarer Sicht auf bis zu 50 km sichtbar. Hubschrauber erkennen das Aufblitzen sogar auf 100 km. Kosten: 5 bis 15 Euro. Gewicht: unter 50 g. Passt in jede Jackentasche und funktioniert zuverlässig bei jedem Wetter mit Sonnenschein.

SOS-Signal: Drei kurze Blitze, Pause, drei lange, Pause, drei kurze.

Trillerpfeife

Eine kugellose Trillerpfeife (z.B. Fox 40, die Kugel kann durch Nässe verkleben) erzeugt 120 dB und ist auf 1 bis 2 km hörbar. Kosten: 3 bis 10 Euro. Für Wanderer und Bergsteiger absolutes Pflichtstück an Rucksack oder Jacke.

Alpines Notsignal: 6 Signale pro Minute, dann 1 Minute Pause, wiederholen.

Rauchzeichen

Drei separate Rauchsäulen gelten als internationales Notsignal. Sichtbarkeit: 10 bis 30 km je nach Wind und Wetter. Nasses Material erzeugt weißen Rauch (tagsüber besser sichtbar), öliges Material schwarzen Rauch (kontrastreicher gegen hellen Himmel oder Schnee).

Achtung: Nur bei echtem Notfall und an sicherem Standort einsetzen. Brandgefahr beachten.

Taschenlampe (Morsecode)

Nachts erreicht eine helle Taschenlampe mit Morsesignalen 5 bis 10 km. SOS morsen: drei kurze Blitze, drei lange Blitze, drei kurze Blitze. Auch ohne Morsekenntnisse: Regelmäßiges Blinken signalisiert menschliche Präsenz und zieht Aufmerksamkeit auf sich.

SOS in Morse: ··· — — — ···

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Nicht unterschätzen

Signalspiegel und Trillerpfeife zusammen kosten unter 20 Euro, wiegen weniger als 100 Gramm und funktionieren ohne jede Energiequelle. Packen Sie beides in jeden Wanderrucksack, in jedes Notfallkit, in jedes Auto. Das Gewicht ist irrelevant, der Nutzen im Ernstfall enorm.

9. Notfallkommunikationsplan für die Familie

Das beste Funkgerät nützt nichts, wenn niemand weiß, auf welchem Kanal gehört wird und wo der Treffpunkt ist. Ein Notfallkommunikationsplan legt das vorher fest. Drucken Sie ihn aus (Papier funktioniert ohne Strom) und geben Sie jedem Familienmitglied eine Kopie. Auch Kinder sollten den Plan kennen.

Checkliste: Familienplan für Notfallkommunikation

Treffpunkte festlegen

  • ☐ Primär-Treffpunkt: In der Nähe des Hauses (z.B. Spielplatz, Parkplatz)
  • ☐ Sekundär-Treffpunkt: 2 km entfernt bei bekannter Person
  • ☐ Außerorts-Treffpunkt: Bei entfernten Verwandten oder Freunden
  • ☐ Jedes Familienmitglied kennt alle drei Treffpunkte auswendig

Funkkanäle vereinbaren

  • ☐ PMR-Primärkanal: z.B. Kanal 3, CTCSS-Code 7
  • ☐ PMR-Backup-Kanal: z.B. Kanal 7
  • ☐ Kontrollzeiten: z.B. täglich 8:00 und 18:00 Uhr, 5 Minuten lang
  • ☐ CB-Kanal als dritte Option: z.B. Kanal 15

Kontaktpersonen benennen

  • ☐ Lokaler Ansprechpartner: Nachbar mit PMR-Gerät
  • ☐ Entfernter Kontakt: Verwandte außerhalb der Region
  • ☐ Alle Telefonnummern auf Papier (nicht nur im Handy)
  • ☐ Adressen der Treffpunkte schriftlich bei jeder Person

Ausrüstung verteilen

  • ☐ Jede Person hat eigenes PMR-Gerät + Batterien
  • ☐ Kurbelradio im Haushalt (griffbereit, nicht im Keller)
  • ☐ Trillerpfeife in jedem Rucksack und an jeder Jacke
  • ☐ Taschenlampe mit frischen Batterien

Testen Sie den Plan einmal im Jahr. Schalten Sie an einem Sonntagmorgen alle Smartphones aus, verteilen Sie die PMR-Geräte und überprüfen Sie, ob die Kanäle stimmen und die Reichweite zu den Treffpunkten ausreicht. Das dauert eine Stunde und zeigt Ihnen Schwachstellen, bevor es ernst wird.

BBK-Notfallplan zum Ausdrucken

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bietet einen kostenlosen Notfallplan zum Download an. Inklusive Platz für Familientreffpunkte, Notrufnummern und Kommunikationsplan: bbk.bund.de/Notfallplan

10. Häufig gestellte Fragen

Welche Kommunikationsmittel funktionieren ohne Strom und ohne Mobilnetz?
Ohne Strom und Mobilnetz funktionieren: Kurbelradio oder Solarradio (UKW, DAB+, MW, KW) zum Empfang von Notfalldurchsagen. PMR-Funkgeräte (446 MHz, lizenzfrei, 1–5 km Reichweite) für Kurzstreckenkommunikation. CB-Funk (27 MHz, lizenzfrei, 5–50 km). Analoge Signalmittel wie Signalspiegel (bis 50 km), Trillerpfeife (1–2 km) und Rauchzeichen. Mit Batterie oder Kurbeldynamo: Amateurfunk (HF-Bänder, weltweit, mit Lizenz) und Meshtastic (LoRa-Mesh, lizenzfrei).
Was ist PMR-Funk und brauche ich eine Lizenz?
PMR 446 (Private Mobile Radio) ist der europäische Standard für lizenzfreie Handfunkgeräte auf 446 MHz. Keine Lizenz, keine Anmeldung, keine Gebühren. Die 8 Kanäle sind europaweit einheitlich. Reichweite: 300 m bis 1 km in der Stadt, 3–10 km im offenen Gelände. Maximale Sendeleistung: 500 mW. Geräte ab 15 Euro erhältlich. Nur Geräte mit CE-Zeichen und expliziter PMR-446-Zulassung kaufen.
Welche Notfallkanäle gibt es in Deutschland?
PMR 446: Kanal 1 gilt als inoffizieller Anrufkanal. CB-Funk: Kanal 9 ist der internationale Notfallkanal, Kanal 19 der Fernfahrer-Kanal. Amateurfunk: 145,500 MHz (2-Meter-Band) ist der europäische Anrufkanal. UKW-Radio: ARD-Sender (WDR 2, Bayern 1, NDR 1) schalten bei Katastrophen auf Durchsagen um. Notruf per Telefon: 112 (EU-weit), 110 (Polizei).
Wie weit reicht ein PMR-Funkgerät realistisch?
Die Verpackungsangaben (10–20 km) sind Marketing unter Idealbedingungen. Reale Reichweiten: Innenstadt mit Bebauung 300–800 m. Wohngebiete 1–2 km. Offenes Gelände (Felder) 3–8 km. Berg zu Tal bis 20 km möglich. Entscheidend sind Höhe, Hindernisse und Wetter. Für zuverlässige Kommunikation in der Stadt planen Sie mit 500 m bis 1 km.
Lohnt sich eine Amateurfunklizenz für die Krisenvorsorge?
Für ernsthafte Krisenvorsorge: Ja. Die Klasse-E-Prüfung (4–8 Wochen Vorbereitung, 50 Euro Gebühr bei der Bundesnetzagentur) erlaubt VHF/UHF und einige HF-Bänder. Amateurfunk war nach der Ahrtal-Flut 2021, nach Hurrikan Maria 2017 und nach dem Nepal-Erdbeben 2015 das einzige funktionierende Kommunikationsnetz. Der DARC organisiert bundesweit Einsteigerkurse. Für einfache Nachbarschaftskommunikation genügt PMR ohne Lizenz.
Was passiert mit dem Mobilfunknetz bei einem Stromausfall?
Mobilfunkmasten haben USV-Batterien für 4–8 Stunden. Nach dieser Zeit beginnt das Netz zusammenzubrechen. Gleichzeitig überlasten Massenanrufe die verbleibende Kapazität. Ergebnis: Nach 4–8 Stunden Stromausfall ist Mobilfunk für Sprache meist nicht mehr erreichbar. SMS funktionieren manchmal noch (weniger Bandbreite). Festnetz über Glasfaser fällt ebenfalls aus. Nur analoge Kupferleitungen funktionieren theoretisch weiter, sind aber kaum noch vorhanden.
Wie empfange ich Informationen ohne Strom?
Die beste Methode: Kurbelradio oder Solarradio mit UKW und DAB+. ARD-Sender (WDR, BR, NDR) haben Notstromgeneratoren und senden auch bei Stromausfall weiter. Beim Hochwasser 2021 und 2024 liefen die Regionalsender durch mit Evakuierungshinweisen und Hilfsangeboten. Weitere Optionen: Autoradio (solange Batterie geladen), batteriebetriebenes Radio, Amateurfunknetz. Ein Kurbelradio ab 35 Euro ist die günstigste Lebensversicherung.
Welche analogen Kommunikationsmittel funktionieren bei extremen Notfällen?
Signalspiegel: Bei Sonnenschein bis 50 km sichtbar, von Hubschraubern bis 100 km. Kosten 5–15 Euro. Trillerpfeife: 120 dB auf 1–2 km hörbar. Kosten 3–10 Euro. Rauchzeichen: Drei Rauchsäulen sind das internationale SOS-Signal, 10–30 km sichtbar. Taschenlampe: Nachts Morsecode (SOS: drei kurz, drei lang, drei kurz) über 5–10 km. Diese Mittel funktionieren ohne Batterie, ohne Netz, ohne Lizenz.

Quellen & weiterführende Links

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Rechtlicher Hinweis: Angaben zu Funkgeräten und Frequenzen beziehen sich auf Deutschland (Stand April 2026). Für andere Länder gelten abweichende Vorschriften. Amateurfunk erfordert eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur. CB-Funk und PMR 446 sind in Deutschland anmeldefrei.