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Krisenvorsorge für Haustiere 2026 — Notfallvorsorge für Hund und Katze

34 Millionen Haustiere leben in deutschen Haushalten. Im Krisenfall sind sie auf ihre Besitzer angewiesen — und Tierhalter müssen für sie planen. Die vollständige Anleitung.

Als Eltern mit Haustieren haben wir gemerkt: Tiere werden in der Krisenplanung regelmäßig vergessen — bis der Vorrat aufgebraucht ist oder die Katze im Notfall-Rucksack nicht transportiert werden kann. Die Vorbereitung dauert eine halbe Stunde und spart im Ernstfall viel Ärger.

Zuletzt aktualisiert: April 2026Autor: Redaktion krisenfall.euLesezeit: ca. 18 Minuten

Laut dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) lebten 2025 in deutschen Haushalten rund 34,4 Millionen Haustiere — darunter 16,7 Millionen Katzen und 10,6 Millionen Hunde. Jeder dritte Haushalt hält mindestens ein Tier. Im Krisenfall stellt das Tierhalter vor besondere Herausforderungen: Sie müssen nicht nur für sich selbst vorsorgen, sondern auch für Tiere, die keine Krisen verstehen, keine Angst regulieren können und komplett auf ihre Besitzer angewiesen sind.

Das BBK (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe) empfiehlt in seiner Broschüre "Ratgeber für Notfallvorsorge" explizit, Haustiere in die Notfallplanung einzubeziehen. Ein gestresstes Tier kann aggressiv werden, weglaufen oder sich verstecken — und damit eine Evakuierung erheblich erschweren.

Dieser Leitfaden zeigt, was Sie konkret vorbereiten sollten: Notvorrat, Erste-Hilfe-Set, Transport und Evakuierungsplan — aufgeteilt nach Tierart und Krisenszenario.

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Tiere reagieren auf Krisen anders als Menschen

Tiere können Ausnahmesituationen nicht kognitiv einordnen. Sie reagieren auf Stress, Lärm, Gerüche und das veränderte Verhalten ihrer Besitzer mit Angst, Panik und ungewohntem Verhalten. Gut vorbereitete Besitzer schützen nicht nur ihr Tier — sie schützen auch andere. Ein panischer Hund kann beißen. Eine verängstigte Katze kann sich so gut verstecken, dass eine Evakuierung unmöglich wird.

1. Notvorrat für Haustiere aufbauen

Das BBK empfiehlt für Menschen einen 10-Tage-Notvorrat. Dasselbe gilt für Haustiere — allerdings wird das häufig vergessen oder unterschätzt. Wer im Krisenfall die Katze mit eigenem Notvorrat-Wasser versorgen muss, kann schnell in Engpässe geraten.

Die wichtigste Regel: Bevorraten Sie immer das Futter, das Ihr Tier gewohnt ist. Ein plötzlicher Futterwechsel — selbst zu hochwertigem Futter — verursacht bei Hunden und Katzen Magen-Darm-Beschwerden. Im Krisenfall ist das das Letzte, was Sie und Ihr Tier gebrauchen können.

TierFutter/TagWasser/TagVorrat 10 Tage
Kleine Hunde (unter 10 kg)150–200 g0,5–1 L1,5–2 kg + 5–10 L
Mittelgroße Hunde (10–30 kg)300–500 g1–2 L3–5 kg + 10–20 L
Große Hunde (über 30 kg)500–800 g2–3,5 L5–8 kg + 20–35 L
Katzen50–80 g Trockenfutter0,2–0,3 L0,5–0,8 kg + 2–3 L
Kleintiere (Hamster, Meerschweinchen)Pellets/Heu variabel0,1–0,2 L2–4 Wochen Heu
Vögel (Papageien, Wellensittiche)Körner / Pellets0,1–0,2 L4 Wochen Körnermix

Richtwerte. Individueller Bedarf hängt von Aktivität, Alter und Gesundheitszustand des Tieres ab. Mit Ihrem Tierarzt besprechen.

Trockenfutter vs. Nassfutter für den Notvorrat

Trockenfutter — Empfehlung

  • ✓ Haltbarkeit: 12–24 Monate
  • ✓ Platzsparend, leicht zu lagern
  • ✓ Einfach zu portionieren
  • ✓ Kein Kühlbedarf
  • ✓ Kann auch als Leckerli dienen

Nassfutter — mit Einschränkungen

  • • Haltbarkeit: 3–5 Jahre ungeöffnet
  • • Nach Öffnen: sofort verbrauchen
  • • Kalorienreicher, für kranke Tiere
  • • Fördert Trinken (wichtig bei Katzen)
  • • Schwerer und voluminöser

Wasservorrat extra einplanen

Tier-Wasserbedarf muss separat zum menschlichen Wasservorrat eingeplant werden. Das BBK empfiehlt 2 Liter pro Person pro Tag — für einen mittelgroßen Hund kommen weitere 1–2 Liter täglich dazu. Bei einem Haushalt mit zwei Personen und einem Hund bedeutet der 10-Tage-Vorrat also:

2 Personen × 2 L/Tag × 10 Tage= 40 Liter
1 Hund (20 kg) × 1,5 L/Tag × 10 Tage= 15 Liter
Gesamt-Wasservorrat55 Liter

Rotationsprinzip beim Tiervorrat

Tiernahrung wie alle Notvorräte nach dem Rotationsprinzip verwalten: Neues Futter hinten einsortieren, älteres vorne entnehmen. Haltbarkeitsdatum quartalsweise prüfen. Mit diesem System haben Sie immer einen frischen 10-Tage-Vorrat, ohne dass Futter verfällt.

2. Transport-Box und Kennzeichnung

Im Krisenfall kann keine Zeit für die Suche nach der Transportbox sein. Sie muss griffbereit und zugänglich sein — und das Tier muss sie kennen.

Die richtige Transportbox wählen

Hunde:

Ausreichend groß (Hund soll sich hinlegen und umdrehen können). Stabile Kunststoffbox mit Belüftung auf allen Seiten. Für große Hunde: Faltgitter-Transportbox als Alternative. IATA-zulassungsfähige Boxen sind für Lufttransport geeignet.

Katzen:

Stabiler Kunststoff oder Stoff-Box mit Tragekomfort. Einige Katzen akzeptieren Rucksack-Transportboxen besser (weniger Schaukeln). Vertraute Decke oder T-Shirt hineinlegen — Geruch beruhigt.

Kleintiere:

Kleiner Transportkäfig oder stabile Plastikbox mit Luftlöchern. Vertrautem Einstreu und Futter einlegen. Abdeckung zum Abdunkeln — reduziert Stress erheblich.

Tier an die Transportbox gewöhnen — jetzt, nicht im Notfall

Eine Katze oder ein Hund, der die Transportbox als stressigen Ort kennt (nur vom Tierarzt), wird sich im Krisenfall verstecken oder sich sperren. Training im Normalbetrieb macht den entscheidenden Unterschied:

Box offen und zugänglich in der Wohnung aufstellen — als Lieblingsplatz anbieten
Lieblingsdecke oder getragenes T-Shirt mit Ihrem Geruch hineinlegen
Futter und Leckerlis in der Box anbieten
Türen kurz schließen während Fressen — schrittweise verlängern
Kurze Ausflüge in der Box: erst 5 Minuten, dann länger
Positive Erfahrungen: Spielzeug, Leckerlis nach dem Öffnen

Kennzeichnung — im Krisenfall lebensrettend

Im Chaos einer Evakuierung können Tiere weglaufen. Ohne Kennzeichnung ist die Chance, ein entlaufenes Tier wiederzufinden, sehr gering.

Halsband mit Adresse

Deutlich lesbares Metallschild mit aktueller Adresse UND Mobilnummer. Schild alle 2 Jahre auf Lesbarkeit prüfen. Nicht nur Name des Tieres — das hilft wenig.

Mikrochip (ISO 11784/11785)

Standard-Mikrochip, bei allen Tierärzten lesbar. Daten bei TASSO, HundeRegister oder FINDEFIX registrieren. Adresse und Telefonnummer nach einem Umzug sofort aktualisieren.

Aktuelle Fotos parat haben

Aktuelle Fotos des Tieres (mehrere Perspektiven) auf dem Smartphone. Auch ein Foto von Ihnen mit dem Tier — Nachweis der Halterschaft. Im Notfall sofort teilbar.

Aufkleber an Transportbox

Kontakt-Aufkleber an der Transportbox: Name des Tieres, Halter-Name, Telefonnummer. Wenn die Box und das Tier getrennt werden, findet man beides zusammen.

3. Tier-Notfallset und Erste-Hilfe

Ein Tier-Erste-Hilfe-Set gehört in jeden Haushalt mit Haustier. Im Krisenfall kann der Tierarzt nicht erreichbar sein — Grundkenntnisse und die richtigen Utensilien können Zeit kaufen, bis professionelle Hilfe erreichbar ist.

Medizin & Wundversorgung

  • Wundspray oder Jodlösung für Tiere
  • Sterile Kompressen und Verbandszeug
  • Selbsthaftende Bandagen (Cohesive Bandage)
  • Zeckenzange oder Zeckenhaken
  • Kühlpack (für Schwellungen)
  • Tierthermometer (Normalwert Hund: 38–39°C)

Werkzeuge & Hilfsmittel

  • Stumpfe Schere (für Fellpflege/Verband)
  • Einmalhandschuhe (mehrere Paare)
  • Pipette oder Spritze ohne Nadel (Medikamentengabe)
  • Maulschutz / Maulkorb (auch ruhige Hunde beißen bei Schmerz)
  • Leine extra (Backup-Leine in der Notfalltasche)
  • Taschenlampe (Untersuchung bei schlechtem Licht)

Medikamente (mit Tierarzt besprechen)

  • Chronische Medikamente: 4 Wochen Vorrat
  • Floh-/Zeckenschutz: Ausreichend vorrätig
  • Beruhigungsmittel für Transport (nur auf Rezept)
  • Notfall-Antihistaminikum (Allergiereaktionen)
  • Aktivkohle (bei Vergiftungsverdacht, NUR nach Tierarzt-Anweisung)

Dokumente & Informationen

  • Impfpass (Original oder Kopie)
  • Krankenakte / letzte Tierarzt-Befunde
  • Notfallnummern: Tierarzt, nächste Tierklinik
  • Medikamentenliste mit Dosierung
  • Aktuelle Fotos des Tieres (Vermissungsfall)
  • Chip-Registrierungsnummer
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Zuletzt geprüft: 2026
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Tier-Erste-Hilfe Grundlagen ohne Tierarzt

Diese Kenntnisse können lebensrettend sein — und sind in tierärztlichen Erste-Hilfe-Kursen erlernbar (DRK und einige Tierarztpraxen bieten diese an):

Notfall:

Blutende Wunde

Direkter Druck mit sauberem Tuch oder Kompresse. Nicht zu fest — Durchblutung nicht vollständig unterbrechen. Verband anlegen. So schnell wie möglich zum Tierarzt.

Notfall:

Vergiftungsverdacht

Giftnotruf (z.B. GIZ-Nord: 0551 19240) oder Tierarzt sofort anrufen. Ohne Anweisung NICHT zum Erbrechen bringen — manche Gifte richten beim Erbrechen mehr Schaden an. Giftige Substanz sicherstellen und mitbringen.

Notfall:

Hitzschlag beim Hund

Sofort in Schatten bringen. Mit zimmerwarmem Wasser (nicht eiskaltem) befeuchten. Innenohren, Pfoten und Bauch zuerst kühlen. Trinken anbieten, nicht zwingen. Sofort Tierarzt — Hitzschlag ist auch nach Abkühlung lebensgefährlich.

Notfall:

Elektrounfall (Stromausfall-Szenario)

Strom ausschalten, BEVOR Sie das Tier berühren. Tier nur mit nicht leitendem Material (Holz, Plastik) bewegen. Atemwege prüfen, auf Atmung achten. Wenn bewusstlos: Notaruf und Transport zur Tierklinik.

Notfall:

Knochenbruch oder Lähmung

Tier so wenig wie möglich bewegen. Auf einer festen Unterlage (Brett, Karton) lagern. Maulkorb anlegen — Schmerztiere beißen. Sofort Tierklinik.

4. Impfpass, Mikrochip und Dokumente

Im Krisenfall können Dokumente entscheidend sein: für Notunterkünfte, für den Nachweis der Halterschaft und im Ausland. Ein vollständiger Notfallordner für das Tier gehört in jede Krisenvorsorge.

Was sollte im Tier-Notfallordner sein?

EU-Heimtierausweis / Impfpass

Mit aktuellen Impfungen (Tollwut, Staupe, Parvo). Original oder beglaubigte Kopie. Bei Auslandsreise Pflicht, im Inland nützlich.

Chip-Registrierung

Nachweis der TASSO- oder HundeRegister-Anmeldung. Aktuelle Adresse und Telefonnummer — nach jedem Umzug sofort ändern!

Krankenakte

Letzte Befunde, chronische Erkrankungen, Allergien, aktuelle Medikamente mit Dosierung. Kann bei fremdem Tierarzt Leben retten.

Foto-Mappe

Aktuelle Fotos aus verschiedenen Perspektiven, Nahaufnahme besonderer Merkmale (Fleck, Muster). Foto von Ihnen mit dem Tier als Halter-Nachweis.

Tierarzt-Kontakte

Eigener Tierarzt, nächste Tierklinik (24h-Notdienst), Tierarzt-Notdienst in Ihrer Region. Ausgedruckt — Handyakku kann leer sein.

Kassenzettel / Kaufnachweis

Bei wertvollen Tieren: Kaufvertrag oder Zuchtbescheinigung. Im Streitfall Halterschaft nachweisen.

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Mikrochip: Eintragung aktuell halten

Über 20 % der Mikrochip-Einträge in deutschen Tierdatenbanken haben veraltete Adressen — nach einem Umzug wird die Aktualisierung oft vergessen. Aktualisierung bei TASSO ist kostenlos und dauert 5 Minuten online unter tasso.net. Nach jedem Umzug: sofort aktualisieren.

5. Tierarzt-Notdienst vorbereiten

Im Krisenfall kann der reguläre Tierarzt nicht erreichbar sein. Vorbereitung bedeutet: die richtigen Nummern kennen und notiert haben — ausgedruckt, nicht nur im Handy.

Notfall-Kontakte notieren (ausgedruckt!)

  • Eigener Tierarzt: Notfallnummer erfragen
  • Nächste Tierklinik (24h): Adresse und Telefon
  • Tierärztlicher Bereitschaftsdienst: regional unterschiedlich, online unter tierarztsuche.de
  • Giftnotruf für Tiere (GIZ-Nord): 0551 19240
  • TASSO Fundtier-Notaufnahme: 06190 937300

Chronisch kranke Tiere: Vorsorge mit Tierarzt

  • Mindestens 4 Wochen Medikamente auf Vorrat
  • Dosierungsplan schriftlich notiert
  • Ersatz-Rezept für Notfall anfragen
  • Alternative Apotheken in der Region kennen
  • Medikamentenlagerung (Kühlpflicht prüfen!)

Wann muss ich sofort zur Tierklinik?

Diese Symptome erfordern sofortige tierärztliche Versorgung — auch mitten in der Nacht und im Krisenfall:

Atemprobleme, Kurzatmigkeit, blaue Schleimhäute
Starke Blutungen, die nicht aufhören
Bewusstlosigkeit oder Kollaps
Krampfanfälle
Lähmungen, Unfähigkeit zu stehen
Verdacht auf Gifteinnahme
Hitzschlag-Symptome (trotz Erstversorgung)
Aufgetriebener Bauch (Magendrehung — lebensbedrohlich!)
Schreien, Wimmern ohne Unterbrechung
Geburtsprobleme (mehr als 2h zwischen Welpen)

6. Evakuierungsplan für Tierbesitzer

Evakuierungen mit Tier erfordern mehr Vorlaufzeit und Vorbereitung als ohne. Diese Punkte sollten vor dem Ernstfall geklärt sein:

1

Notunterkunft vorab recherchieren

Nicht alle Notunterkünfte nehmen Tiere auf. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Gemeinde nach tierfreundlichen Unterkünften. Halten Sie alternativ Kontakt zu tierfreundlichen Bekannten oder Familie außerhalb des potenziellen Krisengebiets. Tierhotels in 30 km Umkreis kennen.

2

Transport-Checkliste vorbereiten

Fertige Notfall-Packliste für das Tier: Futter (3 Tage), Wasser, Napf, Leine, Impfpass, Medikamente, Lieblingsdecke, Transportbox. Liste aufhängen — im Stress vergisst man alles. Box bereits in Grundausstattung vorgepackt.

3

Fahrzeug für Tier-Transport ausgerüstet

Transportbox oder Hunde-Gitter fürs Auto: Tiere sollten im Auto gesichert sein (Bußgeld, Unfall-Schutz). Abdeckplane gegen Verschmutzung. Hundegurt für mittelgroße Hunde.

4

Mehrpersonen-Haushalt: Wer nimmt das Tier?

Im Chaos einer Evakuierung kann Kommunikation ausfallen. Festlegen, wer das Tier evakuiert. Zweite Person als Backup. Treffpunkt definieren.

5

Alleinlebende: Notfall-Kontakt hinterlegen

Vertrauensperson hat Schlüssel und kennt den Notfallplan. Diese Person weiß, wo Tier-Dokumente, Futter und Medikamente sind. Im Ernstfall kann sie das Tier evakuieren wenn Sie nicht erreichbar sind.

7. Spezifische Krisenszenarien für Tierbesitzer

Hochwasser mit Tier

Hochwasser ist für Tierbesitzer besonders herausfordernd, weil Tiere in der Überflutungsphase unberechenbar reagieren. Das wichtigste Prinzip: Frühzeitig evakuieren — nicht auf den letzten Moment warten.

  • Bei Hochwasserwarnung: sofort Tier in Transportbox — bevor das Wasser kommt
  • Hunde können schwimmen, müssen es im Krisenfall aber nicht
  • Katzen verstecken sich bei Angst — Wohnung frühzeitig komplett durchsuchen
  • Aquarien: Transportbehälter vorhalten (Fisch-Beutel, Belüftung für Kurzstrecke)
  • Elektrische Tierheizkissen und -lampen für Reptilien: Notstrom einplanen
  • Nach Hochwasser: Tier auf Verletzungen durch Trümmer oder Chemikalien prüfen

Hitzewelle mit Tier

Der Klimawandel intensiviert Hitzewellen in Deutschland. Hunde sind besonders gefährdet, da sie über die Atemwege kühlen und bei hoher Luftfeuchtigkeit das Hecheln nicht effektiv wirkt.

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Niemals das Tier im Auto lassen

Bei 25 °C Außentemperatur erreicht ein geparktes Auto nach 10 Minuten über 40 °C im Innenraum, nach 20 Minuten über 50 °C. Bei 30 °C sind über 60 °C möglich. Das ist immer lebensgefährlich — auch wenn das Fenster einen Spalt geöffnet ist, auch wenn es "nur kurz" ist. Das einzige Fenster öffnen verändert die Temperatur im Wagen kaum.

Spaziergänge auf früh morgens (vor 9 Uhr) und spät abends (nach 20 Uhr) verlegen
Asphalt-Test: Handinnenfläche 7 Sekunden — zu heiß = Pfotenverbrennung möglich
Immer frisches, kühles Wasser — mehrfach täglich erneuern
Kühlmatte und Kühlweste für Hunde bei extremer Hitze
Kurzhaarige und helle Hunde: direktes Sonnenlicht meiden
Brachycephale Rassen (Mops, Bulldogge): besonders hitzeempfindlich — bei Hitzewelle drinnen halten
Katzen finden selbst kühle Plätze — sicherstellen, dass kühle Räume zugänglich sind

Stromausfall mit Tier

Ein längerer Stromausfall hat für Tierbesitzer spezifische Konsequenzen, die oft übersehen werden:

Reptilien / tropische Tiere:

Wärmelampen und Terrarienheizungen brauchen Strom. Backup-Heizung planen (Heatpacks, Wärmflasche). Eine Powerstation kann Terrarienheizung für 24+ Stunden betreiben.

Aquarien:

Filter und Heizung brauchen Strom. Ohne Pumpe sinkt Sauerstoffgehalt schnell. Batterie-betriebene Luftpumpe als Backup. Powerstation für 24–48h Betrieb der wesentlichen Geräte.

Hunde und Katzen:

Im Winter: warme Decken, enger Wohnraum. Im Sommer: Kühlmatte ohne Strom. Elektrisches Tierfutter-Dosierer ohne Strom manuell befüllen.

8. Katzen: Besonderheiten bei der Krisenvorsorge

Katzen sind die häufigsten Haustiere in Deutschland (16,7 Millionen) — und gleichzeitig die bei Evakuierungen am schwierigsten zu handhabenden. Ihre Natur als Fluchttiere bedeutet: Im Stress verstecken sie sich so gut, dass Besitzer sie stundenlang suchen müssen.

Das Versteck-Problem

Katzen verstecken sich bei Angst so gut, dass sie in der eigenen Wohnung kaum zu finden sind. Lösung: Transportbox im Normalbetrieb als Schlafplatz anbieten — Katze geht im Notfall freiwillig hinein. Regelmäßiges Üben macht den Unterschied.

Freiläufer vs. Wohnungskatze

Freilaufende Katzen kehren bei Lärm und Chaos oft nicht nach Hause zurück. Im Krisenfall: Freiläufer rechtzeitig rein holen (bei Unwetterwarnung, Evakuierungswarnung). Erkennungsmarke am Halsband besonders wichtig.

Stress-Signale erkennen

Gestresste Katze: Ohren flach, Augen weit, Rückenhaare stehen. Tief zischend. Kratzt oder beißt ohne Vorwarnung. Im Krisenfall: Ruhig bleiben, langsam bewegen, nicht anfassen außer unbedingt nötig.

Ernährung im Notfall

Katzen können bei großem Stress die Nahrungsaufnahme verweigern. Das ist normal und kurzfristig unkritisch (1–2 Tage). Keine Zwangsernährung. Lieblingssnacks als Brücke anbieten. Bei Verweigerung über 48h: Tierarzt.

9. Kleintiere, Vögel und Exoten

Kleintiere werden in der Krisenvorsorge oft vergessen — dabei haben sie teils noch höhere Anforderungen als Hunde und Katzen.

Kaninchen und Meerschweinchen

Besonderheiten im Krisenfall

Sehr stressanfällig — können an purem Stress sterben. Ruhige, abgedunkelte Transportbox. Heu und Wasser immer verfügbar. Niemals direktem Sonnenlicht aussetzen (Hitzschlag innerhalb von 15 Minuten möglich).

Notvorrat

Heu: mehrere Wochen haltbar, in großen Mengen lagern. Pellets: 4 Wochen Vorrat. Frischgemüse im Notfall durch Trockengemüse ersetzen.

Vögel (Papageien, Wellensittiche)

Besonderheiten im Krisenfall

Temperaturempfindlich: unter 15 °C kritisch. Zugluft vermeiden. Transportkäfig mit Abdeckplane. Vögel kommunizieren sehr laut unter Stress — Nachbarschaft informieren.

Notvorrat

Körner/Pellets: 4–6 Wochen bevorraten. Separates Frischfutter durch Trockenobst ersetzen. Mineralblock nicht vergessen.

Reptilien

Besonderheiten im Krisenfall

Wärme ist überlebenswichtig — Stromausfall ist kritisch. Heatpacks (chemisch, 12–40h Wärme) als Backup. Terrarientasche für Kurztransport. Reptilien fressen selten — 1–2 Wochen ohne Fressen tolerierbar.

Notvorrat

Frostfutter mehrere Wochen einfrieren (Tiefkühlkette beachten). Heatpacks mehrfach vorrätig. Thermometer im Notfallset.

Fische / Aquarien

Besonderheiten im Krisenfall

Ohne Pumpe und Heizung kritisch nach 2–4 Stunden. Batterie-Luftpumpe als Backup, Powerstation für Heizung. Transport in Fisch-Beutel (Tierhandlung) mit Sauerstoff für Kurzstrecken. Viele Fische sind nicht evakuierbar — Aquarium so hoch wie möglich stellen.

Notvorrat

Trockenfutter: mehrere Wochen haltbar. Batterie-Luftpumpe und Ersatzbatterien.

10. Die komplette Tier-Notfall-Checkliste auf einen Blick

Diese Checkliste fasst alles zusammen und gibt Ihnen eine vollständige Übersicht über alle Vorbereitungen für die Krisenvorsorge mit Haustieren. Haken Sie Punkt für Punkt ab, und wiederholen Sie die Überprüfung jährlich.

Notvorrat

  • Trockenfutter: 10-Tage-Vorrat (bekannte Marke)
  • Nassfutter als Ergänzung (optional)
  • Wasservorrat separat berechnet (inkl. Tier)
  • Medikamente: 4 Wochen Vorrat für chronisch kranke Tiere
  • Rotationsprinzip eingerichtet
  • Leckerlis / Lieblingssüßigkeiten für Krisenfall

Transport & Kennzeichnung

  • Transportbox vorhanden und zugänglich
  • Tier ist an die Box gewöhnt (regelmäßig trainiert)
  • Halsband mit aktueller Adresse und Mobilnummer
  • Mikrochip registriert (TASSO/HundeRegister aktuell)
  • Aktuelle Fotos des Tieres auf dem Smartphone
  • Aufkleber mit Kontaktdaten an Transportbox

Erste Hilfe & Gesundheit

  • Tier-Erste-Hilfe-Set vorhanden
  • Wundspray, Verband, Zeckenzange im Set
  • Tierthermometer (Normaltemperatur bekannt)
  • Grundkenntnisse Tier-Erste-Hilfe (Kurs besucht?)
  • Impfpass aktuell und griffbereit
  • Medikamentenliste mit Dosierung ausgedruckt

Dokumente & Notfallplan

  • Tierarzt-Notfallnummer ausgedruckt
  • 24h-Tierklinik in der Region bekannt
  • Giftnotruf GIZ-Nord notiert: 0551 19240
  • TASSO Fundtier: 06190 937300 notiert
  • Evakuierungsplan: Wohin mit dem Tier?
  • Notfall-Kontaktperson mit Schlüssel informiert

Jährlicher Tier-Vorsorge-Check (Oktober empfohlen)

Oktober ist ideal für den jährlichen Tier-Notfallcheck: Bevor die Heizperiode beginnt, vor dem Winter-Krisenrisiko (Eis, Sturm) und rechtzeitig zum Impf-Erinnerungstermin. Diese Aufgaben einmal im Jahr:

Tierarzt: Jährliche Untersuchung und Impfpass aktualisieren

TASSO/HundeRegister: Adresse und Telefonnummer prüfen und ggf. aktualisieren

Tiernahrung: Haltbarkeitsdaten des Notvorrats prüfen, abgelaufenes tauschen

Erste-Hilfe-Set: Verfallsdaten von Medikamenten und Wundspray prüfen

Fotos des Tieres aktualisieren (Tiere verändern sich optisch)

Notfall-Kontaktperson informieren: Hat sie noch den aktuellen Schlüssel?

Transport-Box auf Beschädigungen prüfen, Schlösser testen

Medikamenten-Vorrat für chronisch kranke Tiere mit Tierarzt besprechen

Krisenvorsorge für Tiere: Die 3 wichtigsten Maßnahmen heute

Wenn Sie jetzt sofort drei Dinge tun können: (1) Überprüfen Sie den TASSO-Eintrag Ihres Tieres online — ist die Adresse aktuell? (2) Besorgen Sie eine stabile Transportbox und gewöhnen Sie Ihr Tier daran. (3) Notieren Sie die Telefonnummer Ihrer nächsten 24h-Tierklinik auf einem Zettel im Erste-Hilfe-Schrank. Diese drei Maßnahmen kosten zusammen unter 50 Euro und können im Ernstfall entscheidend sein.

11. Häufige Fragen zur Krisenvorsorge für Haustiere

Können Haustiere bei Evakuierungen mitgenommen werden?
In Deutschland können Haustiere bei Evakuierungen mitgenommen werden, wenn sie sicher transportiert werden können (Transportbox, Leine). Notunterkünfte sind jedoch nicht immer tierfreundlich — informieren Sie sich vorab bei Ihrer Gemeinde. Hunde und Katzen in verschlossenen Transportboxen werden meist akzeptiert. Exotische Tiere (Schlangen, Spinnen) und Nutztiere müssen gesondert geplant werden. Kontaktieren Sie vorab tierfreundliche Hotels oder Bekannte außerhalb des möglichen Krisengebiets.
Wie viel Futter sollte ich für meinen Hund bevorraten?
Für einen mittelgroßen Hund (20 kg): ca. 300–500 g Trockenfutter pro Tag. Für 10 Tage Vorrat: 3–5 kg. Trockenfutter ist ideal: lange haltbar (12–24 Monate), platzsparend, einfach zu lagern. Dazu Wasservorrat: Hunde trinken ca. 50–100 ml pro kg Körpergewicht täglich (20-kg-Hund: ca. 1–2 Liter). Immer das gewohnte Futter bevorraten — plötzlicher Wechsel verursacht Magen-Darm-Probleme.
Was tun wenn der Tierarzt im Krisenfall nicht erreichbar ist?
Vorbereitung ist entscheidend: Notfallnummern von Tierarzt und nächster Tierklinik ausgedruckt griffbereit halten. Grundlegendes Erste-Hilfe-Wissen für Tiere aneignen (Kurse beim DRK oder Tierarztpraxen). Tier-Erste-Hilfe-Set bereithalten. Für chronisch kranke Tiere: mindestens 4 Wochen Medikamente bevorraten (mit Tierarzt besprechen). Im echten Notfall bei Lebensgefahr: 112 anrufen — auch für schwer verletzte Tiere.
Wie schütze ich meinen Hund bei Hitzewellen?
Hunde vertragen Hitze deutlich schlechter als Menschen. Spaziergänge nur vor 9 Uhr morgens und nach 20 Uhr abends. Asphalt-Test: Handinnenfläche 7 Sekunden auf den Asphalt — zu heiß für Sie = zu heiß für Pfoten. Immer frisches, kühles Wasser anbieten, mehrfach täglich erneuern. Kühlmatte und Kühlweste helfen. Niemals im Auto lassen — schon nach 10 Minuten bei 25 °C Außentemperatur wird es im Auto lebensgefährlich.
Wie erkenne ich einen Hitzschlag beim Hund und was tue ich?
Anzeichen für Hitzschlag beim Hund: starkes Hecheln, rote Zunge und Zahnfleisch, Speichelfluss, Taumeln, Kollaps. Sofortmaßnahmen: Hund sofort in den Schatten bringen. Mit zimmerwarmem Wasser (nicht eiskaltem — führt zu Kreislaufschock) befeuchten. Fans auf Hund richten. Trinken anbieten, nicht zwingen. Sofort Tierarzt aufsuchen — Hitzschlag ist lebensbedrohlich auch wenn der Hund sich erholt zu haben scheint.
Was tue ich mit meinem Tier bei Hochwasser?
Frühzeitig evakuieren — nicht auf den letzten Moment warten. Transportbox bereithalten. Hunde an der Leine halten, Katzen in verschlossene Transportbox. Kleintiere in Transportkäfig. Kennzeichnung: Halsband mit Adresse und Telefonnummer, Mikrochip. Bei Panik können Tiere beißen oder weglaufen — sichere Unterbringung im Krisenfall. Aquarienfische leider oft nicht evakuierbar — Aquarium wenn möglich hochstellen.
Wie bereite ich meine Katze auf den Notfall vor?
Katzen verstecken sich bei Stress — das erschwert die Evakuierung enorm. Katzen schon im Normalbetrieb an die Transportbox gewöhnen: Box offen in der Wohnung aufstellen, Lieblingsdecke rein, Fressen in der Box anbieten. Eine Katze, die die Box kennt, geht im Notfall deutlich leichter hinein. Außerdem: Impfpass aktuell halten, Mikrochip prüfen, Notfallkontakt-Aufkleber an Box.

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Quellen & weiterführende Links

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Tieres immer einen Tierarzt aufsuchen. Die genannten Erste-Hilfe-Maßnahmen sind überbrückend bis zur tierärztlichen Versorgung.