Krisenvorsorge Singles 2026 — Alleine sicher vorbereitet
Alleinlebende haben besondere Stärken und besondere Risiken im Krisenfall. Dieser Guide zeigt die wichtigsten Maßnahmen, den richtigen Vorrat und wie Sie als Single ein verlässliches Netzwerk aufbauen.
Was wir nach Jahren eigener Krisenvorsorge gelernt haben: Singles unterschätzen ihre eigene Verletzlichkeit — keiner checkt nach, ob man in einer Notlage noch erreichbar ist. Deshalb sind bei Singles die sozialen Kontakte Teil der Krisenvorsorge.
17 Millionen Menschen in Deutschland leben allein. Laut Mikrozensus 2024 des Statistischen Bundesamts sind Einpersonenhaushalte mit 41,6 % der häufigste Haushaltstyp im Land. Jede fünfte Person (20,6 %) wohnt ohne Mitbewohner, Partner oder Familie unter einem Dach. Gegenüber 2004 stieg die Zahl der Alleinlebenden um 21,8 % (Destatis, Juli 2025).
Was bedeutet das für die Krisenvorsorge? Ganz konkret: 17 Millionen Haushalte haben im Ernstfall niemanden in der eigenen Wohnung, der Hilfe holen, Wache halten oder Entscheidungen mittragen kann. Kein Partner, der bei einer Verletzung den Notruf wählt. Kein Mitbewohner, der bemerkt, wenn der Strom ausfällt und der Kühlschrank abtaut.
Gleichzeitig bringen Singles entscheidende Vorteile mit: Schnellere Entscheidungen, geringerer Ressourcenbedarf und volle Flexibilität bei der Planung. Ein 10-Tage-Notvorrat für eine Person kostet zwischen 60 und 100 Euro, wiegt unter 30 kg und passt in zwei Kartons. Laut Einsamkeitsbarometer 2024 des Bundesfamilienministeriums stieg die Einsamkeitsbelastung in der Pandemie von 7,6 % (2017) auf 28,2 % (2020). Alleinlebende waren besonders betroffen. Eine gezielte Krisenvorsorge wirkt diesem Gefühl der Hilflosigkeit entgegen, denn wer vorbereitet ist, fühlt sich weniger ausgeliefert.
Dieser Leitfaden richtet sich gezielt an Alleinlebende in Deutschland. Er zeigt, wie Sie die Stärken eines Single-Haushalts nutzen, die Schwachstellen absichern und mit einem klaren Netzwerk das fehlende Sicherheitsnetz ersetzen. Alle Empfehlungen orientieren sich am aktuellen BBK-Ratgeber 2025 und sind auf deutsche Verhältnisse zugeschnitten. Die Verbraucherzentrale bestätigt: Spezielle Langzeitnahrung oder teure Vorratspakete sind nicht nötig. Normale Supermarktprodukte reichen vollkommen aus.
1. Empfohlene Produkte für Singles
Für Alleinlebende sind drei Produkte besonders wichtig: eine kompakte Powerstation für Blackout-Szenarien, ein zuverlässiges Kurbelradio für Informationen und ein vollständiger Erste-Hilfe-Koffer. Diese Basis deckt die häufigsten Krisenszenarien ab.
Kaufberatung
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Produkte im Detail

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2. Alleinlebende in Deutschland: Zahlen und Fakten
Bevor wir in die konkrete Vorsorge einsteigen, lohnt ein Blick auf die Zahlen. Sie verdeutlichen, warum Krisenvorsorge für Singles kein Nischenthema ist, sondern den häufigsten Haushaltstyp in Deutschland betrifft.
| Kennzahl | Wert (Mikrozensus 2024) | Quelle |
|---|---|---|
| Einpersonenhaushalte gesamt | 17,0 Millionen | Destatis 2025 |
| Anteil an allen Haushalten | 41,6 % | Destatis 2025 |
| Anteil an der Bevölkerung | 20,6 % (jede 5. Person) | Destatis 2025 |
| Anstieg seit 2004 | +21,8 % (von 14,0 auf 17,0 Mio.) | Destatis 2025 |
| Alleinlebende 65+ | 34,0 % dieser Altersgruppe | Destatis 2025 |
| Alleinlebende 85+ | 56,0 % dieser Altersgruppe | Destatis 2025 |
Der Trend ist eindeutig: Die Zahl der Einpersonenhaushalte wächst seit zwei Jahrzehnten kontinuierlich. In Großstädten wie Berlin, Hamburg und München liegt der Anteil alleinlebender Haushalte teils über 50 %. Diese Menschen brauchen eine Krisenvorsorge, die auf ihre Lebenssituation zugeschnitten ist. Junge Erwachsene zwischen 25 und 34 Jahren leben mit 28 % überdurchschnittlich häufig allein. Frauen leben insgesamt etwas häufiger allein (21,2 %) als Männer (20,0 %), wobei sich das Verhältnis im Alter deutlich verschiebt: Unter den über 85-Jährigen leben vor allem Frauen allein, weil sie statistisch ihre Partner überleben.
Besonders relevant für die Vorsorge: Unter den Alleinlebenden über 65 wohnt jede dritte Person allein. Bei den über 85-Jährigen ist es mehr als jede zweite Person. Für diese Gruppe kombiniert sich das Single-Risiko mit eingeschränkter Mobilität und höherem Gesundheitsrisiko. Einen separaten Leitfaden dafür finden Sie unter Krisenvorsorge Senioren.
Ein oft übersehener Aspekt: Alleinlebende in städtischen Mietwohnungen verfügen selten über einen Keller oder Vorratsraum. Die durchschnittliche Wohnfläche eines Einpersonenhaushalts in Deutschland liegt bei rund 68 Quadratmetern. Krisenvorsorge muss deshalb platzsparend funktionieren. Genau das macht sie für Singles anspruchsvoller als für Familien in Einfamilienhäusern mit Keller und Garage.
3. Stärken und Risiken: Alleine im Krisenfall
Als Alleinlebender sind Sie weder hilflos noch besonders gefährdet, wenn Sie vorbereitet sind. Diese Analyse hilft Ihnen zu verstehen, wo Sie ansetzen müssen.
Ihre Vorteile als Single
- • Kleinere Mengen: Ein 10-Tage-Notvorrat für eine Person kostet 60 bis 100 Euro und passt in zwei Kartons
- • Schnelle Entscheidungen: Keine Abstimmung nötig. Sie können sofort handeln, sofort packen, sofort losfahren
- • Weniger Koordination: Keine Kinderbetreuung, kein Herdenmanagement, kein Kompromiss
- • Flexibilität: Sie können zu Freunden oder Familie ausweichen, ohne große Logistik zu planen
- • Fokus: Alle Ressourcen (Zeit, Geld, Aufmerksamkeit) fließen in eine Person
- • Mobilität: Ein Notfallrucksack für eine Person wiegt 10 bis 12 kg. Sie tragen ihn problemlos allein
- • Weniger Panik: Ohne Kinder oder pflegebedürftige Angehörige treffen Sie rationalere Entscheidungen
Besondere Risiken als Single
- • Niemand merkt es: Bei Verletzung, Bewusstlosigkeit oder Krankheit keine automatische Hilfe
- • Kein Sicherheitsnetz: Keine zweite Person für Lastenteilung, Wache oder Entscheidungen
- • Psychische Belastung: Isolation bei längeren Krisen ohne sozialen Kontakt belastet stärker. Laut Einsamkeitsbarometer 2024 fühlen sich 28 % der Alleinlebenden in Krisenzeiten einsam
- • Höhere relative Kosten: Fixkosten für Krisenvorsorge sind auf eine Person verteilt. Eine Powerstation kostet allein genauso viel wie in einem Vier-Personen-Haushalt
- • Hilflosigkeit bei schwerem Ausfall: Schwerer Unfall, Herzinfarkt, Schlaganfall, niemand ist da
- • Fehlende Arbeitsteilung: Kochen, Wache halten, Informationen sammeln: Alles liegt auf einer Person
Die wichtigste Maßnahme für Singles: Netzwerk vor Ausrüstung
Die beste Krisenvorsorge für Alleinlebende ist nicht die teuerste Ausrüstung. Es ist ein verlässliches Netzwerk. Zwei Nachbarn, die wissen dass Sie allein wohnen und im Krisenfall nachschauen, sind wertvoller als 2.000 Euro Ausrüstung. Das BBK betont: Selbsthilfe und Nachbarschaftshilfe überbrücken die Phase bis organisierte Hilfe eintrifft. Bauen Sie dieses Netzwerk jetzt auf.
Die entscheidende Erkenntnis: Die meisten Risiken für Singles lassen sich durch ein einziges Element kompensieren, ein aktives Nachbarschaftsnetzwerk. Zwei bis drei Menschen, die Ihre Situation kennen und im Notfall handeln, neutralisieren den größten Nachteil des Alleinlebens. Mehr dazu in Kommunikation im Krisenfall.
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Beim Hochwasser an der Ahr 2021 konnten Familien sich gegenseitig warnen, Sandsäcke füllen und gemeinsam evakuieren. Alleinlebende mussten jede Entscheidung allein treffen. Wer vorher ein Netzwerk aufgebaut hatte, wurde von Nachbarn geweckt und mitgenommen. Wer isoliert lebte, erfuhr im schlimmsten Fall zu spät von der Gefahr. Das DRK betont in seinen Krisenvorsorge-Materialien: Selbst eine schwere Erkältung kann für Alleinlebende zur ernsthaften Herausforderung werden, wenn kein Einkauf möglich ist und niemand nach dem Rechten sieht. Eine Krise verschärft diese Situation um ein Vielfaches.
4. Der Singles-Notfallplan in 7 Schritten
Ein guter Notfallplan für Alleinlebende ist kein Buch. Er passt auf eine DIN-A5-Karte und deckt die kritischsten Situationen ab. Diese 7 Schritte bilden das Rückgrat Ihrer Vorsorge.
Schritt 1: Notfallkontakte auf Papier
Schreiben Sie folgende Nummern auf eine laminierte Karte, die immer in Ihrer Brieftasche steckt. Bei Stromausfall funktioniert kein Smartphone-Kontaktbuch.
- • Polizei: 110
- • Feuerwehr/Rettung: 112
- • Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
- • Vergiftungsnotruf: 030 19240
- • Hausarzt: _______________
- • Vertrauensperson 1 (Nachbar): _______________
- • Vertrauensperson 2 (Familie/Freund): _______________
- • Außerregionaler Kontakt: _______________
- • Arbeitgeber/Büro: _______________
- • Stadtwerke (Störung): _______________
Schritt 2: Check-in-Regel vereinbaren
Die wichtigste Maßnahme für Singles: Vereinbaren Sie mit mindestens zwei Vertrauenspersonen eine Check-in-Regel: „Wenn Sie 24 Stunden nichts von mir hören, bitte schauen Sie nach mir."Diese Regel kostet nichts und kann im Notfall Leben retten. Mindestens eine Person sollte einen Wohnungsschlüssel haben. Halten Sie die Vereinbarung schriftlich fest, etwa als kurze Notiz am Kühlschrank bei Ihrem Nachbarn.
Schritt 3: Zwei Treffpunkte festlegen
Legen Sie einen nahen Treffpunkt fest (z.B. beim Nachbarn, am Hauseingang) und einen weiter entfernten (z.B. bei Familie oder Freunden in einem anderen Stadtteil). Teilen Sie diese Orte Ihren Vertrauenspersonen mit. Schriftlich, nicht nur mündlich.
Schritt 4: Medizinische Infokarte
Laminierte Karte (Brieftaschengröße) mit: Blutgruppe, Allergien, Dauermedikamente mit Dosierung, Versicherungsnummer, Organspende-Ausweis (ja/nein). Bei Bewusstlosigkeit oder Notfall können Ersthelfer und Notarzt sofort die wichtigsten Informationen einsehen. Für Singles ist diese Karte noch wichtiger als für Menschen in Mehrpersonenhaushalten, weil niemand am Einsatzort Auskunft geben kann.
Schritt 5: Wohnungsinfos hinterlegen
Teilen Sie einer Vertrauensperson mit: Wo sind Sicherungskasten, Wasserabsperrventil, Gasabsperrung? Wo ist der Notfallrucksack? Gibt es Haustiere, die versorgt werden müssen? Diese Information brauchen Helfer, wenn Sie selbst nicht mehr handlungsfähig sind.
Schritt 6: Digitale Dokumente sichern
Fotografieren Sie Personalausweis, Versicherungspolicen, Mietvertrag und Grundbuchauszug. Speichern Sie die Fotos verschlüsselt auf einem USB-Stick, der im Notfallrucksack steckt. Eine zweite Kopie liegt idealerweise bei der Vertrauensperson oder in einem Bankschließfach. Ohne diese Dokumente wird ein Versicherungsfall nach einer Katastrophe zum bürokratischen Alptraum. Besonders für Singles gilt: Niemand kann in Ihrer Abwesenheit Dokumente suchen oder Behörden informieren. Erstellen Sie eine einfache Liste: Welche Versicherungen haben Sie? Wo liegt die Police? Welche Bank nutzen Sie? Diese Liste kommt ebenfalls auf den USB-Stick.
Schritt 7: Jährlicher Vorsorge-Check
Setzen Sie sich einmal jährlich (z.B. im Oktober, zum internationalen Tag der Katastrophenvorsorge) einen festen Termin: Verfallsdaten im Vorrat prüfen, Powerbank laden, Medikamente in der Hausapotheke kontrollieren, Check-in-Vereinbarungen mit Nachbarn erneuern. 30 Minuten pro Jahr halten Ihre gesamte Vorsorge aktuell. Eine detaillierte Checkliste finden Sie unter Krisenvorsorge-Liste.
5. Kompakter Notfallvorrat für eine Person
Der neue BBK-Ratgeber 2025 empfiehlt, sich für mindestens 10 Tage selbst versorgen zu können (BBK: Essen und Trinken bevorraten). Für Singles ist dieser Vorrat überschaubar: 2 Liter Trinkwasser pro Person und Tag plus 0,5 Liter zum Kochen, dazu Lebensmittel für rund 2.200 kcal täglich.
Wasser: Die Basis
25 Liter Wasser für 10 Tage. Das sind 13 handelsübliche 1,5-Liter-Flaschen plus ein 6er-Pack 1,5-Liter-Flaschen. Kosten: unter 10 Euro. Platzbedarf: ein Regalfach oder eine Ecke im Keller. Wechseln Sie das Wasser alle 6 bis 12 Monate. Mineralwasser in PET-Flaschen hält laut Verbraucherzentrale deutlich länger als aufgedruckt, solange es kühl und dunkel gelagert wird.
Lebensmittel nach BBK-Empfehlung
| Kategorie | Menge (10 Tage, 1 Person) | Kosten ca. | Haltbarkeit |
|---|---|---|---|
| Trinkwasser | 25 Liter | 5-10 € | 6-12 Monate (rotieren) |
| Getreide (Nudeln, Reis, Haferflocken) | 3,5 kg | 4-8 € | 12-24 Monate |
| Gemüse und Hülsenfrüchte (Konserven) | 4,0 kg (ca. 10 Dosen) | 10-15 € | 24-48 Monate |
| Obst (Konserven, getrocknet) | 2,5 kg | 8-12 € | 12-24 Monate |
| Milchprodukte (H-Milch, Hartkäse) | 2,6 kg | 6-10 € | 3-6 Monate (rotieren) |
| Fleisch/Fisch (Dosen, Glas) | 1,5 kg (ca. 8 Dosen) | 10-18 € | 24-60 Monate |
| Fette (Öl, Nüsse) | 0,4 kg | 3-6 € | 6-12 Monate |
| Sonstiges (Kaffee, Tee, Zucker, Salz) | je 200-300 g | 5-10 € | 12+ Monate |
Gesamtkosten: 60 bis 100 Euro für einen vollständigen 10-Tage-Vorrat nach BBK-Standard. Das entspricht einem Restaurantbesuch. Platzbedenken: Alles passt in 2 bis 3 Kartons (50 x 40 x 30 cm) oder in einen kleinen Kellerbereich. In einer 1-Zimmer-Wohnung genügt ein Regalfach in der Küche und ein Wasserkasten unter dem Bett.
Das Singles-Problem: Einzelportionen und Verschwendung
Konserven sind häufig für 2 bis 4 Portionen ausgelegt. Wer allein lebt, steht vor dem Problem, den Rest verwerten zu müssen. Drei Lösungen:
- Kleine Dosen bevorzugen: 200-g-Dosen (Thunfisch, Mais, Kidneybohnen) statt 400-g-Standarddosen
- Kalte Weiterverarbeitung planen: Eine geöffnete 400-g-Dose Tomaten wird am nächsten Tag zur Sauce. Ohne Strom: Bohnen kalt als Salat essen
- Im Netzwerk teilen: Vereinbaren Sie mit Nachbarn, gemeinsam zu kochen. Eine große Dose ernährt zwei Personen besser als zwei kleine eine
Platzsparende Vorratshaltung in der Single-Wohnung
Viele Alleinlebende wohnen in 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen ohne separaten Vorratsraum. Trotzdem passen 10 Tage Notvorrat problemlos in jede Wohnung. Sie brauchen dafür weniger als einen Quadratmeter Lagerfläche. Der Trick: Nutzen Sie Flächen, die ohnehin ungenutzt bleiben.
- Unter dem Bett: Flache Aufbewahrungsboxen (15 cm hoch) passen unter fast jedes Bettgestell. 13 Wasserflaschen (1,5 L) und 10 Konserven verschwinden dort unsichtbar. Nutzen Sie stapelbare Kunststoffboxen mit Deckel gegen Staub
- Auf dem Kleiderschrank: Die meisten Schränke haben 20 bis 40 cm Luft zur Decke. Eine stabile Kiste mit Nudeln, Reis und Haferflocken passt dort problemlos hin
- Hinter dem Sofa: Schieben Sie das Sofa 15 cm von der Wand ab. In den Zwischenraum passen gestapelte Konservendosen, unsichtbar für Besucher
- Im Flurschrank: Ein Regaleinsatz mit Drehplatte (Lazy Susan) macht auch tiefe Schränke nutzbar. Konserven stehen vorne, Wasserflaschen dahinter
- Küchenoberschränke: Das oberste Fach nutzen die wenigsten Menschen. Lagern Sie dort Trockenwaren mit langer Haltbarkeit: Nudeln, Reis, Trockenfrüchte
Ein weiterer Vorteil für Singles: Sie lagern nur für eine Person. Während eine vierköpfige Familie 100 Liter Wasser braucht, kommen Sie mit 25 Litern aus. Das sind zwei Sixpacks Mineralwasser und ein zusätzlicher Kasten. Ausführliche Tipps zur Wasserlagerung finden Sie unter Wasser richtig lagern.
Rotation statt Einlagerung
Kaufen Sie keine speziellen Notfallprodukte. Kaufen Sie mehr von dem, was Sie ohnehin essen. Nudeln, Konserven, Haferflocken: Kaufen Sie einfach die doppelte Menge und rotieren Sie nach dem FIFO-Prinzip (First In, First Out). So haben Sie immer frische Vorräte ohne Extrakosten. Die Verbraucherzentrale bestätigt: Ein Notvorrat aus normalen Supermarktprodukten ist günstiger und alltagstauglicher als spezielle Notfallpakete. Detaillierte Anleitungen zum Vorratsmanagement finden Sie unter Notvorrat anlegen.
6. Nachbarschaftsnetzwerk aufbauen
Das Nachbarschaftsnetzwerk ist für Alleinlebende das wichtigste Sicherheitsinstrument. Es kostet nichts, lässt sich in einer Woche aufbauen und kann im Krisenfall den entscheidenden Unterschied machen. Das BBK formuliert es klar: Die Selbsthilfephase muss die Zeit bis zum Eintreffen organisierter Hilfe überbrücken. Bei einer flächendeckenden Krise dauert das Stunden bis Tage.
Wen ansprechen und wie?
Sprechen Sie zunächst Ihre direkten Nachbarn an. Mindestens 2 Personen auf Ihrem Stockwerk oder im gleichen Haus. Ein einfaches Gespräch reicht:
Die meisten Menschen reagieren positiv auf diese direkte Anfrage. Bieten Sie dasselbe an. Gegenseitige Hilfe ist der Schlüssel. Erfahrungsberichte aus Krisenvorsorge-Foren zeigen: 8 von 10 Nachbarn reagieren offen, wenn Sie den ersten Schritt machen.
Was Sie mit dem Netzwerk vereinbaren sollten
- • Schlüssel hinterlegen: Ein Vertrauensnachbar sollte einen Wohnungsschlüssel haben. Ohne Schlüssel bleibt nur die Feuerwehr, und die hat im Krisenfall anderes zu tun
- • Check-in-Intervall: Bei normalen Krisen täglich kurze Meldung (WhatsApp, SMS, Klopfen)
- • Notfallkontakt: Wer ruft wen bei ausbleibender Meldung an? Klare Kette festlegen
- • Gegenseitige Versorgung: Wer kann Medikamente holen, einkaufen, beim Tragen helfen?
- • Ressourcenteilung: Wer hat Kaminofen? Wer hat Powerstation? Wer hat Campingkocher? Wer hat ein Fahrzeug mit Anhängerkupplung?
- • Kontaktbaum: Person A informiert Person B und C. Person B informiert D und E. So erreichen 5 Anrufe 30 Haushalte
Digitale und analoge Vernetzung
Nutzen Sie digitale Plattformen, aber verlassen Sie sich nie ausschließlich darauf. Im Blackout funktioniert kein Server.
- • Nebenan.de: Deutschlands größte Nachbarschaftsplattform. Kostenlos. Gut, um erste Kontakte zu knüpfen
- • WhatsApp-Hausgruppe: Schnelle Koordination im eigenen Haus. Funktioniert, solange Mobilfunk läuft
- • Telegram-Kanäle: Lokale Krisenvorsorge-Gruppen gibt es in vielen Städten
- • Aushang im Treppenhaus: Analoger Backup. Ein einfacher Zettel mit „Nachbarschaftshilfe im Notfall" und Ihrer Telefonnummer
- • Lokale Vereine und Feuerwehr: Freiwillige Feuerwehr und THW organisieren regelmäßig Informationsveranstaltungen zur Krisenvorsorge. 1,7 Millionen Ehrenamtliche arbeiten bereits im Katastrophenschutz (THW)
Drei-Kreise-Modell für Singles
Kreis 1 (sofort): 2 bis 3 Nachbarn im selben Haus. Schlüssel hinterlegt, Check-in vereinbart. Kreis 2 (30 Minuten): Freunde oder Familie im selben Ort. Treffpunkt vereinbart. Kreis 3 (Fernkontakt): Eine Person außerhalb Ihrer Region, die Behörden informieren kann, falls Sie nicht erreichbar sind. Dieses Modell deckt lokale Krisen, regionale Katastrophen und den Worst Case ab.
Hürden überwinden: Warum viele Singles kein Netzwerk aufbauen
Die häufigsten Einwände lauten: „Ich kenne meine Nachbarn nicht" oder „Das ist mir unangenehm." Verständlich. Aber die Alternative ist gefährlicher. Stellen Sie sich vor: Sie stürzen in der Dusche, brechen sich das Handgelenk und können Ihr Smartphone nicht bedienen. Ohne Netzwerk vergehen möglicherweise Tage, bis jemand bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Mit einer simplen Check-in-Vereinbarung schaut spätestens nach 24 Stunden jemand nach Ihnen.
Der erste Schritt ist der schwierigste. Nutzen Sie einen konkreten Anlass: das nächste Paket für den Nachbarn annehmen, ein freundliches Gespräch im Treppenhaus, die Einladung zu einem Haustreffen. Plattformen wie Nebenan.de erleichtern den Einstieg digital. Aber verlassen Sie sich nie ausschließlich auf digitale Kanäle. Im Blackout funktioniert kein Server und kein Router. Die analoge Beziehung zum Nachbarn zwei Türen weiter ist im Krisenfall mehr wert als 500 Online-Kontakte.
7. Notfallrucksack für Alleinlebende
Der 72-Stunden-Notfallrucksack (auch Fluchtrucksack oder Bug-Out-Bag) sichert Ihre Eigenversorgung für 3 Tage. Für Singles gilt: maximal 10 bis 12 kg. Sie tragen ihn allein, möglicherweise über längere Strecken. Jedes Gramm zählt.
Pflicht-Inhalt (nicht verhandelbar)
- ☐ Personalausweis / Reisepass (Kopie reicht)
- ☐ Bargeld 200 bis 300 Euro (kleine Scheine, Münzen)
- ☐ Alle Dauermedikamente für 7 Tage
- ☐ Medizinische Infokarte (laminiert)
- ☐ Handy vollgeladen + Ladekabel + Powerbank (min. 10.000 mAh)
- ☐ LED-Taschenlampe + Ersatzbatterien
- ☐ Trinkwasser 1,5 Liter
- ☐ Notfallverpflegung (Riegel, Nüsse, Trockenfrüchte) für 3 Tage
- ☐ Erste-Hilfe-Mini-Set (Pflaster, Verband, Desinfektionsmittel)
- ☐ Wechselkleidung (2 Tage, lagig anziehbar)
- ☐ USB-Stick mit Dokumenten-Kopien (verschlüsselt)
Empfohlene Ergänzungen
- ☐ Kurbelradio (kompakt, z.B. Eton FRX5-BT)
- ☐ Rettungsdecke (gold-silber, 20 g, wärmt und signalisiert)
- ☐ Taschenmesser (Schweizer Art, Multifunktion)
- ☐ Feuerzeug + wasserdichte Streichhölzer
- ☐ Offline-Karte der Region (Papier, nicht nur Handy)
- ☐ Notizblock + Kugelschreiber
- ☐ Trinkwasser-Reinigungstabletten (Micropur)
- ☐ Schmerzmittel (Paracetamol, Ibuprofen)
- ☐ Hygieneartikel (Zahnbürste, Seife, Toilettenpapier)
- ☐ Trillerpfeife (Signalwirkung, leicht)
- ☐ Kabelbinder und Panzerband (Universalreparatur)
Gewichtskontrolle: Wiegen Sie den fertigen Rucksack. Über 12 kg wird es auf längeren Fußmärschen kritisch, besonders wenn Sie nicht trainiert sind. Streichen Sie im Zweifel Komfortartikel. Wasser und Medikamente bleiben immer drin.
Rucksack für Singles: Immer griffbereit
Stellen Sie den Notfallrucksack an einen festen, gut zugänglichen Platz (z.B. Flurschrank, nahe der Wohnungstür). Als Alleinlebender haben Sie keine zweite Person, die ihn holen kann. Sie müssen ihn im Notfall selbst greifen können, auch bei Dunkelheit. Markieren Sie den Griff mit Leuchtband. Testen Sie den Rucksack einmal jährlich: Verfallsdaten prüfen, Akku laden, Kleidung anprobieren.
8. Blackout allein meistern
Laut Bundesnetzagentur lag die durchschnittliche Unterbrechungsdauer im deutschen Stromnetz 2024 bei 11,7 Minuten pro Kunde (SAIDI-Wert). Das klingt harmlos. Der Wert erfasst aber nur gemeldete Störungen, nicht großflächige Ausfälle durch Extremwetter oder Cyberangriffe. Ein mehrstündiger oder mehrtägiger Blackout bleibt ein realistisches Szenario, besonders im Winter.
Für Alleinlebende ist ein Blackout zweifach belastend: technisch (kein Licht, keine Heizung, kein Herd) und psychisch (Dunkelheit, Stille, kein Internet). Strukturierte Vorbereitung nimmt beiden Faktoren die Schärfe.
Erste Stunde: Sofortmaßnahmen
- 1. LED-Taschenlampe oder Stirnlampe einschalten (keine Kerzen im ersten Moment, Brandgefahr)
- 2. Kurbelradio einschalten: ARD und Deutschlandfunk senden auch bei Stromausfall
- 3. Powerbank und Handy-Akku prüfen. Handy in den Flugmodus schalten (spart 80 % Akku)
- 4. Vertrauensperson per SMS informieren: „Strom weg bei mir, bin ok"
- 5. NINA-App oder Katwarn auf Meldungen prüfen (solange Mobilfunk funktioniert)
- 6. Kühlschrank und Tiefkühler geschlossen lassen. Kühlschrank hält 4 bis 6 Stunden, Gefriertruhe bis 48 Stunden
Stunden 2 bis 12: Situation einschätzen
- • Handy-Kommunikation auf das Nötigste beschränken. Nur kurze SMS, keine Videoanrufe
- • Wärme sichern: Warme Kleidung anziehen, Schlafsack bereitlegen. Bei Minusgraden: zu Nachbarn mit Kaminofen wechseln
- • Powerstation für Licht und Kommunikation nutzen. Eine Anker SOLIX C800 (512 Wh) versorgt eine LED-Lampe für über 50 Stunden
- • Tagesplan aufstellen. Feste Zeiten für Mahlzeiten, Aktivität und Ruhe verhindern Desorientierung
- • Nachbarn aufsuchen. Gemeinsames Kochen spart Energie und bricht die Isolation
Ab Tag 2: Langfristig denken
- • Wasservorrat rationieren. 2 Liter Trinken, Rest nur zum Kochen
- • Verderbliche Lebensmittel zuerst verbrauchen (Kühlschrankinhalt), dann Konserven
- • Campingkocher oder Gaskocher nutzen (nur bei Fensteröffnung). Warme Mahlzeiten stabilisieren die Psyche
- • Lokale Anlaufstellen aufsuchen: Feuerwehr, Rathaus und THW richten bei längerem Blackout Wärmestuben und Informationspunkte ein
- • Bargeld bereithalten. EC-Terminals funktionieren ohne Strom nicht. Tankstellen können nicht pumpen
Ein Aspekt wird oft vergessen: die Heizung. Moderne Gasheizungen brauchen Strom für die Steuerung. Ohne Strom keine Heizung, auch wenn Gas noch fließt. In einer ungeheizten Wohnung sinkt die Temperatur im Winter innerhalb von 12 Stunden auf unter 15 Grad. Für Alleinlebende ohne Kaminofen gibt es drei Optionen: warme Kleidung und Schlafsack in der Wohnung, Aufenthalt bei Nachbarn mit Alternativheizung, oder die kommunale Wärmestube. Halten Sie einen winterfesten Schlafsack (Komforttemperatur 0 Grad) bereit, auch wenn Sie in einer Stadtwohnung leben.
Detaillierte Blackout-Vorbereitung mit Checklisten und Produktempfehlungen finden Sie unter Blackout-Vorbereitung.
9. Krank im Krisenfall: Das kritischste Szenario für Singles
Eine Grippe mit 39 Grad Fieber. Allein. Kein Strom. Kein Internet. Kein Lieferdienst. Für Alleinlebende ist Krankheit während einer Krise das gefährlichste Szenario, weil es die eigene Handlungsfähigkeit einschränkt, genau in dem Moment, in dem Sie am meisten davon brauchen.
Präventive Vorbereitung (jetzt erledigen)
- • Hausapotheke vollständig: Fiebermittel (Ibuprofen, Paracetamol), Erkältungsmittel, Elektrolytpulver (ORS), Durchfallmittel (Loperamid), Schmerzmittel, Wunddesinfektionsmittel, Fieberthermometer
- • Leicht zuzubereitende Lebensmittel: Fertigsuppen (nur heißes Wasser nötig), Zwieback, Tee, Honig, Instantbrühe. Diese Produkte essen Sie auch bei Schwäche
- • Dauermedikamente: Mindestens 14-Tage-Reserve. Besprechen Sie dies mit Ihrem Hausarzt. Bei lebensnotwendigen Medikamenten (Insulin, Blutdrucksenker, Schilddrüsenhormone) eine Notfall-Reserve anlegen. Mehr unter Notfallmedikamente-Liste
- • Notfallkontakt informiert: Mindestens eine Person weiß, dass bei ausbleibender Meldung nach Ihnen geschaut wird
- • Arzt-Nummern griffbereit: Hausarzt + ärztlicher Bereitschaftsdienst (116 117) auf Papier am Telefon
Im Krankheitsfall: Schritt für Schritt
- 1. Vertrauensperson sofort informieren: „Ich bin krank. Bitte melden Sie sich in 12 Stunden bei mir."
- 2. Handy ans Bett legen. Immer geladen. Notruf muss jederzeit erreichbar sein
- 3. Ausreichend trinken. Elektrolytlösung bei Durchfall und Erbrechen verhindert Dehydrierung
- 4. Einfach essen: Zwieback, Suppe, Tee. Keine aufwändigen Mahlzeiten
- 5. Bei Verschlechterung: 116 117 (Bereitschaftsdienst) oder 112 (Notfall) anrufen. Nicht abwarten
- 6. Wohnungstür entriegeln, wenn Sie befürchten, bewusstlos zu werden. Helfer kommen sonst nicht rein
Herzinfarkt, Schlaganfall, schwerer Sturz: Sofort 112
Bei Verdacht auf Herzinfarkt (Brustschmerz, Atemnot, Schweißausbruch, Ausstrahlung in Arm oder Kiefer), Schlaganfall (plötzliche Lähmung einer Körperhälfte, Sprachstörung, Sehstörung) oder schwerem Sturz mit Kopfverletzung: Sofort 112 anrufen. Jede Minute zählt. Sprechen Sie mit Vertrauenspersonen im Vorfeld ab, dass bei fehlendem Check-in sofort nachgesehen wird. Diese 24-Stunden-Regel rettet bei alleinlebenden Menschen nachweislich Leben.
10. Kommunikation ohne Strom und Internet
Im Krisenfall bricht die gewohnte Kommunikation zusammen. Mobilfunkmasten haben Pufferbatterien für etwa 30 Minuten bis 2 Stunden. Danach: Funkstille. Für Alleinlebende ist dieser Moment besonders kritisch, weil die Verbindung zur Außenwelt ihr einziges Sicherheitsnetz darstellt.
Kommunikationsmittel nach Priorität
- • Kurbelradio (DAB+/UKW): Empfängt ARD, Deutschlandfunk, Lokalsender. Funktioniert ohne Strom, ohne Internet, ohne Mobilfunk. Das wichtigste Informationsgerät im Blackout
- • SMS statt Anruf: SMS funktionieren bei Netzüberlastung noch, wenn Telefonate bereits scheitern. Kurze, klare Nachrichten senden
- • Analoge Treffpunkte: Vereinbaren Sie mit Ihrem Netzwerk einen festen Treffpunkt und eine feste Uhrzeit (z.B. „Jeden Tag um 10 Uhr am Hauseingang")
- • PMR-Funkgeräte: Lizenzfreie Kurzstreckenfunkgeräte (bis 5 km Reichweite). Kosten ab 30 Euro pro Paar. Funktionieren ohne jede Infrastruktur
- • Sirenen: Das bundesweite Sirenennetz wird seit 2020 wieder ausgebaut. Bei Warnung: Radio einschalten und auf offizielle Durchsagen achten
Für Singles gilt eine einfache Regel: Das Kurbelradio ist Ihr wichtigstes Gerät. Es funktioniert ohne Strom, ohne Internet und ohne Mobilfunk. ARD und Deutschlandfunk senden selbst bei einem großflächigen Blackout weiter, weil die Sendeanlagen über Notstromaggregate verfügen. Einen ausführlichen Vergleich aktueller Modelle finden Sie unter Kurbelradio Vergleich.
Vereinbaren Sie mit Ihrem Netzwerk ein festes Signalsystem: Jeden Tag um 10 Uhr morgens klopft der Nachbar an Ihre Tür, oder Sie hängen ein Zeichen ins Fenster (z. B. ein weißes Tuch bedeutet „alles in Ordnung", ein rotes Tuch bedeutet „brauche Hilfe"). Solche analogen Systeme funktionieren ohne jede Technik und kosten nichts. Detaillierte Informationen zu Kommunikationsstrategien im Krisenfall finden Sie unter Kommunikation ohne Strom.
11. Psychische Gesundheit: Allein durch die Krise
Der TK-Einsamkeitsreport 2024 zeigt: 60 % der Deutschen kennen Einsamkeitsgefühle. Bei Alleinlebenden in Krisensituationen verstärkt sich dieser Effekt massiv. Stress, Erschöpfung, gedrückte Stimmung und Schlafstörungen treten bei einsamen Menschen deutlich häufiger auf. In einer Krise ohne soziale Kontakte wird psychische Belastung schnell zum eigenständigen Risiko.
Das Einsamkeitsbarometer 2024 des Bundesfamilienministeriums liefert harte Zahlen: Im Pandemie-Jahr 2020 stieg die Einsamkeitsbelastung auf 28,2 %, verglichen mit 7,6 % im Jahr 2017. Frauen waren stärker betroffen (33,2 %) als Männer (23,1 %). Unter den Menschen mit erhöhter Einsamkeitsbelastung hatten 71,7 % eine unterdurchschnittliche psychische Gesundheit. Alleinlebende gehörten zu den am stärksten betroffenen Gruppen. Eine Krise ohne Pandemie-Charakter, etwa ein mehrtägiger Blackout im Winter, kann ähnliche Isolation erzeugen: kein Internet, keine Ablenkung, kein soziales Leben. Genau deshalb ist psychische Vorbereitung für Singles kein Luxus, sondern Pflicht.
Aktive Gegenmaßnahmen
- • Tagesstruktur: Feste Zeiten für Aufstehen, Mahlzeiten, Aktivität und Schlaf. Ohne Struktur verlieren Sie in einer dunklen Wohnung schnell das Zeitgefühl
- • Sozialer Kontakt: Täglich mindestens ein persönliches Gespräch mit einem Nachbarn. Auch kurze Begegnungen im Treppenhaus stabilisieren
- • Körperliche Bewegung: 30 Minuten Spaziergang pro Tag. Bewegung reduziert Cortisol (Stresshormon) und verbessert den Schlaf
- • Offline-Beschäftigung: Bücher, Kreuzworträtsel, Kartenspiele, Tagebuch schreiben. Beschäftigung stoppt Grübeln
- • Helfen: Anderen zu helfen stabilisiert die eigene Psyche. Fragen Sie Nachbarn, ob Sie etwas tun können. Wer gebraucht wird, fühlt sich weniger allein
- • Realismus pflegen: Krisen enden. Behörden, THW, Feuerwehr und Bundeswehr arbeiten an Lösungen. Die durchschnittliche Dauer eines Blackouts in Deutschland liegt unter einer Stunde
Warnsignale ernst nehmen
Wenn Sie bemerken, dass Sie über mehrere Tage nicht mehr schlafen können, nicht mehr essen wollen, sich hoffnungslos fühlen oder Panikattacken erleben: Sprechen Sie mit jemandem. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar unter 0800 111 0 111 (kostenlos, auch vom Mobiltelefon). In einer Krise ist der Anruf dort keine Schwäche, sondern die klügste Entscheidung, die Sie treffen können.
12. Evakuierung als Alleinlebender
Bei einer Evakuierung haben Singles einen greifbaren Vorteil: Sie müssen nur sich selbst koordinieren. Kein Kinderwagen, keine pflegebedürftigen Angehörigen, kein Familienrat. Rucksack greifen, Tür zu, los. Aber ohne Vorbereitung wird auch diese Situation stressig.
Vor der Evakuierung vorbereiten
- • Notfallrucksack immer gepackt und griffbereit (siehe Abschnitt 7)
- • NINA-App oder Katwarn installiert und für Ihren Wohnort konfiguriert
- • Zielort bekannt: Familie, Freunde, offizielle Notunterkunft der Gemeinde. Mindestens zwei Alternativen
- • Haustier: Transport, Zielort für das Tier, Futtervorrat (siehe Abschnitt 13)
- • Fahrzeug mindestens halbvoll tanken. Nicht auf Reserve fahren. Im Krisenfall sind Tankstellen geschlossen
- • Offline-Karte im Auto und auf dem Handy. Navigation funktioniert ohne Internet nicht
- • Nachbarn informieren, dass Sie evakuiert wurden. Zettel an die Tür reicht
Während der Evakuierung
- • Frühzeitig losfahren. Warten kostet Sie nichts als Zeit, Warten bis zum Stau kostet Stunden
- • Vertrauenspersonen informieren: „Ich verlasse die Wohnung, fahre zu [konkreter Ort]"
- • Fenster und Türen schließen (Rauch, Chemie), Haupthahn für Gas abstellen
- • Im Notlager: Medizinischen Dienst über besondere Bedürfnisse informieren (Allergien, Medikamente)
- • Regelmäßig Lebenszeichen senden, solange Mobilfunk funktioniert
- • Bargeld nutzen. EC-Terminals sind im Chaos nicht zuverlässig
- • Personalausweis und Versicherungsunterlagen (Kopien) griffbereit halten
13. Singles mit Haustier: Besondere Vorsorge
Viele Alleinlebende haben ein Haustier. Hund, Katze oder Kleintier sind oft der engste Sozialpartner im Alltag. Im Krisenfall wird das Tier zur zusätzlichen Verantwortung, die Sie allein tragen müssen. Offizielle Notunterkünfte nehmen Tiere nur selten auf.
Haustier-Vorsorge-Checkliste
- • Futter: 10-Tage-Vorrat an Trocken- und Nassfutter. Futter für Tiere verdirbt genauso wie Menschennahrung
- • Wasser: 0,5 Liter pro Tag für Katzen, 1 bis 2 Liter für mittelgroße Hunde. Zum eigenen Wasservorrat addieren
- • Medikamente: Dauermedikamente für 14 Tage. Impfpass aktuell halten
- • Transportbox: Muss griffbereit stehen. Im Stress lässt sich kein panisches Tier in eine Box setzen, die es nicht kennt
- • Betreuungsperson: Wer versorgt das Tier, wenn Sie krank werden oder evakuiert werden? Klären Sie das vorab mit Nachbarn oder Freunden. Schlüssel hinterlegen
- • Chip und Marke: Tier muss identifizierbar sein. Registrierung bei TASSO oder FINDEFIX (kostenlos)
Einen vollständigen Leitfaden zur Krisenvorsorge mit Tieren finden Sie unter Vorsorge Haustiere.
Tipp: Hängen Sie an Ihre Wohnungstür einen kleinen Aufkleber mit dem Hinweis „Im Haushalt lebt ein Tier (Art/Anzahl)." Bei einer Evakuierung durch Rettungskräfte wissen Helfer dann sofort, dass noch ein Tier in der Wohnung sein könnte. Solche Aufkleber gibt es bei TASSO kostenlos.
14. Krisenvorsorge mit kleinem Budget
Ein häufiges Argument gegen Krisenvorsorge: „Ich bin Single und habe kein Budget dafür." Die Realität sieht anders aus. Die wichtigsten Maßnahmen kosten wenig bis nichts. Was wirklich zählt, ist keine teure Ausrüstung, sondern konsequente Vorbereitung.
| Maßnahme | Kosten | Wirkung |
|---|---|---|
| Nachbarschaftsnetzwerk aufbauen | 0 € | Ersetzt fehlende Haushaltsmitglieder im Krisenfall |
| Notfallkontakte auf Papier | 0 € | Erreichbarkeit ohne Smartphone |
| Check-in-Regel vereinbaren | 0 € | Sicherheitsnetz bei Bewusstlosigkeit oder Sturz |
| 10-Tage-Wasservorrat (25 L) | 5-10 € | Grundversorgung bei Leitungswasserausfall |
| 10-Tage-Lebensmittelvorrat | 55-90 € | Unabhängigkeit von Supermärkten für 10 Tage |
| Taschenlampe + Batterien | 10-20 € | Orientierung bei Stromausfall |
| Hausapotheke auffüllen | 20-40 € | Selbstversorgung bei leichten Erkrankungen |
| Bargeldreserve | 200-300 € (Rücklage) | Zahlungsfähigkeit ohne EC-Terminals |
Gesamtkosten für die Basisvorsorge: unter 200 Euro. Die drei wirksamsten Maßnahmen (Netzwerk, Kontaktkarte, Check-in-Regel) kosten keinen Cent. Wer knapp bei Kasse ist: Beginnen Sie dort. Die Ausrüstung bauen Sie Stück für Stück auf, etwa einen Posten pro Monat.
Ein oft unterschätzter Posten: die Bargeldreserve. Im Blackout funktionieren keine EC-Terminals, keine Online-Überweisungen, keine Geldautomaten. Wer ausschließlich bargeldlos zahlt, steht im Krisenfall ohne Zahlungsmittel da. Halten Sie mindestens 200 Euro in kleinen Scheinen (5er, 10er, 20er) und Münzen bereit. Bewahren Sie das Bargeld an einem sicheren, aber schnell zugänglichen Ort auf, etwa im Notfallrucksack oder in einem verschließbaren Fach. Mehr zur Bedeutung von Bargeld in Krisen unter Bargeld im Krisenfall.
Monatsplan: Krisenvorsorge in 6 Monaten aufbauen
Nicht alles auf einmal kaufen. Verteilen Sie die Anschaffungen über ein halbes Jahr. So belasten Sie Ihr Budget nie mit mehr als 30 bis 40 Euro auf einmal.
- Monat 1: Netzwerk aufbauen (0 €), Notfallkontakte auf Papier schreiben (0 €), 25 Liter Wasser kaufen (8 €)
- Monat 2: Grundvorrat Trockenware: 2 kg Nudeln, 1 kg Reis, 1 kg Haferflocken, 5 Konserven (15 €)
- Monat 3: LED-Taschenlampe mit Batterien (12 €), Hausapotheke auffüllen (25 €)
- Monat 4: Restliche Konserven und Lebensmittel für den 10-Tage-Vorrat (30 €)
- Monat 5: Powerbank 10.000 mAh (15 €), Notfallrucksack packen (vorhandene Tasche nutzen)
- Monat 6: Bargeldreserve anlegen (200 €, Rücklage), Dokumente digitalisieren und auf USB-Stick sichern
Nach sechs Monaten haben Sie eine vollständige Basisvorsorge. Gesamtausgabe ohne Bargeldreserve: rund 105 Euro. Das entspricht weniger als 18 Euro pro Monat. Eine komplette Krisenvorsorge-Checkliste zum Abhaken finden Sie auf unserer Übersichtsseite.
5-Euro-pro-Woche-Strategie
Legen Sie jede Woche 5 Euro für Krisenvorsorge beiseite. Das sind 260 Euro pro Jahr. In Monat 1 kaufen Sie Wasser und Nudeln. In Monat 2 Konserven. In Monat 3 eine Taschenlampe und Batterien. Nach 6 Monaten haben Sie eine solide Grundausstattung, ohne je mehr als 20 Euro auf einmal ausgegeben zu haben. Weitere Spartipps zur Vorsorge in kleinen Wohnungen finden Sie unter Krisenvorsorge Wohnung.
15. Häufige Fragen zur Krisenvorsorge für Singles
Was sind die groessten Herausforderungen fuer Singles bei der Krisenvorsorge?
Wie viel Vorrat braucht eine Person fuer 10 Tage?
Was ist der wichtigste Unterschied zu Familien bei der Krisenvorsorge?
Wie baue ich als Single ein Krisenvorsorge-Netzwerk auf?
Welche Powerstation ist fuer einen Single-Haushalt sinnvoll?
Was tun wenn ich als Single krank werde waehrend einer Krise?
Wie lagere ich Lebensmittel als Single ohne Verschwendung?
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Krisenvorsorge Familie
Notfallvorsorge mit Kindern — Familien-Notfallplan erstellen
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Medikamente, Mobilität und Nachbarschaftshilfe für ältere Menschen
Krisenvorsorge Wohnung
Platzsparende Krisenvorsorge in der Mietwohnung
Notvorrat anlegen
10-Tage-Vorrat berechnen und aufbauen — BBK-konform
Blackout-Vorbereitung
Stromausfall: Checkliste, Powerstation und Notstrom-Lösungen
Kommunikation ohne Strom
Kurbelradio, PMR-Funk und analoge Kommunikation im Krisenfall
Quellen
- • Statistisches Bundesamt (Destatis) — „17 Millionen Menschen in Deutschland leben allein", Mikrozensus 2024, Juli 2025: destatis.de
- • BBK — Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen" (Neuauflage Oktober 2025): bbk.bund.de
- • BBK — Essen und Trinken bevorraten: bbk.bund.de/Bevorraten
- • Bundesnetzagentur — SAIDI-Strom 2024, Versorgungsunterbrechungen: bundesnetzagentur.de
- • THW — Ehrenamt im Katastrophenschutz: thw.de
- • TK — Einsamkeitsreport 2024: tk.de
- • DRK — Persönliche Krisenvorsorge und Checklisten: drk-essen.de
- • BMFSFJ — Einsamkeitsbarometer 2024, Langzeitentwicklung der Einsamkeitsbelastung: bmbfsfj.bund.de
- • Verbraucherzentrale — Tipps zur Haltbarkeit und Lagerung von Lebensmitteln: verbraucherzentrale.de
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