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Krisenvorsorge in der Wohnung 2026: Kompakter Schutzplan für Mieter

53 % der Deutschen leben zur Miete. Kein Garten, kein Keller, kein Generator. So funktioniert Krisenvorsorge trotzdem.

Zuletzt aktualisiert: April 2026Autor: Redaktion krisenfall.euLesezeit: ca. 20 Minuten

52,8 % der Deutschen wohnen zur Miete. Das ist der höchste Anteil in der gesamten EU (Eurostat 2024). In Berlin, Hamburg und Bremen liegt die Mieterquote noch höher. Millionen Menschen leben in Wohnungen ohne Garten, ohne Keller, ohne Kaminanschluss, ohne Stellplatz für einen Generator.

Die meisten Krisenvorsorge-Ratgeber schreiben für Hausbesitzer: "Legen Sie einen Holzvorrat an", "Stellen Sie den Generator in den Schuppen", "Nutzen Sie den Brunnen im Garten". Für 22 Millionen Mieterhaushalte in Deutschland ist das nutzlos. Dieser Leitfaden ist für Sie geschrieben: für Menschen, die auf 40 bis 80 Quadratmetern leben, in einem Mehrfamilienhaus mit Hausordnung, ohne Garage und ohne Erdkeller.

Die gute Nachricht: Krisenvorsorge in der Wohnung ist nicht nur möglich, sie ist oft einfacher als gedacht. Sie brauchen weniger Platz als einen Schuhkarton pro Woche Vorrat. Die schlechte Nachricht: In manchen Bereichen (Heizung, Notstrom, Kochen) haben Mieter echte Einschränkungen. Diesen Leitfaden hat genau diese Realität als Ausgangspunkt.

1. Kaufberatung: Die besten Produkte für die Wohnung

In der Wohnung zählt Kompaktheit. Jedes Produkt muss seinen Platz rechtfertigen. Diese drei lösen die größten Probleme:

2. Platzmanagement: Vorrat auf wenig Raum

Die durchschnittliche Mietwohnung in Deutschland hat 77 Quadratmeter. In Großstädten oft nur 40 bis 60. Trotzdem passt ein 10-Tage-Vorrat für 2 Personen problemlos in eine solche Wohnung, wenn Sie die richtigen Stellen nutzen.

Die 7 versteckten Lagerflächen jeder Wohnung

1. Unter dem Bett

Flache Aufbewahrungsboxen (Ikea SAMLA, 11 cm hoch) passen unter fast jedes Bett. Platz für 20 bis 30 Konservendosen oder 6 Wasserflaschen pro Box. Pro Bett: 2 Boxen. Das sind 40 bis 60 Dosen Notvorrat, ohne einen Zentimeter Wohnfläche zu verlieren.

2. Auf Schränken

Zwischen Schrankoberkante und Decke liegen oft 30 bis 50 cm ungenutzter Raum. Wasserflaschen, Konserven oder Campingausrüstung in Kartons verstauen. Staubschutz: Tücher oder Kissenrolle davor.

3. Kellerabteil

Die meisten deutschen Mietwohnungen haben ein Kellerabteil (1 bis 3 m2). Ein Schwerlast-Steckregal (30 €, 175 kg pro Boden) verwandelt es in ein Vorratslager. Wasserkanister unten, Konserven in der Mitte, Campingausrüstung oben.

4. Hinter Türen

Türhänge-Organizer aus Stoff. Passt an Schlafzimmer-, Bad- oder Speisekammertür. Platz für Taschenlampen, Batterien, Erste-Hilfe-Material, Gaskartusche.

5. Schuhschrank-Boden

Unter der untersten Ablage oder im Sockelbereich passen flache Gegenstände: Wasseraufbereitungstabletten, Dokumentenmappe, Notfallradio.

6. Waschmaschinen-Nische

Der Spalt neben oder über der Waschmaschine bietet oft 30 x 60 cm. Ein schmales Regal oder gestapelte Kanister passen perfekt.

7. Im Kleiderschrank

Ein Fach oder eine Schublade für den Notfallrucksack reservieren. Er steht griffbereit und nimmt keinen zusätzlichen Platz ein, weil er dort liegt, wo sonst ein Pullover wäre.

Das FIFO-Prinzip spart Platz und Geld

"Lebender Vorrat" nach BBK-Empfehlung: Kaufen Sie, was Sie ohnehin essen, in doppelter Menge. Verbrauchen Sie immer die älteste Packung zuerst (First In, First Out). Ihr Vorrat ist Ihr normaler Küchenschrank, nur etwas voller. Kein separater Bunker nötig. Nichts verdirbt. Kein Cent extra.

3. Wasservorrat: 20 Liter pro Person, 10 Tage

Wasser ist die Schwachstelle für Wohnungsbewohner. In Einfamilienhäusern mit Brunnen oder Regenwassertonne ist das kein Problem. In der Mietwohnung im 4. Stock schon. Aber es gibt Lösungen.

Drei Strategien für Wasser in der Wohnung

Strategie 1: Kanister (Grundvorrat, immer bereit)

6er-Set HDPE-Kanister (je 10 L) = 60 Liter. Reicht für 3 Personen, 10 Tage. Befüllen mit frischem Leitungswasser, alle 6 Monate tauschen. Lagern: unter dem Bett, im Keller, neben der Waschmaschine. Kosten: ca. 25 € für 6 Kanister.

Strategie 2: WaterBOB (Sofort-Reserve bei Krisenmeldung)

Ein faltbarer Sack, der in die Badewanne gelegt wird. Wasserhahn auf, 450 Liter sauberes Trinkwasser in 20 Minuten. Liegt flach verpackt im Schrank (Größe eines Schuhkartons). Bei Hochwasserwarnung, Trinkwasserverunreinigung oder Stromausfall-Vorhersage: Sofort aktivieren. Das ist die Game-Changer-Lösung für Mietwohnungen.

Strategie 3: Badewanne offen füllen (Brauchwasser)

Wenn kein WaterBOB vorhanden: Badewanne einfach volllaufen lassen. Das Wasser ist nicht mehr trinkbar (offene Oberfläche, Staub, Bakterien), aber perfekt für Toilettenspülung, Händewaschen und Putzen. 150 bis 200 Liter Brauchwasser zum Nulltarif.

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4. Lebensmittelvorrat: Lebender Vorrat statt Bunkerlager

Vergessen Sie das Bild vom Prepper-Bunker mit Regalen voller NRG-5-Riegel. Der beste Notvorrat für die Wohnung ist unsichtbar, weil er in Ihrem normalen Küchenschrank lebt. Das BBK nennt es "lebender Vorrat". Das Prinzip: Kaufen Sie, was Sie ohnehin essen, in doppelter Menge. Verbrauchen Sie die älteste Packung zuerst.

Platzsparender 10-Tage-Vorrat (2 Personen)

LebensmittelMengePlatzbedarfHaltbarkeit
Nudeln (500-g-Packungen)4 kg (8 Pakete)1 Regalboden2+ Jahre
Reis (1-kg-Beutel)3 kg (3 Beutel)1/2 Regalboden2+ Jahre
Konserven (400-g-Dosen)20 Dosen2 Regalböden2 bis 5 Jahre
Haferflocken (500 g)2 kg (4 Pakete)1/2 Regalboden1+ Jahr
H-Milch (1 L)5 Liter1/2 Regalboden3 bis 6 Monate
Nüsse, Trockenobst1 kg1 Schublade6 bis 12 Monate
Honig500 g (1 Glas)minimalunbegrenzt
Öl (Sonnenblume)1 Literminimal12+ Monate

Gesamtplatzbedarf: Etwa 4 Regalböden im Küchenschrank. Das entspricht dem Platz, den Sie normalerweise für Gewürze, Backzubehör und das dritte Salatdressing nutzen. Entrümpeln Sie einmal, und der Vorrat passt.

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Kalorienrechnung: Reicht das?

Dieser Vorrat liefert ca. 2.000 bis 2.200 kcal pro Person und Tag. Das deckt den Grundbedarf. Im Krisenfall bewegen Sie sich weniger (kein Fitnessstudio, kein Pendeln), der Kalorienbedarf sinkt. Ergänzen Sie den Vorrat mit dem, was Sie ohnehin im Kühlschrank und Gefrierfach haben: Bei Stromausfall essen Sie zuerst das Gefrierfach leer (Tag 1 bis 2), dann den Kühlschrank (Tag 2 bis 3), dann den Trockenvorrat.

5. Heizen ohne Strom in der Mietwohnung

Das zentrale Problem: Nahezu alle Heizungssysteme in deutschen Mietwohnungen (Gasthermen, Fernwärme, Wärmepumpen) brauchen Strom für Umwälzpumpen und Steuerung. Fällt der Strom, fällt die Heizung. Und einen Kaminofen oder Holzofen können Sie in einer Mietwohnung nicht einfach installieren.

Drei Heiz-Optionen für Mieter

Petroleumofen

Kein Stromanschluss, kein Kamin nötig. Moderne Geräte (Zibro/Toyotomi) sind für Innenräume zugelassen. Heizleistung: 2 bis 3 kW, reicht für einen Raum. Verbrauch: ca. 0,25 L/h. 10 Liter Petroleum = 40 Stunden Betrieb. CO-Warnmelder Pflicht. Lüften alle 2 Stunden.

Ein-Raum-Strategie

Alle Personen in einen Raum. Türen schließen, Spalten abdichten (Handtücher). Fenster mit Decken oder Rettungsfolie isolieren (Silberseite rein). Körperwärme hält einen 15-m2-Raum mit 2 Personen auf 12 bis 15 °C, selbst bei Frost draußen. Nullkosten.

Wärmequellen nutzen

Wärmflasche (hält 4 bis 6 Stunden). Winterschlafsack (Komforttemperatur 0 °C, ab 50 €). Mehrere dünne Kleidungsschichten statt einer dicken. Mütze und Wollsocken tragen. Warme Getränke auf dem Campingkocher zubereiten.

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Was in Mietwohnungen NICHT funktioniert

Holzofen: Braucht Kaminanschluss und Genehmigung des Vermieters plus Schornsteinfeger-Abnahme. In Mietwohnungen fast nie möglich. Generator: Erzeugt tödliche Abgase (CO), darf niemals in geschlossenen Räumen oder auf dem Balkon betrieben werden. Lärm (65 bis 80 dB) verletzt die Hausordnung. Offenes Feuer: Grillkohle oder Lagerfeuer im Wohnzimmer verursacht CO-Vergiftung. Jedes Jahr sterben in Deutschland Menschen daran.

6. Kochen ohne Strom: Balkon, Fenster, Sicherheit

Induktionsherd, Elektroherd, Mikrowelle: Ohne Strom ist die gesamte Küche tot. Für Mietwohnungen bleiben zwei Optionen: Campingkocher oder kalte Küche.

Campingkocher: Die Regeln für die Wohnung

Wo kochen?

Am besten auf dem Balkon. Wenn kein Balkon vorhanden: am weit geöffneten Fenster, Kocher auf dem Fensterbrett oder einem Tisch direkt davor. Nie bei geschlossenen Fenstern. Gaskocher verbrauchen Sauerstoff und erzeugen CO.

Welcher Kocher?

Kleine Gaskocher mit Schraubkartuschen (z.B. MSR PocketRocket, ab 35 €) sind sicherer als Modelle mit Stechkartuschen oder großen Propanflaschen. Kompakt, leicht (73 g), 1 Kartusche (230 g) kocht ca. 10 Liter Wasser. Für 10 Tage: 3 bis 4 Kartuschen, kosten zusammen ca. 15 €.

Gaskartuschen lagern

Kühl und trocken, fern von Heizkörpern und direkter Sonne. Nicht im Auto lassen (Sommerhitze!). Viele Hausordnungen verbieten die Lagerung "feuergefährlicher Stoffe" in größeren Mengen. 3 bis 4 kleine Schraubkartuschen sind in der Praxis unproblematisch.

Kalte Küche: Was geht ohne Kochen?

Nicht alles muss warm sein. Ein großer Teil des Notvorrats ist sofort essbar: Konserven (Ravioli, Eintöpfe, Würstchen direkt aus der Dose), Brot und Knäckebrot, Müsli mit H-Milch, Obst aus dem Glas, Nüsse, Trockenobst, Honigbrot. An den ersten 2 bis 3 Tagen können Sie so komplett ohne Kocher auskommen.

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Kompaktester Kocher für die Wohnung

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7. Notstrom: Powerstation statt Generator

Für Mietwohnungen gibt es exakt eine sinnvolle Notstrom-Lösung: eine Powerstation. Kein Generator (Abgase, Lärm, Hausordnung). Kein Balkonkraftwerk mit Speicher (teuer, aufwendig, Vermieter-Genehmigung). Eine Powerstation ist leise, indoor-tauglich, wartungsfrei und passt in jeden Schrank.

Strombedarf: 2-Personen-Haushalt, 2 Tage

LED-Beleuchtung (3 Lampen, 6h/Tag)180 Wh
2x Smartphone laden60 Wh
WLAN-Router (24h)720 Wh
Laptop (2h/Tag)240 Wh
DAB-Radio (4h/Tag)40 Wh
Gesamt (2 Tage)1.240 Wh
+ 15 % Wandlungsverlust~1.425 Wh

Ohne Router (im Blackout fällt er sowieso aus): ~705 Wh. Die Anker SOLIX C800 (768 Wh, 449 €) reicht. Mit Router: EcoFlow DELTA 2 (1.024 Wh, 699 €).

Meine Empfehlung für Mieter: Die Anker SOLIX C800 Plus. Sie ist der kompakteste LiFePO4-Einstieg am Markt (11,8 kg), kostet ab 449 € und versorgt Licht, Handy und Radio für 2 bis 3 Tage. Sie brauchen keinen Kühlschrank an der Powerstation: Bei Stromausfall essen Sie zuerst den Kühlschrank leer, dann das Gefrierfach, dann den Trockenvorrat. Die Powerstation ist für Kommunikation und Licht da, nicht für Luxusstrom.

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449 € — kein anderes LiFePO4-Gerät kostet weniger. Keine Kompromisse bei der Sicherheit.
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1.200 W Dauer, 1.600 W Spitze — betreibt Kühlschrank, Laptop und Licht gleichzeitig.
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Nur 11,8 kg — leichteste Powerstation in dieser Kapazitätsklasse. Auto-tauglich.
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USB-C 140 W und Solar bis 300 W. Für 1-2 Personen die ideale Notfall-Lösung.
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Alle Modelle im Detail finden Sie in unserem Powerstation-Test 2026.

8. Brandschutz: Kerzen, Gas, Petroleumofen

Bei Stromausfall greifen viele zu Kerzen, Teelichtern und Gasbrennern. In einer Wohnung mit Vorhängen, Teppichen und Kindern steigt das Brandrisiko massiv. Die Feuerwehr verzeichnet während großflächiger Stromausfälle regelmäßig einen Anstieg der Brandeinsätze.

Brandschutz-Regeln für die Krisenwohnung

Kerzen und Teelichter

  • Stabile Kerzenhalter auf feuerfester Unterlage
  • Mindestens 50 cm Abstand zu Vorhängen
  • Nie unbeaufsichtigt lassen, nie im Schlaf brennen lassen
  • Besser: LED-Kerzen (batteriebetrieben) nutzen

CO-Warnmelder (Pflicht!)

  • Ab 20 €, Batteriebetrieb (10-Jahres-Batterie)
  • Pflicht bei Einsatz von Gaskocher, Petroleumofen
  • Installation: in Schlafnähe, auf Kopfhöhe
  • Alarm bei 50 ppm CO: sofort Fenster auf, Raum verlassen

Rauchmelder prüfen

  • In allen Bundesländern Pflicht (Schlafzimmer, Kinderzimmer, Flur)
  • Testknopf monatlich drücken
  • Batterie jährlich wechseln (oder 10-Jahres-Modell)
  • Im Krisenfall besonders wichtig: alternative Lichtquellen erhöhen Brandrisiko

Feuerlöscher bereithalten

  • ABC-Pulverlöscher 6 kg (ab 25 €) oder Schaum-Löscher
  • Im Flur aufhängen, leicht zugänglich
  • Alle 2 Jahre prüfen lassen (Wartungsplakette)
  • Löschdecke (ab 10 €) für die Küche

9. Nachbarn: Das Mehrfamilienhaus als Vorteil

Ein Einfamilienhaus auf dem Land hat im Krisenfall einen Nachteil, über den niemand redet: Isolation. Ihr nächster Nachbar ist 200 Meter entfernt. In einem Mehrfamilienhaus leben 10, 20, manchmal 50 Haushalte Tür an Tür. Das ist ein enormer Vorteil, wenn Sie ihn nutzen.

Was eine Hausgemeinschaft leisten kann

  • Geteilte Ressourcen: Ein Nachbar hat den Campingkocher, ein anderer die Powerstation, der dritte den Erste-Hilfe-Kasten. In der Krise teilen Sie. Vorher kurz absprechen, wer was hat.
  • Sicherheit: Alleinlebende sind verwundbarer. Im Mehrfamilienhaus schaut jemand nach Ihnen. Vereinbaren Sie ein Klopfzeichen oder eine Gardinen-Regel (morgens Gardine auf = alles OK).
  • Informationsaustausch: Einer hat noch Mobilfunkempfang, einer hört Radio, einer hat einen Freund bei der Feuerwehr. In der Gruppe kommen Informationen schneller an.
  • Psychische Stabilität: Isolation verstärkt Angst. Gemeinschaft gibt Sicherheit. Besonders für alleinlebende Menschen oder Familien mit ängstlichen Kindern ist der Kontakt zu Nachbarn in der Krise Gold wert.

Starten Sie mit einem einfachen Gespräch

Sie müssen keine Prepper-Gruppe gründen. Ein Satz reicht: "Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, was wir im Haus tun, wenn mal der Strom länger ausfällt?" Die meisten Nachbarn finden das Thema relevant, trauen sich nur nicht, es anzusprechen. Seien Sie die Person, die anfängt.

10. Balkon nutzen: Kochen, Kühlen, Anbauen

Ihr Balkon ist im Krisenfall die wertvollste Fläche der Wohnung. Hier können Sie kochen (Campingkocher, sicher im Freien), im Winter kühlen (Lebensmittel bei Frost nach draußen stellen) und im Sommer Gemüse anbauen.

Kochen auf dem Balkon

Das BBK empfiehlt ausdrücklich, Campingkocher im Freien zu benutzen. Ihr Balkon ist der ideale Ort: überdacht (bei den meisten Wohnungen), windgeschützt, kein CO-Risiko. Stellen Sie den Kocher auf eine feuerfeste Unterlage (Alufolie oder Backblech). Nicht direkt neben der Hauswand oder unter dem Balkondach der Nachbarn.

Kühlen im Winter

Bei Stromausfall im Winter: Kühl- und Gefriergut auf den Balkon stellen. Bei Temperaturen unter 4 °C ist Ihr Balkon ein natürlicher Kühlschrank. Lebensmittel in verschlossenen Behältern lagern (Vögel und Regen). Fleisch und Milchprodukte bei Minusgraden gefrieren lassen. Kostet nichts, funktioniert zuverlässig.

Gemüse auf dem Balkon

Ein Balkon kann keine Familie ernähren. Aber er liefert frische Vitamine und Kräuter, die im 10-Tage-Konservenvorrat fehlen. Was auf jedem Balkon wächst:

Schnell (4 bis 6 Wochen)

  • Radieschen
  • Pflücksalat
  • Kresse
  • Rucola

Mittel (8 bis 12 Wochen)

  • Tomaten (Busch-Sorten)
  • Bohnen
  • Spinat
  • Zucchini

Kräuter (ganzjährig)

  • Basilikum
  • Petersilie
  • Schnittlauch
  • Rosmarin

Tipp: Verwenden Sie samenfeste Sorten (nicht F1-Hybriden). So können Sie aus den Früchten Saatgut für die nächste Saison gewinnen. Samenfeste Saatgut-Sets gibt es ab 15 €.

11. Komplett-Checkliste für Mieter

Alles, was Sie in der Mietwohnung brauchen. Priorisiert nach Dringlichkeit. Starten Sie oben, arbeiten Sie sich nach unten.

Woche 1: Wasser und Licht

  • Wasserkanister kaufen und befüllen (20 L/Person)
  • Taschenlampe + Batterien (LED, pro Zimmer eine)
  • WaterBOB bestellen (Sofort-Reserve für Krisenmeldung)
  • CO-Warnmelder installieren

Budget: ca. 50 bis 80 €

Woche 2: Nahrung und Kochen

  • Lebensmittelvorrat aufbauen (lebender Vorrat, FIFO)
  • Campingkocher + 3 Gaskartuschen kaufen
  • Konserven mit Ringverschluss bevorzugen
  • Dosenöffner als Backup bereithalten

Budget: ca. 60 bis 100 €

Monat 1: Sicherheit und Kommunikation

  • Erste-Hilfe-Set zusammenstellen
  • Dokumentenmappe anlegen
  • Kurbelradio kaufen
  • Nachbarn ansprechen (Krisenplan im Haus)

Budget: ca. 40 bis 70 €

Monat 2: Notstrom und Heizung

  • Powerstation kaufen (oder Powerbank als Einstieg)
  • Winterschlafsack oder Extra-Decken besorgen
  • Optional: Petroleumofen + 10 L Petroleum
  • Probelauf: einen Abend ohne Strom testen

Budget: ca. 100 bis 550 €

Gesamtkosten (2-Personen-Haushalt): Basisvorsorge 150 bis 250 €. Mit Powerstation 600 bis 700 €. Mit Petroleumofen 750 bis 900 €. Schrittweise aufbauen, kein Stress.

12. Häufig gestellte Fragen

Wie lagere ich Notvorrat in einer kleinen Wohnung?
Nutzen Sie tote Flächen: unter dem Bett (flache Boxen mit Konserven), auf Schränken (Wasserflaschen), im Kellerabteil (Schwerlastregale). Das BBK-Prinzip 'lebender Vorrat' funktioniert besonders gut in kleinen Wohnungen: kaufen Sie was Sie ohnehin essen, in doppelter Menge. So brauchen Sie keinen extra Lagerplatz, weil der Vorrat Teil Ihres normalen Küchenschranks ist.
Darf ich einen Petroleumofen in der Mietwohnung benutzen?
Grundsätzlich ja, moderne Petroleumöfen (z.B. Zibro/Toyotomi) sind für den Innenraum konzipiert. Wichtig: CO-Warnmelder ist Pflicht (ab 20 Euro). Alle 2 Stunden 5 Minuten lüften. Nie unbeaufsichtigt oder im Schlafzimmer betreiben. Petroleum-Lagerung: maximal 20 Liter in der Wohnung, gemäß GefStoffV. Prüfen Sie Ihre Hausordnung, manche Vermieter verbieten offene Flammen oder feuergefährliche Stoffe pauschal.
Wie viel Wasser kann ich in einer Wohnung lagern?
Das BBK empfiehlt 20 Liter pro Person für 10 Tage (2 Liter pro Tag). Für einen 2-Personen-Haushalt sind das 40 Liter, also acht 5-Liter-Flaschen oder vier 10-Liter-Kanister. Passen problemlos in einen Küchenschrank oder unter das Bett. Zusätzlich: bei Krisenmeldung sofort die Badewanne füllen, das ergibt 150 bis 200 Liter Brauchwasser für Hygiene und Toilettenspülung.
Wie heize ich eine Wohnung ohne Strom?
Die meisten Heizungen (Gas, Öl, Wärmepumpe, Fernwärme) brauchen Strom für Pumpen und Steuerung. Ohne Strom fallen sie aus. Optionen in der Mietwohnung: Petroleumofen (kein Kamin nötig, CO-Melder Pflicht), Ethanol-Kamin (begrenzte Heizleistung), oder das Ein-Raum-Prinzip (einen Raum mit Decken, Schlafsäcken und Körperwärme warmhalten). Ein Holzofen oder Generator ist in Mietwohnungen nicht möglich.
Wo kann ich in der Wohnung einen Campingkocher benutzen?
Das BBK empfiehlt, Campingkocher auf dem Balkon zu benutzen, nicht in der geschlossenen Küche. Gaskocher erzeugen CO und verbrauchen Sauerstoff. Wenn kein Balkon vorhanden: am offenen Fenster kochen und unbedingt einen CO-Warnmelder verwenden. Kleine Gaskartuschen (z.B. MSR PocketRocket) sind sicherer als große Propanflaschen. Lagerung von Gaskartuschen: kühl, trocken, nicht in der Sonne.
Brauche ich als Mieter eine Powerstation?
Eine Powerstation ist die einzige Notstrom-Lösung für Mietwohnungen. Ein Generator ist wegen Abgasen und Lärm unmöglich, ein Balkonkraftwerk mit Speicher ist teuer und aufwendig. Eine Powerstation mit 768 Wh (ab 449 Euro, z.B. Anker SOLIX C800) reicht für Licht, Smartphone, Radio und Router für 2 Tage. Indoor nutzbar, geräuschlos, wartungsfrei.
Kann ich auf dem Balkon Gemüse für den Notfall anbauen?
Ja, aber mit realistischen Erwartungen. Ein Balkon kann keine Familie ernähren, aber frische Vitamine und Kräuter liefern. Besonders geeignet: Kräuter (Basilikum, Petersilie, Schnittlauch), schnell wachsendes Gemüse (Radieschen in 4 Wochen, Pflücksalat in 6 Wochen), Tomaten in Kübeln. Wichtig: samenfeste Sorten verwenden, damit Sie Saatgut für die nächste Saison gewinnen können.

Quellen & weiterführende Links

Weiterlesen: Krisenvorsorge für jeden Bereich

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