Kommunikation beim Blackout: Was noch funktioniert
Stellen Sie sich vor: Es ist 22 Uhr, der Strom fällt plötzlich aus. Kein Licht, kein Internet, der Handy-Akku zeigt 40%. Sie tippen eine Nachricht an die Familie — kein Empfang. Alle gleichzeitig versuchen zu telefonieren, das Mobilfunknetz bricht unter der Last zusammen. Was jetzt?
Das ist kein Horrorszenario — das ist das Muster jeder größeren regionalen Krise der letzten Jahre. Ahrtal 2021: Mobilfunk tagelang weg. Texas-Blackout 2021: Kommunikation zusammengebrochen. Ukraine-Städte nach Beschuss: Diesel-Generatoren retteten lokale Basisstationen, aber nur temporär.
Warum Mobilfunk im Krisenfall versagt
Das Mobilfunknetz ist nicht für Katastrophen ausgelegt. Es ist für normalen Alltags-Traffic dimensioniert. Im Krisenfall passieren gleichzeitig drei Dinge:
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Netzüberlastung: Wenn 1 Million Menschen gleichzeitig anrufen, bricht das Netz zusammen. Gespräche kommen nicht durch, SMS wird verzögert.
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Notstrom-Endlichkeit: Mobilfunkmasten haben Diesel-Notstromaggregate — aber nur für 4–8 Stunden. Danach: Stille.
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Physische Schäden: Bei Naturkatastrophen können Masten physisch zerstört werden, Glasfaser-Verbindungen durchtrennt werden.
Das Ergebnis: Genau in dem Moment, wo Kommunikation am wichtigsten ist, versagt sie.
Was tatsächlich noch funktioniert
UKW/DAB+ Radio — der zuverlässigste Kanal
Rundfunksender sind kritische Infrastruktur. Sie haben eigene Notstrom-Aggregate mit Treibstoff für 72 Stunden und mehr. ARD, ZDF und die Landesrundfunkanstalten sind verpflichtet, bei Katastrophen zu senden.
Das Radio ist damit der zuverlässigste Weg, offizielle Informationen zu bekommen: Ist die Krise lokal oder regional? Was empfehlen die Behörden? Wo gibt es Notversorgungspunkte?
Was Sie brauchen: Ein Kurbelradio oder Batterie-Radio. Normal-Radios brauchen Strom aus der Steckdose — nutzlos. Ein Kurbelradio mit Solarpanel (z.B. Eton FRX5-BT, Sangean MMR-99) funktioniert unbegrenzt.
Empfehlungen auf unserer Kurbelradio-Seite.
Analoger Funk (CB-Funk, PMR-Funk)
CB-Funk und PMR-Handsprechfunkgeräte (Walkie-Talkies) funktionieren vollständig ohne Infrastruktur — sie senden und empfangen direkt. Reichweite in der Stadt: 1–5 km. Auf freiem Gelände: bis 10 km.
PMR-Geräte (446 MHz) sind in Deutschland ohne Lizenz erlaubt, kosten 20–60 Euro pro Paar und halten mit AA-Batterien 20–40 Stunden. Für die Kommunikation mit Nachbarn oder über kurze Distanzen sehr praktisch.
SMS statt Anrufe
Wenn das Mobilfunknetz überlastet ist, kommen Anrufe oft nicht durch — aber SMS werden in die Warteschlange gestellt und dann zugestellt, wenn Kapazität frei ist. Im Krisenfall: SMS schreiben statt anrufen. Kurz, präzise, alle auf Stand.
Satellitenkommunikation
Für ernsthafte Krisenvorsorge oder ländliche Lagen: Garmin inReach Mini 2 (380 Euro + 15 Euro/Monat) sendet SMS über das Iridium-Satellitennetz — vollständig unabhängig von terrestrischer Infrastruktur.
Starlink als Breitbandlösung: funktioniert bei regionalem Blackout, wenn Starlinks Bodenstationen nicht betroffen sind. Details: Satellitentelefon-Seite.
Der analoge Notfallplan: Was Sie jetzt festlegen sollten
Alle technischen Geräte helfen nichts, wenn der Plan fehlt. Was jetzt, nicht im Krisenfall, festlegen:
Treffpunkt: Wo treffen wir uns, wenn Handys nicht funktionieren? Einen Ort nahe der Schule, einen nahe dem Wohnort.
Notfallkontakt außerhalb: Eine Person außerhalb der Krisenregion als zentralen Kontaktpunkt benennen. Familie A ruft Tante in München an, Familie B auch — so weiß die Tante, wo alle sind.
Telefonnummern auf Papier: Nicht nur im Handy. Wenn das Handy leer ist oder zerstört wird — was dann? Eine laminierte Karte mit 10 wichtigen Nummern im Portemonnaie kostet nichts und kann alles bedeuten.
Check-in-Zeit: Vereinbaren Sie eine tägliche Check-in-Zeit — z.B. 20 Uhr. Wer kann, meldet sich zu diesem Zeitpunkt.
Geräte-Checkliste für Kommunikation im Krisenfall
- ✓ Kurbelradio (Kurbel + Solar + Batterie)
- ✓ PMR-Walkie-Talkies für Familie/Nachbarschaft
- ✓ Powerbank für Handy-Notladung
- ✓ Telefonnummern auf Papier
- ✓ Papier und Stift (für Nachrichten am Treffpunkt hinterlassen)
Optional:
- Garmin inReach für SOS und Text-Kommunikation
- Starlink Mini für ländliche Lagen
Die Kommunikations-Übersicht: Kommunikation ohne Strom