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Vorsorge-Tipps02. April 2026·11 Min. Lesezeit· Aktualisiert:

Kommunikation Blackout 2026 — Was funktioniert?

Blackout Kommunikation: Was funktioniert ohne Strom & Internet? Kurbelradio, Satellitentelefon, CB-Funk im Überblick. Jetzt lesen.

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Krisenfall-Redaktion

Krisenfall.eu Redaktion

Kommunikation beim Blackout: Was noch funktioniert

Stellen Sie sich vor: Es ist 22 Uhr, der Strom fällt plötzlich aus. Kein Licht, kein Internet, der Handy-Akku zeigt 40%. Sie tippen eine Nachricht an die Familie — kein Empfang. Alle gleichzeitig versuchen zu telefonieren, das Mobilfunknetz bricht unter der Last zusammen. Was jetzt?

Das ist kein Horrorszenario — das ist das Muster jeder größeren regionalen Krise der letzten Jahre. Ahrtal 2021: Mobilfunk tagelang weg. Texas-Blackout 2021: Kommunikation zusammengebrochen. Ukraine-Städte nach Beschuss: Diesel-Generatoren retteten lokale Basisstationen, aber nur temporär.

Warum Mobilfunk im Krisenfall versagt

Das Mobilfunknetz ist nicht für Katastrophen ausgelegt. Es ist für normalen Alltags-Traffic dimensioniert. Im Krisenfall passieren gleichzeitig drei Dinge:

  1. Netzüberlastung: Wenn 1 Million Menschen gleichzeitig anrufen, bricht das Netz zusammen. Gespräche kommen nicht durch, SMS wird verzögert.

  2. Notstrom-Endlichkeit: Mobilfunkmasten haben Diesel-Notstromaggregate — aber nur für 4–8 Stunden. Danach: Stille.

  3. Physische Schäden: Bei Naturkatastrophen können Masten physisch zerstört werden, Glasfaser-Verbindungen durchtrennt werden.

Das Ergebnis: Genau in dem Moment, wo Kommunikation am wichtigsten ist, versagt sie.

Was tatsächlich noch funktioniert

UKW/DAB+ Radio — der zuverlässigste Kanal

Rundfunksender sind kritische Infrastruktur. Sie haben eigene Notstrom-Aggregate mit Treibstoff für 72 Stunden und mehr. ARD, ZDF und die Landesrundfunkanstalten sind verpflichtet, bei Katastrophen zu senden.

Das Radio ist damit der zuverlässigste Weg, offizielle Informationen zu bekommen: Ist die Krise lokal oder regional? Was empfehlen die Behörden? Wo gibt es Notversorgungspunkte?

Was Sie brauchen: Ein Kurbelradio oder Batterie-Radio. Normal-Radios brauchen Strom aus der Steckdose — nutzlos. Ein Kurbelradio mit Solarpanel (z.B. Eton FRX5-BT, Sangean MMR-99) funktioniert unbegrenzt.

Empfehlungen auf unserer Kurbelradio-Seite.

Analoger Funk (CB-Funk, PMR-Funk)

CB-Funk und PMR-Handsprechfunkgeräte (Walkie-Talkies) funktionieren vollständig ohne Infrastruktur — sie senden und empfangen direkt. Reichweite in der Stadt: 1–5 km. Auf freiem Gelände: bis 10 km.

PMR-Geräte (446 MHz) sind in Deutschland ohne Lizenz erlaubt, kosten 20–60 Euro pro Paar und halten mit AA-Batterien 20–40 Stunden. Für die Kommunikation mit Nachbarn oder über kurze Distanzen sehr praktisch.

SMS statt Anrufe

Wenn das Mobilfunknetz überlastet ist, kommen Anrufe oft nicht durch — aber SMS werden in die Warteschlange gestellt und dann zugestellt, wenn Kapazität frei ist. Im Krisenfall: SMS schreiben statt anrufen. Kurz, präzise, alle auf Stand.

Satellitenkommunikation

Für ernsthafte Krisenvorsorge oder ländliche Lagen: Garmin inReach Mini 2 (380 Euro + 15 Euro/Monat) sendet SMS über das Iridium-Satellitennetz — vollständig unabhängig von terrestrischer Infrastruktur.

Starlink als Breitbandlösung: funktioniert bei regionalem Blackout, wenn Starlinks Bodenstationen nicht betroffen sind. Details: Satellitentelefon-Seite.

Der analoge Notfallplan: Was Sie jetzt festlegen sollten

Alle technischen Geräte helfen nichts, wenn der Plan fehlt. Was jetzt, nicht im Krisenfall, festlegen:

Treffpunkt: Wo treffen wir uns, wenn Handys nicht funktionieren? Einen Ort nahe der Schule, einen nahe dem Wohnort.

Notfallkontakt außerhalb: Eine Person außerhalb der Krisenregion als zentralen Kontaktpunkt benennen. Familie A ruft Tante in München an, Familie B auch — so weiß die Tante, wo alle sind.

Telefonnummern auf Papier: Nicht nur im Handy. Wenn das Handy leer ist oder zerstört wird — was dann? Eine laminierte Karte mit 10 wichtigen Nummern im Portemonnaie kostet nichts und kann alles bedeuten.

Check-in-Zeit: Vereinbaren Sie eine tägliche Check-in-Zeit — z.B. 20 Uhr. Wer kann, meldet sich zu diesem Zeitpunkt.

Geräte-Checkliste für Kommunikation im Krisenfall

  • ✓ Kurbelradio (Kurbel + Solar + Batterie)
  • ✓ PMR-Walkie-Talkies für Familie/Nachbarschaft
  • ✓ Powerbank für Handy-Notladung
  • ✓ Telefonnummern auf Papier
  • ✓ Papier und Stift (für Nachrichten am Treffpunkt hinterlassen)

Optional:

  • Garmin inReach für SOS und Text-Kommunikation
  • Starlink Mini für ländliche Lagen

Funkfrequenzen und Kanäle: Was Sie wissen sollten

PMR, CB, Amateurfunk — die Kanalvielfalt wirkt zunächst verwirrend, ist aber mit Grundwissen schnell beherrschbar.

PMR446 (Private Mobile Radio): 8 Kanäle im 446 MHz-Band. In Deutschland und EU-weit ohne Anmeldung nutzbar. Ideal für Familie, Nachbarschaft, Outdoor-Aktivitäten. Im Krisenfall empfohlen: Kanal 1 als "Notfall-Kanal", Kanal 5 für Familie, restliche als Reserve. Viele Geräte haben zusätzlich CTCSS-Codes (bis 38) — setzen Sie mit Ihrer Gruppe einen gemeinsamen Code, um fremde Nutzer auszufiltern.

CB-Funk (Citizen Band): 80 Kanäle im 27 MHz-Band, in Deutschland anmelde- und gebührenfrei. Größere Reichweite als PMR (3–10 km urban, 15–30 km ländlich), aber sperrigere Geräte. Kanal 9 ist der Notruf-Kanal, Kanal 19 der Trucker-Kanal (oft besetzt, guter Verkehrsinformationskanal). Für stationäre Nutzung zuhause oder im Auto eine sehr robuste Option.

Freenet (149 MHz): 6 Kanäle, ebenfalls lizenzfrei. Reichweite wie PMR. Deutlich weniger Nutzer als PMR — bessere Verfügbarkeit in der Krise.

SRD (863 MHz): 69 Kanäle, lizenzfrei. Typisch für semi-professionelle Anwendung.

Amateurfunk: Höchste Reichweite (weltweit über Kurzwelle), aber Lizenz nötig (Klasse E oder A). Wer ernsthaft für Krisen vorsorgen will, sollte den Lizenzkurs in Betracht ziehen — Kosten 150–300 Euro, Dauer 3–6 Monate. Amateurfunker sind im Ernstfall oft die einzige überregionale Kommunikationsmöglichkeit und haben eigene Notfunk-Netze.

Stromversorgung für Kommunikationsgeräte

Ein Kommunikationsgerät ohne Stromversorgung ist nutzlos. Die typischen Lösungen im Vergleich:

AA/AAA-Batterien: Zuverlässig, langlebig bei guter Lagerung (5–10 Jahre). Nachteil: Einmalnutzung, Entsorgungsproblem, variable Qualität. Empfehlung: Lithium-AA-Batterien halten 10+ Jahre und funktionieren auch bei Kälte.

Wiederaufladbare AA/AAA (NiMH): 500–1000 Zyklen pro Zelle, 2–3 Euro pro Zelle. Brauchen aber ein Ladegerät — das wiederum Strom braucht. Gute Kombination mit Solar-Ladegerät oder Powerstation.

Eingebaute Akkus (Li-Ion): In Handys, Kurbelradios, PMR-Geräten Standard. Nachteil: nach 2–5 Jahren Kapazität halbiert, nach 10 Jahren oft defekt. Für Krisenvorsorge problematisch, weil Geräte im Keller altern, ohne benutzt zu werden.

Kurbel + Solar + Batterie-Kombination: Gerät mit allen drei Optionen (z.B. Eton FRX5 oder Sangean MMR-99) ist die sicherste Wahl. Fällt eine Stromquelle aus, greifen die anderen. 80–120 Euro gut investiert.

Powerstation 500–1000 Wh: Lädt Handy 30–50 Mal, PMR-Geräte 100+ Mal. Wer eine Powerstation hat, hat damit auch ein Kommunikations-Backup. Details: Powerstation-Guide.

Reichweite realistisch einschätzen

Herstellerangaben zur Funk-Reichweite sind meist unter Idealbedingungen (Berg zu Berg, freie Sicht). In der Realität sind Reichweiten deutlich geringer.

In der Stadt: Gebäude, Beton und Stahl dämpfen Funkwellen stark. PMR in der Innenstadt: realistisch 500m–2 km. CB: 1–3 km.

Im Vorort/Gewerbegebiet: Etwas bessere Bedingungen durch mehr Freifläche. PMR: 2–5 km. CB: 3–8 km.

Auf dem Land: Deutlich bessere Werte. PMR: 3–8 km. CB: 5–15 km.

Tipps für bessere Reichweite: Höherer Sendeort (oberer Stock, Dach), freie Antenne (keine Hand davor), bessere Antenne nachrüsten (wo erlaubt). Mit hoch montierten Antennen kann CB-Reichweite auf 20–40 km steigen.

Vorbereitung einer Familien-Kommunikationsstrategie

Eine durchdachte Strategie für die Familie ist wichtiger als teure Technik. Ein praxistaugliches Modell:

Primärkanal: WhatsApp, SMS oder normales Telefon — solange Mobilfunk funktioniert.

Sekundärkanal: Signal oder Threema (Ende-zu-Ende verschlüsselt, funktionieren auch im WLAN). Sinnvoll bei Überlastung normaler Dienste.

Tertiärkanal: PMR-Funk mit festgelegtem Kanal (z.B. Kanal 5 + CTCSS-Code 12) in Reichweite. Bei mehreren Haushalten verteilt.

Quartärkanal: Physischer Treffpunkt, festgelegt und allen bekannt. Bei längerem Ausfall: täglich um 19 Uhr anwesend sein oder Nachricht hinterlassen.

Info-Kanal: Radio (UKW + DAB+) für öffentliche Informationen.

Diese 5-stufige Strategie funktioniert in fast jeder denkbaren Krisenlage. Wichtig: Alle Familienmitglieder müssen den Plan kennen und regelmäßig üben — zweimal pro Jahr Probealarm, damit alle wissen, was zu tun ist.

Was in der Praxis wirklich zählt

Was wir beim eigenen Testen gemerkt haben: Wer technisch gut ausgestattet ist, aber keinen geübten Plan hat, scheitert schneller als jemand mit einfachem Equipment plus klaren Absprachen. Der wichtigste Schritt ist daher nicht der Kauf eines Satellitentelefons, sondern eine halbe Stunde Familiengespräch mit festem Plan — und dessen zweimal-jährliche Wiederholung.

Häufige Fragen zur Krisenkommunikation

Brauche ich ein Satellitentelefon oder reicht ein PMR-Gerät?

Für städtische Haushalte mit Nachbarschaftsnetzwerk reicht PMR meist aus. Wer in ländlichen Gebieten wohnt, regelmäßig Outdoor unterwegs ist, oder Verantwortung für eine größere Gruppe trägt, profitiert deutlich von Satellitenkommunikation. Zwischen Garmin inReach (380 € + 15 €/Monat) und Vollsatellitentelefon (bis 2000 €) liegt ein großer Preisbereich — das inReach reicht für die meisten Szenarien.

Kann ich mein altes Festnetz-Telefon im Blackout noch nutzen?

Analoge Festnetze funktionieren vollständig stromunabhängig, aber sie sind in Deutschland inzwischen fast komplett abgeschaltet. Heute ist "Festnetz" meist IP-basiert und geht über die DSL-Box — die Strom braucht. Wer seine Box mit einer USV ausstattet (50–100 Euro), bekommt 2–6 Stunden Notbetrieb. Bei größeren Ausfällen nutzt das aber nichts, weil auch die Vermittlungsstellen abschalten.

Wie viele Akkus sollte ich für das Handy bereithalten?

Ein modernes Smartphone braucht 10–15 Wh pro vollständige Ladung. Eine 10.000 mAh Powerbank hat etwa 37 Wh — reicht für 2–3 Ladungen. Für eine Woche Blackout empfiehlt sich eine 20.000 mAh Powerbank plus kleines Solarpanel. Alternative: Powerstation 500 Wh lädt das Handy 30–40 Mal.

Sind Mesh-Netzwerke (goTenna, Meshtastic) eine Alternative?

Für spezialisierte Anwender ja — Meshtastic-Geräte (50–100 Euro) bilden lokale Mesh-Netze mit 1–5 km Reichweite und können über Hops deutlich weiter reichen, wenn genug Teilnehmer in der Gegend sind. Nachteil: Nutzung ist nur sinnvoll, wenn auch Nachbarn teilnehmen. In urbanen Tech-Communities funktioniert das gut, auf dem Land meist nicht.

Welche Apps sollte ich auf dem Handy haben?

NINA und KATWARN für offizielle Warnungen, Offline-Karten (z.B. Maps.me oder Organic Maps), ein Notruf-Widget für Schnellzugriff auf 112, Signal oder Threema für sichere Nachrichten. Details zu Warn-Apps in unserem NINA-Guide.

Weiterführende Ressourcen

Die Kommunikations-Übersicht: Kommunikation ohne Strom | Kurbelradio-Test | Satellitentelefon | Blackout-Checkliste

Ausrüstungs-Setup für verschiedene Szenarien

Die Krisenkommunikations-Ausrüstung sollte dem tatsächlichen Risikoprofil des Haushalts entsprechen. Für einen Standard-Haushalt in urbaner Lage reicht ein Drei-Ebenen-Setup: Erstens ein batteriebetriebenes DAB+/UKW-Radio mit Handkurbel und Solarpanel (40 bis 80 Euro) als passive Informationsquelle. Zweitens zwei PMR446-Funkgeräte (60 bis 100 Euro pro Paar) für die Kommunikation innerhalb der Familie im Zwei-Kilometer-Radius. Drittens zwei vollständig geladene 20.000-mAh-Powerbanks (40 bis 60 Euro pro Stück) für das Smartphone. Das komplette Setup kostet 250 bis 400 Euro und reicht für 72-Stunden-Szenarien.

Für ländliche Haushalte oder bei erweiterter Krisenvorsorge kommt eine Vier-Ebenen-Lösung in Betracht. Zusätzlich zum Standard-Setup gehört dazu ein CB-Funkgerät mit 40 Kanälen (100 bis 180 Euro) für den erweiterten Radius bis fünf Kilometer sowie ein Amateurfunk-Tragbar-Gerät wie das Baofeng UV-5R (30 bis 80 Euro) mit gültiger Amateurfunklizenz. Die Amateurfunk-Prüfung kostet 30 bis 60 Euro und ist in wenigen Wochen zu schaffen. Der Radius von Amateurfunkgeräten reicht bei guten Bedingungen über 20 Kilometer und ermöglicht Kontakt zu regionalen Notfallnetzwerken.

Für Hochrisikoregionen oder besondere Vulnerabilität (ältere Menschen ohne Familie, chronisch Kranke, Alleinlebende) lohnt sich eine Fünf-Ebenen-Lösung mit Satellitentelefon-Miete oder -Kauf. Ein Iridium- oder Thuraya-Satellitentelefon kostet bei Kauf 800 bis 1.500 Euro, die Prepaid-SIM mit 30 Monaten Gültigkeit weitere 300 bis 500 Euro. Die Gesprächsgebühren liegen bei ein bis zwei Euro pro Minute. Für wöchentliche Test-Anrufe und Notfall-Gespräche reichen meist 30 Minuten pro Monat. Das Satellitentelefon ist die einzige Technologie, die bei komplettem Zusammenbruch aller terrestrischen Infrastruktur zuverlässig funktioniert.

Informationsbeschaffung jenseits von Apps

Die Smartphone-zentrierte Informationsbeschaffung der letzten Jahre hat eine verletzliche Abhängigkeit geschaffen. Im Blackout sind alle News-Apps, Social-Media-Kanäle und Streaming-Dienste blind. Die Alternative ist der gute alte Rundfunk. Deutschland verfügt über ein dichtes Netz von Rundfunksendern, die im Krisenfall auf Notfall-Sendebetrieb umschalten. Der Deutschlandfunk, die regionalen Programme der ARD und der Deutschlandsender bieten stündliche Nachrichten mit offiziellen Warnungen.

DAB+-Empfang ist auch bei schwacher Signallage oft stabiler als UKW. Moderne Notfallradios können beide Bänder, verbrauchen aber bei DAB+ deutlich mehr Strom. Für stromsparenden Dauerbetrieb ist UKW die bessere Wahl, für rauschfreien Empfang in kritischen Situationen DAB+. Ein voll geladenes Notfallradio mit Handkurbel läuft 20 bis 40 Stunden am Stück. Eine Stunde Handkurbeln entspricht etwa 30 Minuten Empfangszeit — im Dauerbetrieb anstrengend, im Notfall akzeptabel.

Ein oft vergessener Punkt ist die Sprachverständlichkeit bei Stress. Radio-Nachrichten sind inhaltsdicht und erfordern Konzentration. In Stresssituationen gehen Informationen verloren, wenn sie nur einmal gehört werden. Die Empfehlung: Stift und Notizbuch neben das Radio legen, wichtige Informationen sofort notieren. Die nächsten Durchsagen (meist alle 15 oder 30 Minuten) ermöglichen dann das Abgleichen und Vervollständigen. Diese analoge Technik war in der Vor-Internet-Zeit selbstverständlich und funktioniert im Blackout zuverlässig.

Psychologische Aspekte der Krisenkommunikation

Die wichtigste Erkenntnis der Kommunikationsforschung in Krisenzeiten: Information reduziert Angst nicht automatisch, sondern nur strukturiert. Haushalte, die stundenlang Radio hören oder Social Media scrollen, entwickeln oft mehr Angst als jene, die sich auf zwei bis drei strukturierte Info-Zeiten pro Tag beschränken. Die Empfehlung für Krisenzeiten: Morgens um 7 Uhr, mittags um 12 Uhr und abends um 19 Uhr jeweils 15 Minuten Nachrichten hören — nicht mehr. Dazwischen den Alltag soweit wie möglich weiterleben.

Die Kommunikation mit Kindern in Krisenzeiten erfordert besondere Aufmerksamkeit. Kinder verstehen die abstrakten Gefahren meist nicht, spüren aber die Anspannung der Eltern. Das führt zu unerklärlichen Ängsten, die sich in Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Verhaltensauffälligkeiten äußern. Die Gegenstrategie ist einfach: Kinder altersgerecht, aber nicht verharmlosend informieren. Die Krise beim Namen nennen ("Es gibt gerade einen Stromausfall, der vielleicht einen Tag dauert"), den Plan erklären ("Wir haben Kerzen, Taschenlampen und warme Kleidung — uns passiert nichts"), und den Alltag so normal wie möglich weiterleben (gemeinsame Mahlzeiten, Brettspiele, Vorlesen).

Die dritte psychologische Dimension ist die Kommunikation mit Nachbarn. In Krisen entsteht oft eine ambivalente Dynamik: Einerseits wächst die Solidarität in der Nachbarschaft, andererseits tritt bei manchen Menschen Egoismus oder Panik auf. Haushalte, die proaktiv eine Nachbarschafts-Kommunikation aufbauen (Liste mit Kontaktdaten, klare Aufgabenverteilung, gemeinsamer Sammelpunkt), stabilisieren sich gegenseitig. Der Aufbau dieser Strukturen muss vor der Krise erfolgen, im Ernstfall ist es zu spät. Eine jährliche Nachbarschaftsversammlung mit Krisenvorsorge-Thema braucht zwei Stunden und kostet nichts — der Nutzen im Ernstfall ist aber enorm.

Kategorie:Vorsorge-Tipps

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