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Krisenberichte30. März 2026·14 Min. Lesezeit· Aktualisiert:

Blackout Szenarien Deutschland 2026: jetzt sicher

Blackout Szenarien Deutschland 2026: 3 reale Risiken, SAIDI-Daten & Berlin-Fallstudie. Konkrete BBK-Schutzmaßnahmen — jetzt sofort umsetzen.

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Krisenfall-Redaktion

Krisenfall.eu Redaktion

Blackout Szenarien Deutschland 2026: Risiken, Zeitplan & Vorbereitung

Zuletzt aktualisiert: April 2026 · Basierend auf BBK-Risikoanalyse, Bundesnetzagentur-Daten 2024/2025 und BAKS-Auswertung Berliner Blackout 2026

Am 3. Januar 2026 erlebte Deutschland seinen bislang schwersten Blackout seit Kriegsende: Teile Berlins lagen bis zum 9. Januar ohne Strom. 45.000 Haushalte, 100.000 Bewohner, 15 Schulen, Krankenhäuser, S-Bahn. Sechs Tage. Ursache: ein gezielter Brandanschlag. Was zuvor theoretisch klang, wurde real. Dieser Artikel erklärt, welche drei Szenarien deutschen Behörden für realistisch halten — und was konkret passiert, wenn eines davon eintritt.

Was unterscheidet einen Blackout vom Stromausfall?

Ein lokaler Stromausfall betrifft einzelne Straßen oder Stadtteile, dauert Minuten bis Stunden und ist für Netzbetreiber Routinebetrieb. Die Bundesnetzagentur erfasst solche Ereignisse statistisch: Im Jahr 2024 meldeten 830 deutsche Netzbetreiber insgesamt 164.645 Versorgungsunterbrechungen (>3 Minuten). Die durchschnittliche Ausfallzeit je Haushalt: 11,7 Minuten (SAIDI 2024 — Verbesserung gegenüber 12,8 Minuten in 2023, 10-Jahres-Mittel: 12,7 Minuten).

Ein Blackout dagegen ist ein unkontrollierter, überregionaler Zusammenbruch: mehrere Bundesländer oder ganze Länder betroffen, Dauer Tage statt Stunden, keine schnelle Routinelösung durch den Netzbetreiber. Die Bundesnetzagentur stuft einen solchen Blackout für Deutschland als „äußerst unwahrscheinlich" ein — auch im schlimmsten untersuchten Stresstest der Übertragungsnetzbetreiber. Kein bundesweiter Blackout in Deutschland seit 1945.

Das bedeutet nicht null Risiko. Es bedeutet: Laut BBK-Risikoanalyse „Stromausfall" ist das wahrscheinlichste Szenario ein überregionaler Ausfall von 24–72 Stunden — kein 14-Tage-Apokalypse-Szenario. Darauf vorzubereiten ist vernünftig, nicht paranoid.

Deutschland im europäischen Vergleich

Die Bundesnetzagentur veröffentlicht jährlich den SAIDI-Wert (System Average Interruption Duration Index) — die durchschnittliche Nichtverfügbarkeit von Strom je Verbraucher:

LandSAIDI 2024 (Minuten/Jahr)Bewertung
Deutschland11,7sehr gut
Niederlande~21gut
Frankreich~38gut
Österreich~31gut
Italien~49befriedigend
Polen~198schwach

Quelle: Bundesnetzagentur, Pressemitteilung Oktober 2025 (SAIDI 2024). EU-Länderwerte: ENTSO-E Statistical Factsheet 2024 (Primärquelle), aufbereitet durch Bundesnetzagentur Versorgungsqualität Strom 2024.

Deutschland hat eines der stabilsten Netze weltweit. Das n-1-Prinzip stellt sicher, dass der Ausfall eines einzelnen Netzelements (Leitung, Transformator, Kraftwerk) keine Kettenreaktion auslöst — als verbindlicher Mindeststandard in der EU-Verordnung (EU) 2017/1485 für alle europäischen Übertragungsnetzbetreiber verankert und von der Bundesregierung als zentrales Sicherheitsmerkmal des deutschen Übertragungsnetzes hervorgehoben. Trotzdem: Drei Szenarien hält das BBK für realistisch genug, um konkrete Vorsorge zu empfehlen.

Die 3 realistischen Blackout-Szenarien für Deutschland 2026

Szenario 1: Physische Sabotage kritischer Infrastruktur

Real eingetreten: Berlin, 3.–9. Januar 2026.

Ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke über den Teltowkanal in Berlin-Lichterfelde zerstörte fünf 110-kV-Hochspannungskabel und zehn 10-kV-Mittelspannungskabel. 45.000 Haushalte (rund 100.000 Bewohner), über 2.200 Betriebe, 205 Arztpraxen, 15 Schulen und mehrere Krankenhäuser verloren für bis zu sechs Tage den Strom. Es war der längste Stromausfall in Berlin seit Kriegsende.

Das THW entsandte mehr als 550 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus 27 Ortsverbänden. Die Bundeswehr unterstützte mit Kraftstofftransporten für Notstromaggregate. Der Generalbundesanwalt übernahm am 6. Januar die Ermittlungen wegen Terrorverdachts — das BKA koordinierte die bundesweiten Ermittlungen und richtete einen öffentlichen Zeugenaufruf ein. Auf den linksradikalen Plattformen Indymedia und knack.news erschienen kurz darauf zwei Bekennerschreiben unter dem Label „Vulkangruppe", die den Anschlag als „gemeinwohlorientierte Aktion" gegen den Einsatz fossiler Energie und unter dem Titel „Den Herrschenden den Saft abdrehen — Militante Neujahrsgrüße 2026" rahmten. Eine ursprüngliche „Vulkangruppe", die sich zu den Brandanschlägen auf die Bahn-Infrastruktur 2011 bekannt hatte, distanzierte sich am 7. Januar 2026 von der Berliner Tat — die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass die Täter den Standort und die Schwachstelle der Kabelbrücke vorab gezielt ausgekundschaftet hatten.

Wirtschaftliche Größenordnung Berlin 2026: Eine direkte amtliche Schadenssumme ist (Stand April 2026) noch nicht abschließend veröffentlicht. Eigene Hochrechnung: Das TAB schätzt 0,6–1,3 Mrd. Euro Schaden pro Stunde bei einem deutschlandweiten Blackout (83 Mio. Einwohner). Anteilig auf 100.000 Betroffene (0,12 % der Bevölkerung) und 96 Stunden Ausfall ergibt sich: ca. 70–150 Millionen Euro — ohne den überproportional dichten Gewerbeanteil (2.200 Betriebe, 205 Arztpraxen, mehrere Krankenhäuser) in diesem Berliner Korridor. Real dürfte der Schaden höher liegen, da die TAB-Hochrechnung einen homogenen Bevölkerungsanteil unterstellt, der Ausfall hier aber einen Berliner Gewerbeschwerpunkt traf. Diese Rechnung gilt als Untergrenze.

Lehre aus dem Fall Berlin: Hochspannungsleitungen und Umspannwerke lassen sich nicht vollständig rund um die Uhr bewachen. Das BAKS-Arbeitspapier identifiziert als Kernschwachstelle, dass alle fünf 110-kV- und zehn 10-kV-Kabel des Versorgungskorridors ohne alternativen Leitungsweg auf einer einzigen Brücke gebündelt waren — ein klassischer Single-Point-of-Failure, der in vielen deutschen Großstadtnetzen nicht ausgeschlossen ist. Das neue KRITIS-Dachgesetz (in Kraft seit 17. März 2026) verpflichtet Energieversorger zu Risikoanalysen alle vier Jahre, Vorfallsmeldungen ans BBK innerhalb von 24 Stunden und Registrierung bis 17. Juli 2026 — aber das erhöht die Resilienz nur mittelfristig.

Wahrscheinlichkeit für ähnliche Vorfälle: Real und steigend. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und das BSI haben die Bedrohung durch gezielte Sabotage kritischer Infrastruktur seit 2022 mehrfach als „erhöht" eingestuft.

Szenario 2: Koordinierter Cyberangriff auf Übertragungsnetzbetreiber

Deutschland wird von vier Übertragungsnetzbetreibern (Amprion, TransnetBW, 50Hertz, TenneT) gesteuert. Deren Steuerungssysteme sind die neuralgischen Punkte des Netzes. Ein koordinierter Angriff auf zwei oder drei dieser Systeme gleichzeitig könnte das Netz destabilisieren.

Das BSI dokumentiert in seinem Lagebericht 2025 (Berichtszeitraum Juli 2024 – Juni 2025) eine IT-Sicherheitslage, die „weiterhin auf angespanntem Niveau" verharrt. Im deutschen Wirtschaftsraum wurden 950 Ransomware-Angriffe gemeldet (BKA). Mehrere Stadtwerke und Energieversorger wurden in den vergangenen Jahren attackiert.

Ein gezielter Angriff auf Steuerungssysteme unterscheidet sich von Ransomware: Ziel ist nicht Datenverschlüsselung, sondern Netzinstabilität. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) warnte 2026 explizit vor staatlich gesteuerten Cyberangriffen auf Energie- und Wasserversorgung. Das BSI koordiniert über das UP KRITIS-Netzwerk (öffentlich-private Partnerschaft) den Informationsaustausch zwischen Energieversorgern und Sicherheitsbehörden — ein Frühwarnsystem, das im Ernstfall Stunden entscheidend sein kann.

Wahrscheinlichkeit: Gering, aber als einziges Szenario ohne physische Vorwarnung. Das macht ihn aus Vorsorge-Perspektive besonders relevant — er kann ohne Ankündigung eintreten.

Szenario 3: Dunkelflaute-Kaskadeneffekt

Eine „Dunkelflaute" ist ein Zustand, in dem gleichzeitig kein Wind weht und wenig Sonne scheint — typischerweise an trüben, windstillen Wintertagen. Deutschland deckt inzwischen über die Hälfte seines Strombedarfs aus Wind- und Solarenergie.

Wichtig zum Verständnis: Deutschland war 2024 netto Stromimporteur — bei 431,7 TWh Eigenstromerzeugung wurden 67,0 TWh importiert und nur 35,1 TWh exportiert. Das zeigt, wie stark das Verbundnetz bereits heute zur Versorgungssicherheit beiträgt — und wie groß die Abhängigkeit von stabilen Nachbarnetzen ist.

Im Winter 2024/25 gab es laut Bundesnetzagentur drei Dunkelflauten, ohne dass es zu Versorgungsausfällen kam. Am 20. Januar 2025 erreichte der Strombörsenpreis jedoch rund 590 Euro pro Megawattstunde — das Siebenfache des Jahresdurchschnitts 2024. Deutschland deckte an diesem Tag etwa 6 Prozent seines Bedarfs durch Importe. In allen drei Dunkelflauten-Phasen glich der europäische Stromverbund den Engpass über Importe aus Nachbarländern aus — aus Sicht der BNetzA ein Beleg für die Stabilisierungsfunktion des Verbundnetzes, aus Sicht der Verbraucher jedoch verbunden mit dem höchsten Strompreisniveau seit der Energiekrise 2022.

Ein reiner Dunkelflauten-Blackout ist nach Einschätzung der Bundesnetzagentur „äußerst unwahrscheinlich" — die Schutzmechanismen (Reservekraftwerke, europäische Verbundnetze, rollierende Lastabschaltungen als Ultima Ratio) verhindern einen unkontrollierten Zusammenbruch. Das Risiko liegt nicht beim Blackout, sondern bei extremen Strompreisen und möglichen kontrollierten Abschaltungen in Teilen des Netzes.

Was langfristig auf dem Spiel steht: Das BNetzA-Versorgungsmonitoring September 2025 beziffert den zusätzlichen Bedarf an steuerbaren Kapazitäten (Kraftwerke, Batteriespeicher, flexible Lasten) für eine gesicherte Stromversorgung bis 2035: 22,4 GW im Optimumszenario, 35,5 GW im ungünstigeren „verzögerte Energiewende"-Szenario. Ein modernes Gaskraftwerk liefert ca. 1 GW — der Kapazitätsbedarf entspricht damit dem Neubau von 22 bis 35 Großkraftwerken bis 2035. Ohne diesen Aufbau wächst das Risiko punktueller, kontrollierter Lastabschaltungen bei extremen Versorgungslagen — kein bundesweiter Blackout, aber planmäßige lokale Unterbrechungen für Stunden sind dann möglich.

Referenz Kaskadeneffekt 2006: Ein Schaltfehler bei E.ON in Deutschland löste am 4. November 2006 eine Kettenreaktion aus, die das europäische Verbundnetz in drei Teilregionen trennte. Bis zu 10 Millionen Haushalte in Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien und weiteren Ländern waren bis zu 120 Minuten ohne Strom. Seitdem wurden die ENTSO-E-Schutzprotokolle erheblich verschärft: Die UCTE-Untersuchung führte zu verbindlichen Systemschutzplänen für alle europäischen Übertragungsnetzbetreiber, Echtzeit-Datenaustausch-Pflichten zwischen nationalen TSOs und schärferen Koordinationsregeln für Schalthandlungen an Verbundgrenzen — Maßnahmen, die seither in den ENTSO-E Network Codes verankert sind.

Was passiert Stunde für Stunde bei einem Blackout?

Das BBK hat in seiner Risikoanalyse „Stromausfall" konkret durchgespielt, was bei einem großflächigen Ausfall passiert — modelliert werden Trinkwasser-, Lebensmittel-, Wärme- und Kommunikationskaskaden. Der Berlin-Blackout 2026 hat dieses Modell real validiert:

ZeitraumWas passiert
Stunde 0–1Licht aus, Mobilfunk noch stabil, Aufzüge bleiben stehen, Ampeln fallen aus
Stunde 1–6Geldautomaten offline, Tankstellen pumpen nicht, Heizungen mit elektrischen Ventilen fallen aus
Stunde 6–12Mobilfunk-Sendemasten: Notstrom erschöpft, Netz bricht zusammen. Supermärkte schließen
Stunde 12–24Wasserdruckabfall beginnt, Trinkwasser in Teilen unsicher, Lebensmittelversorgung stockt
Tag 2–3Gas-Zentralheizungen ausgefallen, Krankenhäuser an Kapazitätsgrenzen
Tag 4+Hygiene-Probleme, erste Evakuierungen, gesellschaftliche Anspannung (Berlin: ab Tag 3 kritisch)

Was der Berlin-Blackout 2026 gezeigt hat: Bereits nach 36 Stunden waren die kritischsten Defizite sichtbar — nicht Lebensmittel, sondern Informationsversorgung (Mobilfunk ausgefallen) und Wärme (Januar, Gas-Heizungen ohne Strom). THW und Bundeswehr stabilisierten Krankenhäuser und Pflegeheime, private Haushalte waren weitgehend auf sich gestellt.

Wir haben das selbst erlebt und im Haushalt konsequent nachgezogen: Das Kurbelradio war in der ersten Nacht das Wertvollste, was wir hatten — nicht die Kerzen.

Was kostet ein Blackout?

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) schätzt den wirtschaftlichen Schaden eines deutschlandweiten Blackouts auf 0,6 bis 1,3 Milliarden Euro pro Stunde. Über 72 Stunden summiert sich das auf einen potenziellen Schaden von 43 bis 94 Milliarden Euro — vergleichbar mit einer mittleren Wirtschaftskrise.

Für private Haushalte relevanter: Kühlschrankinhalt (bei sommerlichen Temperaturen innerhalb von 24 Stunden), Medikamente (Insulin, andere Kühlkettenpräparate: 4–8 Stunden), Heizung im Winter (Gas-Zentralheizungen fallen sofort aus).

Gas-Heizung, Wasser, Internet: Was fällt wann aus?

Diese drei Fragen kommen am häufigsten — und werden am häufigsten falsch beantwortet.

Gas-Zentralheizung: 99 Prozent der modernen deutschen Gas-Heizungen brauchen Strom für Umwälzpumpe und elektronischen Thermostat. Fällt der Strom aus, fällt die Heizung innerhalb von Minuten aus. Fernwärme: ähnlich, da auch Netzpumpen elektrisch laufen. Ausnahmen: Ältere Schwerkraftheizungen (vor ~1980) und Gasöfen mit mechanischer Piezo-Zündung ohne elektrische Pumpe. Beide selten und oft nicht mehr gewartet.

Wasser: Trinkwasserwerke haben Notstromaggregate, halten aber typischerweise 12–24 Stunden. Wasserdruckabfall nach 24 Stunden in vielen Regionen realistisch. BBK empfiehlt: 2 Liter Trinkwasser + 1,5 Liter Hygienewasser pro Person täglich, 10-Tage-Vorrat als Ziel.

Mobilfunk: Sendemasten haben Notstrom für 4–8 Stunden, in einigen Fällen bis 12 Stunden. Nach dieser Zeit: Netz ausgefallen. Kurbelradio (UKW + DAB+) bleibt die einzige zuverlässige Informationsquelle.

Internet über Glasfaser/DSL: Gleiche Abhängigkeit. Router und Netzknoten brauchen Strom. Nach Notstrom-Erschöpfung: kein Internet.

Nachbarschaftsnetzwerke: Der unterschätzte Faktor

Das BBK hat 2026 erstmals „Nachbarschaftsnetzwerke" als offiziellen Bestandteil der Krisenvorsorge aufgenommen. Das BAKS-Arbeitspapier zum Berlin-Blackout nennt als strukturelle Lehre explizit kommunale „Wärme- und Informationsinseln" in THW-Stützpunkten, Feuerwachen und Schulen als belastbares Backup, wenn die Mobilfunkinfrastruktur nach 8–12 Stunden ausfällt. Der Grund ist pragmatisch: Der kritischste Punkt beim Blackout ist nicht Tag 1, sondern Tag 3–4, wenn Erschöpfung, fehlende Informationen und soziale Isolation kombiniert wirken.

Konkrete Maßnahmen, die kaum Kosten und wenig Aufwand verursachen:

  • Kommunale Leuchttürme kennen: THW-Standorte, Feuerwachen, kommunale Wärme- und Informationspunkte auf Papier notieren. Im Berlin-Blackout waren THW-Stützpunkte die einzigen verlässlichen Anlaufstellen in vielen betroffenen Bezirken.
  • Nachbarn kennen: Wer braucht Hilfe? Wer hat Kaminofen oder Notstromaggregat? Im Blackout zählt die Straße, nicht das Instagram-Netzwerk.
  • Meshtastic für Technikaffine: ESP32-LoRa-Geräte (ab 30 Euro) bauen ohne Internetverbindung lokale Mesh-Netzwerke auf. Reichweite: 2–30 km je nach Gelände und Bebauung. In dicht besiedelten Gebieten können damit Nachbarschaften kommunizieren, die vollständig vom Mobilfunk abgeschnitten sind.

Was Sie konkret heute tun können

Sofortmaßnahmen (kostenfrei)

  • NINA-App installieren — amtliche Gefahrenmeldungen, funktioniert auf gecachten Daten auch mit schwachem Empfang
  • Taschenlampe suchen, Batterien prüfen
  • Notfallkontakte + nächste THW-/Feuerwehr-Adresse auf Papier schreiben

Woche 1 (Budget: 50–80 Euro)

  • Kurbelradio (Midland ER300 oder vergleichbar, ~60 Euro) — UKW + DAB+, USB-Ladeausgang
  • 20–40 Liter Wasser bevorraten (Kanister oder Flaschen)
  • 100–200 Euro Bargeld in kleinen Scheinen bereithalten
  • 3-Tage-Lebensmittelvorrat: Konserven, Haferflocken, Nüsse, Hartweizen

Monat 1 (Budget: 150–200 Euro)

  • Campingkocher + 3–5 Gaskartuschen (~30 Euro) — funktioniert unabhängig von Strom und Gas-Netz
  • Wasservorrat auf 50–70 Liter ausbauen (2 Liter/Person/Tag × 10 Tage × Haushaltsgröße)
  • Powerbank 20.000 mAh (~35 Euro) — überbrückt 48–72 Stunden für Smartphone
  • Notfall-Hausapotheke: Schmerzmittel, Verbandmaterial, wichtige Dauermedikamente 4-Wochen-Vorrat

Mittelfristig (variabel)

  • Powerstation 500–1.000 Wh (400–700 Euro): lädt Handys, Radio, Laptop, kleine LED-Beleuchtung
  • Wasserfilter-Backup (Sawyer Mini, ~35 Euro): für Wasser aus Regentonne oder Bach (+ abkochen)
  • Wärmequelle für Winter: Gasheizstrahler mit Außenluftzufuhr oder Kaminofen (nur mit fachgerechtem Kaminanschluss)

Häufige Fragen zum Blackout in Deutschland

Wie wahrscheinlich ist ein Blackout in Deutschland?

Ein flächendeckender bundesweiter Blackout ist nach Einschätzung der Bundesnetzagentur äußerst unwahrscheinlich — kein solches Ereignis seit 1945. Realistischer sind regionale Ausfälle von 24–72 Stunden, ausgelöst durch Extremwetter, Sabotage oder technische Fehler. Der Berlin-Blackout im Januar 2026 (6 Tage, 45.000 Haushalte) zeigt: Ein stadtteilteilweiser Mehrtagsausfall ist real und möglich.

Was kostet ein Blackout wirtschaftlich?

Das TAB (Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag) schätzt 0,6 bis 1,3 Milliarden Euro pro Stunde bei einem deutschlandweiten Blackout. Über 72 Stunden summiert: 43–94 Milliarden Euro Schaden.

Wie lange kann ein Blackout dauern?

Regionale Ausfälle durch Extremwetter: typischerweise 2–24 Stunden. Ein Sabotagefall wie Berlin 2026: bis zu 6 Tage (3.–9. Januar 2026). Ein hypothetischer überregionaler Blackout (mehrere Bundesländer): laut BBK-Modellierung voraussichtlich 3–14 Tage bis zur Grundversorgung.

Was ist das KRITIS-Dachgesetz 2026?

Das am 17. März 2026 in Kraft getretene KRITIS-Dachgesetz (KRITISDachG) verpflichtet Betreiber kritischer Infrastruktur — darunter alle Energieversorger — zu regelmäßigen Risikoanalysen (mindestens alle 4 Jahre), Resilienzplänen und Vorfallsmeldungen an das BBK innerhalb von 24 Stunden. Registrierungspflicht für betroffene Unternehmen: bis 17. Juli 2026. Es setzt die EU-Richtlinie CER 2022/2557 in deutsches Recht um.

Was passiert mit der Heizung beim Blackout?

Gas-Zentralheizungen (Standard in deutschen Haushalten) brauchen Strom für Pumpe und Thermostat — sie fallen sofort aus. Fernwärme ebenfalls. Ausnahmen: sehr alte Schwerkraftheizungen und Gasöfen mit mechanischer Piezo-Zündung, beide selten. Vorsorge im Winter: Schlafsack 0–5 °C, Wolldecken, Gasheizstrahler als Backup (nur mit Außenluftzufuhr) oder Kaminofen.

Was tun die ersten 24 Stunden bei einem Blackout?

  1. NINA-App oder Kurbelradio einschalten — amtliche Lagemeldungen verfolgen
  2. Wasserkanister auffüllen, solange noch Druck da ist
  3. Kühlschrank/Tiefkühler nicht öffnen (hält 12–24 Stunden)
  4. Bargeld bereit legen, Notfallkontakte auf Papier prüfen
  5. Nachbarn informieren, besonders ältere oder hilfsbedürftige Personen
  6. THW-/Feuerwehr-Standorte im Kopf haben

Was hat der Berlin-Blackout 2026 gezeigt?

Der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz (3.–9. Januar 2026, vollständige Wiederherstellung am 9. Januar) war der schwerste Blackout in Deutschland seit Kriegsende. 45.000 Haushalte ohne Strom und Heizung im Januar. Wichtigste Erkenntnisse: Mobilfunk fiel nach ca. 8 Stunden aus (Notstrom erschöpft), Gas-Heizungen fielen sofort aus, THW-Standorte waren die einzigen verlässlichen kommunalen Anlaufstellen, private Vorbereitung (Kurbelradio, Wasservorrat, Bargeld) war entscheidend für die ersten 72 Stunden.

Fazit: Nüchtern vorbereiten, nicht in Panik

Ein bundesweiter Blackout ist unwahrscheinlich — aber regionale Ausfälle von 24–72 Stunden sind reale, erlebbare Ereignisse. Berlin Januar 2026 hat das bewiesen. Die Vorbereitung kostet 80–200 Euro und einen halben Tag. Das Kurbelradio, 40 Liter Wasser und etwas Bargeld sind keine Prepper-Ausrüstung — sie sind dasselbe wie eine Kfz-Versicherung: vernünftig, weil das Risiko real ist, auch wenn es selten eintritt.

Das KRITIS-Dachgesetz 2026 erhöht mittelfristig die Transparenz und Resilienz der Infrastruktur. Bis das wirkt: eigene Vorsorge.

Weiterlesen:


Quellen: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Risikoanalyse „Stromausfall" (Abschlussbericht) und Ratgeber Krisenvorsorge 2026. Bundesnetzagentur, Pressemitteilung SAIDI-Werte 2024 (Oktober 2025), Insight Blog Blackout/Dunkelflaute 2025, Systemanalyse Übertragungsnetzbetreiber 2024 und Versorgungsmonitoring September 2025. ENTSO-E, Statistical Factsheet 2024 (EU-SAIDI-Ländervergleich). Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS), Arbeitspapier „Bedingt resilient: Was der Berliner Blackout Anfang 2026 für die deutsche Sicherheitspolitik bedeutet". Bundeskriminalamt (BKA), Zeugenaufruf Brandanschlag Berliner Stromnetz Januar 2026. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Lagebericht IT-Sicherheit Deutschland 2025. Bundesgesetzblatt, KRITIS-Dachgesetz (KRITISDachG), in Kraft 17. März 2026. Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), Bericht Stromausfall und Gefährdungsanalyse.

Kategorie:Krisenberichte

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