Iran-Krieg und Ölkrise 2026: Was bedeutet das für Deutschland?
Stand: 2. April 2026 — Seit sechs Wochen führen die USA und Israel gemeinsam Krieg gegen den Iran. Die Straße von Hormus ist blockiert. Der Ölpreis liegt um über 50 Prozent über dem Vorkriegsniveau. IEA-Chef Fatih Birol spricht von der „schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten" — schlimmer als die beiden Ölkrisen der 1970er-Jahre zusammen. Und die Bundeswirtschaftsministerin warnt vor physischer Benzinknappheit möglicherweise schon Ende April.
Was steckt dahinter? Welche konkreten Zahlen liegen vor? Und was können Sie als Privatperson in Deutschland jetzt tun?
Dieser Artikel gibt Ihnen den vollständigen Überblick — ohne Panikmache, aber mit Klartext.
1. Die Chronologie: Wie es zum Iran-Krieg kam
28. Februar 2026: Der erste Schlag
Am 28. Februar 2026 starteten die USA und Israel koordinierte Luftangriffe auf den Iran. Ziele waren Nuklearanlagen, Raketendepots und Infrastruktur der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC). Innerhalb von Stunden reagierte der Iran mit Gegenangriffen auf US-Stützpunkte in der Golfregion und drohte, die Straße von Hormus zu sperren.
Diese Drohung wurde schnell zur Realität: Innerhalb weniger Tage war die 40 bis 80 Kilometer breite Meerenge zwischen dem Iran und Oman für den kommerziellen Schiffsverkehr de facto gesperrt — teils durch iranische Seeminen, teils durch drohende Angriffe auf Öltanker.
Die Straße von Hormus: Warum sie alles ändert
Die Straße von Hormus ist das Nadelöhr der globalen Energieversorgung:
- Rund 20 Millionen Barrel Erdöl passieren sie täglich — das entspricht etwa 20 % der weltweiten Ölversorgung
- Rund 30 % des weltweiten LNG (Flüssigerdgas) läuft durch diesen Korridor
- Die wichtigsten Exporteure Saudi-Arabien, die VAE, Kuwait, Katar und der Irak sind auf diese Route angewiesen
Es gibt nur begrenzte Alternativen: Eine Pipeline führt durch Saudi-Arabien an die Westküste der Arabischen Halbinsel — ihre Kapazität deckt jedoch allenfalls einen Bruchteil des normalen Volumens ab.
2. Die Zahlen: Ölpreis, Benzin, Gas — die aktuelle Lage
Ölpreis: +50 % in sechs Wochen
Vor Kriegsbeginn kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent rund 68 US-Dollar. In den ersten Kriegstagen schnellte der Preis um mehr als ein Drittel in die Höhe. Anfang April 2026 liegt er bei 96 bis über 100 US-Dollar pro Barrel — ein Anstieg von gut 50 Prozent gegenüber dem Vorkriegsniveau. (Quelle: NDR, 2. April 2026)
Zum Vergleich: Während der Ölkrise 1973 verdreifachte sich der Ölpreis innerhalb weniger Monate. Der aktuelle Anstieg ist bislang weniger dramatisch — aber er kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt, und ein Ende ist nicht absehbar.
Benzin und Diesel: Wie viel kostet der Liter jetzt?
Die Preisweitergabe an der Zapfsäule erfolgt nicht sofort, aber zügig. Seit Kriegsbeginn sind Kraftstoffpreise in Deutschland deutlich gestiegen:
| Kraftstoff | Vor Krieg (Feb 2026) | Anfang April 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Super E10 | ~1,69 €/Liter | ~1,94 €/Liter | +15 % |
| Diesel | ~1,61 €/Liter | ~1,91 €/Liter | +19 % |
| Heizöl | ~0,92 €/Liter | ~1,15 €/Liter | +25 % |
Hinweis: Preise sind Näherungswerte auf Basis aktueller Marktdaten und regionaler Tankstellenbeobachtungen. Die Bundesregierung hat neue Regeln zur Preisgestaltung an Tankstellen eingeführt, um willkürliche Erhöhungen einzudämmen.
Besonders Diesel ist betroffen. Die Mineralölbranche warnt, dass das internationale Diesel-Angebot überproportional knapper wird — da viele Golfstaaten Diesel und Kerosin exportieren, die nun nicht mehr durch Hormus gelangen.
Gas: +75 % in einem Monat
Noch dramatischer als beim Öl ist die Lage beim Erdgas. Flüssiggas (LNG) aus dem Persischen Golf — vor allem aus Katar — ist derzeit kaum verfügbar. Der LNG-Preis legte laut Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) in den ersten vier Kriegswochen um drei Viertel (75 %) zu.
Warum ist das so kritisch? Anders als Öl lässt sich Flüssiggas nur sehr schwer und kurzzeitig speichern. Wenn Lieferketten unterbrochen sind, entstehen Versorgungsengpässe schneller als bei anderen Energieträgern.
Derzeit berichten verschiedene asiatische Länder, insbesondere Pakistan und Teile Indiens, von akuter Gasknappheit. In Europa sind die Speicher noch ausreichend befüllt — aber der Puffer schwindet.
3. IEA-Warnung: „Schlimmer als zwei Ölkrisen zusammen"
Die Internationale Energieagentur (IEA) schlug am 23. März 2026 Alarm. IEA-Chef Fatih Birol sagte bei einer TV-Debatte in Sydney:
„Bis heute haben wir elf Millionen Barrel pro Tag verloren — also mehr als zwei große Ölschocks zusammengenommen. Diesmal sind es zwei Ölkrisen und ein Gaskollaps in einem."
Zur Einordnung: Während der Ölkrise 1973 und der Ölkrise 1979/80 verlor die Welt jeweils rund fünf Millionen Barrel pro Tag. Der aktuelle Verlust durch die Blockade der Straße von Hormus übersteigt beide Ölschocks zusammen.
Als erste Maßnahme beschloss die IEA Mitte März 2026 die Freigabe von 426 Millionen Barrel aus den strategischen Reserven ihrer Mitgliedsländer. Birol machte deutlich, dass weitere Freigaben erwogen werden. (Quelle: tagesschau.de, 23. März 2026; Der Spiegel, März 2026)
4. Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026: Was die Wirtschaftsforschungsinstitute sagen
Am 1. April 2026 veröffentlichten die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute (ifo, DIW, IfW Kiel, IWH, RWI) ihre Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026. Der Titel ist Programm: „Energiepreisschock überlagert Fiskalimpuls — Wachstumskräfte versiegen."
Die wichtigsten Zahlen:
BIP-Prognose Deutschland 2026/2027
| Jahr | Prognose (vorher, Herbst 2025) | Neue Prognose (April 2026) | Revision |
|---|---|---|---|
| 2026 | +1,2 % | +0,6 % | −0,6 PP |
| 2027 | +1,3 % | +0,9 % | −0,4 PP |
Das Wirtschaftswachstum wird damit gegenüber dem Herbstgutachten mehr als halbiert. Die Wirtschaft stagniert 2026 weitgehend — der erhoffte Erholungsaufschwung nach dem mehrjährigen deutschen Abschwung bleibt aus.
Die Hintergründe laut Gemeinschaftsdiagnose
Die Institute erläutern: Der Energiepreisschock überlagert den expansiven Kurs der deutschen Finanzpolitik (z.B. das neue Sondervermögen Verteidigung). Während die Verteidigungsindustrie und der Tiefbau profitieren, bleibt „das Verarbeitende Gewerbe verhalten." Exportorientierte Industrien leiden besonders — durch hohe Energiekosten und die globale Unsicherheit.
Inflation dürfte 2026 wieder anziehen: Die Experten erwarten, dass die gestiegenen Energiepreise die Verbraucherpreise spürbar nach oben treiben — ähnlich wie 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. (Quelle: gemeinschaftsdiagnose.de, 1. April 2026; DIW, April 2026)
5. Spritknappheit: Was die Bundesregierung wirklich weiß
Die Lage eskalierte am 25. März 2026, als Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche auf einer Konferenz in den USA warnte:
„Noch sehen wir keine Knappheiten beim Volumen, aber wenn der Konflikt nicht endet, rechnen wir damit vermutlich Ende April oder im Mai."
Diese Aussage sorgte für Aufregung. Der Bundesverband der Kraftstoffhändler (Fuels und Energie) pflichtete ihr bei: „Die globale Versorgung ist aufgrund des Nahostkonflikts bereits deutlich aufwendiger geworden." Besonders beim Diesel werde das internationale Angebot knapper. (Quelle: n-tv.de, 25. März 2026)
Das Wirtschaftsministerium präzisierte später: Die Warnung beziehe sich auf ein Worst-Case-Szenario bei dauerhafter Sperrung der Straße von Hormus. Aktuell komme Rohöl weiter nach Deutschland — aus Kasachstan, Norwegen und anderen nicht-betroffenen Quellen.
Deutschlands strategische Reserven
Deutschland ist für diesen Fall vorbereitet:
- Die Bundesnetzagentur und die Bundeswehr überwachen die Versorgungslage täglich
- Strategische Ölreserven reichen für rund 90 Tage ohne jegliche Auslandslieferung aus
- Ein Teil dieser Reserve wurde bereits im März 2026 als Teil der IEA-Aktion freigegeben, der Puffer bleibt aber „sehr gut vorhanden", so das Wirtschaftsministerium
Das Energiesicherungsgesetz (EnSiG) ermöglicht der Bundesregierung im Notfall weitreichende Maßnahmen: von Preisobergrenzen bis hin zu Fahrverboten und Rationierungen, wie sie Deutschland zuletzt 1973 erlebte.
6. Fahrverbote und Energie-Lockdown: Wie realistisch ist das?
Die Berliner Zeitung titelte am 1. April 2026: „Folgen des Irankriegs: Fahrverbote sind nur der Anfang — dann droht der Energie-Lockdown."
Ist das Hysterie oder begründete Warnung? Beides lässt sich mit Fakten untermauern.
Das rechtliche Instrumentarium existiert
Das Energiesicherungsgesetz und die Energiesicherungsverordnungen ermöglichen der Bundesregierung:
- Tempolimit: Herabsetzung auf Autobahnen (z.B. 100 km/h) — das spart ca. 10–15 % Kraftstoff
- Sonntagsfahrverbot für PKW: bekannt aus der Ölkrise 1973 — reduziert Verbrauch um ca. 8–12 %
- LKW-Fahrverbote: Erweitert auf Werktage möglich
- Heizungsbeschränkungen: Maximaltemperaturen in Geschäftsgebäuden und öffentlichen Räumen
- Kontingentierung: Verteilung von Kraftstoffen über Bezugsscheine (Rationierung)
Was Experten sagen
Der Kettner-Edelmetalle-Medienkanal und andere Quellen berichten von Szenarien, in denen Experten vor einem „Energie-Lockdown" warnen, falls die Hormus-Blockade bis in den Sommer andauert. Das Bundeswirtschaftsministerium hält solche Maßnahmen für „Stand-by" — beschlossen werden sie erst, wenn physische Engpässe tatsächlich eintreten.
Die ehrliche Einschätzung: Für normale Bürger sind Fahrverbote und Rationierungen derzeit kein akutes Szenario für die nächsten Wochen. Aber: Der Krieg hält an, ein Ende ist nicht in Sicht, und die USA schickt weiterhin Nachschub in die Region. Das Risiko steigt mit jedem weiteren Kriegsmonat.
7. Wirtschaftliche Folgen für Deutschland im Detail
Industrie: Wer leidet besonders?
Energieintensive Branchen sind am stärksten betroffen:
- Chemie und Petrochemie: Erdöl und Erdgas sind Rohstoffe, nicht nur Energieträger. Die BASF und andere Konzerne haben bereits Produktionsdrosselungen angekündigt.
- Stahl und Aluminium: Hohe Energiekosten treffen Schmelzprozesse direkt.
- Glas und Keramik: Gasbetriebene Öfen werden teurer.
- Landwirtschaft: Düngemittel aus Erdgas (Ammoniak) werden teurer → Lebensmittelpreise steigen.
Mittelstand und Handwerk
Kleine und mittlere Unternehmen haben weniger Spielraum zur Weitergabe von Energiekostensteigerungen. Das ifo Institut registriert bereits steigende Kostenbelastungen in Handwerk, Transport und Logistik.
Immobilien und Wärmeversorgung
Wer mit Erdgas heizt (ca. 50 % der deutschen Haushalte), wird die Preissteigerungen im nächsten Herbst spüren — wenn die Heizperiode beginnt und die aktuellen Spotmarktpreise in die Lieferverträge einfließen.
Wer mit Heizöl heizt (ca. 11 % der Haushalte), sieht die Preissteigerungen bereits heute an der Bestellrechnung.
8. Was Bürgerinnen und Bürger JETZT tun können
Hier sind konkrete, handlungsrelevante Maßnahmen — keine abstrakten Ratschläge.
Sofort-Maßnahmen (diese Woche)
1. Heizöl-Vorrat auffüllen — jetzt, nicht nächste Woche Wer mit Heizöl heizt und noch Kapazität im Tank hat: Nachfüllen. Der Preis liegt heute bei rund 1,15 €/Liter. Analysten erwarten, dass er bei weiterhin blockierter Hormus-Straße auf 1,30–1,50 €/Liter steigen könnte. Ein voller 3.000-Liter-Tank heute vs. in zwei Monaten bedeutet 450–1.050 Euro Unterschied.
2. Gasheizung: Thermostat prüfen, Nebenkosten-Nachzahlung planen Wenn Sie in einem Mietverhältnis sind oder Ihre Gas-Abschlagszahlungen noch auf dem Vorkriegsniveau basieren: Prüfen Sie Ihre Jahresabrechnung und legen Sie einen Rücklagenbetrag zur Seite. Experten rechnen mit Nachzahlungen im nächsten Winter.
3. Kraftstoff-Füllstand: Tanken Sie bei günstigen Preisen Nutzen Sie Preis-Apps (wie Clever Tanken oder Tankerkönig), um günstige Zeitfenster zu finden. Montags und dienstags sind Kraftstoffpreise in der Regel günstiger als freitags und samstags.
4. Einkäufe vorgezogen planen Produkte, deren Herstellung oder Transport stark energieabhängig ist (Plastikprodukte, synthetische Textilien, bestimmte Lebensmittel), könnten teurer werden. Größere geplante Anschaffungen besser jetzt als in drei Monaten tätigen.
Mittelfristige Maßnahmen (nächste Wochen)
5. Energiekosten dauerhaft senken Jetzt ist der beste Zeitpunkt, den eigenen Energieverbrauch zu reduzieren. Unsere ausführliche Seite Energiekosten senken zeigt konkrete Einsparmaßnahmen, die sich auch langfristig rechnen — von Heizkörper-Reflektoren (8–15 % weniger Heizkosten) bis zu programmierbaren Thermostaten.
6. Notstromlösung prüfen Steigt die Belastung für Kraftwerke und Netzinfrastruktur, erhöht sich das Blackout-Risiko. Eine Powerstation als Notstrompuffer für wenige Stunden schützt vor kurzzeitigen Ausfällen. Unser Ratgeber zeigt, worauf Sie beim Kauf achten müssen.
7. Notvorrat anlegen oder aufstocken Für den Fall von Engpässen empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) grundsätzlich einen Notvorrat für mindestens 10 Tage. Das schützt auch vor temporären Lieferengpässen bei Lebensmitteln, die durch steigende Düngemittel- und Logistikkosten entstehen könnten.
8. Bargeld als Puffer vorhalten Bei Stromausfällen oder Zahlungsinfrastruktur-Störungen ist Bargeld King. Unsere Seite Bargeld im Krisenfall erklärt, welchen Betrag Sie sinnvollerweise zu Hause aufbewahren sollten.
9. Balkonkraftwerk als mittelfristige Investition Wer in einer Wohnung mit Balkon oder im Eigenheim lebt: Ein Balkonkraftwerk amortisiert sich bei aktuellen Strompreisen schneller als noch vor einem Jahr. Die Anschaffungskosten liegen bei rund 400–900 Euro, die Amortisationszeit bei 3–5 Jahren — tendenziell kürzer, je höher der Strompreis steigt.
10. Auto-Notfallausrüstung vervollständigen Im Fall von Lieferengpässen bei Kraftstoffen oder temporären Fahrverboten ist ein gut ausgestattetes Fahrzeug wichtig. Unsere Checkliste Auto-Notfallausrüstung zeigt, was Sie immer dabei haben sollten.
9. Die drei Szenarien für Deutschland
Szenario A: Kurzkrieg — Einigung innerhalb von 4 bis 8 Wochen
Wenn es zu einem raschen Waffenstillstand kommt und die Straße von Hormus bis Ende Mai wieder freigegeben wird:
- Ölpreis fällt auf ca. 80–90 US-Dollar zurück
- Kraftstoffpreise sinken um 10–15 Cent
- Wirtschaftswachstum 2026 bleibt bei ca. 0,6–0,8 %
- Keine Rationierungen, keine Fahrverbote
Wahrscheinlichkeit: Mittel. US-Präsident Trump hat einen kurzen Konflikt angekündigt, aber die USA verstärken ihr militärisches Engagement kontinuierlich.
Szenario B: Anhaltender Krieg — 3 bis 6 Monate
Bei fortgesetzter Blockade bis Spätsommer 2026:
- Ölpreis könnte auf 110–130 US-Dollar steigen
- Benzinpreis überschreitet 2,10–2,30 €/Liter
- Physische Diesel- und ggf. Benzinknappheit in Deutschland ab April/Mai
- Mögliche staatliche Eingriffe: Preisobergrenzen, Tempolimit
- Inflation steigt auf 4–6 % — ähnlich wie in der Energiekrise 2022
- BIP-Wachstum 2026 sinkt auf nahe 0 %
Wahrscheinlichkeit: Derzeit am plausibelsten nach aktueller Nachrichtenlage (Stand 2. April 2026).
Szenario C: Eskalation — Iranische Angriffe auf Golfnachbarn oder direkte Konfrontation mit China
Im schlimmsten Fall zieht der Konflikt weitere Regionalmächte hinein:
- LNG-Versorgung Europas bricht vollständig zusammen
- Ölpreis explodiert auf 150+ US-Dollar
- Fahrverbote, Heizungsbeschränkungen, Rationierungen in Deutschland und der EU
- Rezession statt Wachstum
Wahrscheinlichkeit: Gering, aber nicht ausgeschlossen.
10. Historischer Vergleich: Was Deutschland 1973 erlebt hat
Der direkte Vergleich mit der Ölkrise 1973 ist lehrreich. Damals verhängte die OPEC ein Ölembargo gegen westliche Staaten, die Israel im Jom-Kippur-Krieg unterstützt hatten. In Deutschland folgte:
- Vier autofreie Sonntage (November/Dezember 1973) — Bilder leerer Autobahnen gingen um die Welt
- Tempolimit 100 km/h auf Autobahnen, 80 km/h auf Landstraßen
- Energieeinspargesetze und Leuchtmittel-Beschränkungen
- Der Ölpreis verdreifachte sich, die Inflation stieg auf über 7 %
- Die Wirtschaftskrise hielt bis 1975/76 an
Heute ist Deutschland deutlich weniger ölabhängig als 1973 (mehr Gas, mehr Erneuerbare). Aber die Abhängigkeit vom Weltmarkt für fossile Energieträger bleibt hoch — und der aktuelle Schock trifft auf eine bereits geschwächte Volkswirtschaft.
11. Was Bundesregierung und EU unternehmen
Bundesebene
- Spritpreisbremse: Die Bundesregierung hat neue Regulierungen eingeführt, die willkürliche Kraftstoffpreiserhöhungen an Tankstellen einschränken sollen.
- IEA-Reservenfreigabe: Deutschland beteiligt sich an der kollektiven Freigabe der strategischen Reserven.
- Versorgungsmonitoring: Das Wirtschaftsministerium überwacht täglich die Versorgungslage und kommuniziert wöchentlich mit der Industrie.
- Netzagentur-Warnplan Gas: Der bestehende Warnplan für die Gasversorgung (aus der Ukraine-Krise 2022 bekannt) wird als Vorlage reaktiviert.
EU-Ebene
Die EU-Kommission hat die Energieministerien aller Mitgliedsstaaten zur Notfallbereitschaft aufgerufen. Erste Diskussionen über gemeinsame Gaseinkäufe (analog zur Corona-Impfstoffbeschaffung) laufen, sind aber noch nicht beschlossen.
12. FAQ: Die häufigsten Fragen zur Iran-Ölkrise
Wird Benzin in Deutschland wirklich knapp?
Derzeit sind keine physischen Engpässe bei Benzin bekannt. Deutschlands strategische Reserven reichen für 90 Tage. Bundeswirtschaftsministerin Reiche warnte vor Knappheit im Worst-Case-Szenario ab Ende April/Mai — nur wenn die Hormus-Blockade andauert und die Reserven sich erschöpfen.
Um wie viel Prozent steigen die Spritpreise noch?
Das hängt vom weiteren Kriegsverlauf ab. Bei Szenario B (anhaltender Krieg 3–6 Monate) könnten Benzin- und Dieselpreise auf 2,10–2,30 €/Liter steigen. Im Szenario A (rascher Frieden) fallen sie wieder auf ca. 1,75–1,85 €/Liter.
Wird Gas für die Heizung knapp?
Europa hat höhere Gasspeicherfüllstände als Asien und ist weniger abhängig von Golfgaslieferungen. Kurzfristig (Frühling/Sommer 2026) ist keine Knappheit zu erwarten. Kritischer wird die Lage, wenn die Blockade bis in den Herbst andauert — dann beginnen die Speicher sich zu leeren und werden zu höheren Preisen aufgefüllt.
Kommen Fahrverbote zurück?
Das Energiesicherungsgesetz erlaubt Fahrverbote, aber die Bundesregierung hat sie noch nicht beschlossen. Sie gelten als letztes Mittel und werden erst eingesetzt, wenn physische Kraftstoffknappheit tatsächlich eintritt. Für die kommenden Wochen ist das nicht zu erwarten.
Was passiert mit den Lebensmittelpreisen?
Steigende Düngemittelpreise (Ammoniak aus Erdgas) und höhere Transportkosten treiben die Lebensmittelpreise. Analysten rechnen mit einem Anstieg von 5–10 % bei bestimmten Produktkategorien im Verlauf von 2026 — insbesondere Fleisch, Milchprodukte und verarbeitete Lebensmittel.
Soll ich Diesel oder Heizöl auf Vorrat kaufen?
Für Heizöl-Nutzer: Ja, jetzt ist ein guter Zeitpunkt zum Auffüllen, wenn der Tank nicht voll ist. Für Diesel: Das Hamstern von Dieselkanistern zu Hause ist aus Sicherheitsgründen begrenzt (max. 20 Liter pro Person in Privaträumen) und im Normalfall nicht nötig. Tanken Sie lieber öfter und bei günstigen Tageszeiten.
Wie schütze ich meinen Haushalt vor hohen Energiekosten?
Die effektivsten Maßnahmen: Energieverbrauch senken (Thermostat um 1–2 Grad absenken spart ca. 6–8 % Gas), Stromanbieter wechseln, Balkonkraftwerk prüfen. Unsere ausführliche Seite Energiekosten senken listet alle Optionen mit konkreten Einsparpotenzialen.
Fazit: Besonnenheit und Vorbereitung
Der Iran-Krieg 2026 ist real, seine wirtschaftlichen Auswirkungen auf Deutschland sind bereits messbar — und sie werden in den kommenden Monaten stärker spürbar werden. Das ist keine Apokalypse, aber auch keine Normalität.
Die gute Nachricht: Deutschland ist besser vorbereitet als 1973. Wir haben 90 Tage strategische Reserven, ein funktionierendes Energiesicherungsrecht und eine Regierung, die die Lage aktiv überwacht.
Die wichtigste Botschaft: Jetzt handeln, nicht warten. Heizöl auffüllen, Energiekosten optimieren, Notvorrat auffrischen, eine Notstrompuffer-Lösung prüfen. Nicht aus Panik — sondern weil vernünftige Vorbereitung in einer Krise den Unterschied macht.
Quellen
- Bundeszentrale für politische Bildung (BpB): „#18 Bringt der Iran-Krieg den nächsten Inflationsschock?" — bpb.de, 2. April 2026
- Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026: „Energiepreisschock überlagert Fiskalimpuls — Wachstumskräfte versiegen" — gemeinschaftsdiagnose.de/ifo/DIW/IfW/IWH/RWI, 1. April 2026
- DIW Berlin: Pressemitteilung zur Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026 — diw.de, April 2026
- tagesschau.de: „IEA befürchtet schwerste Energiekrise seit Jahrzehnten" — tagesschau.de, 23. März 2026
- Der Spiegel: „Iran-Krieg: IEA-Chef Birol warnt vor womöglich schwerster Energiekrise seit Jahrzehnten" — spiegel.de, März 2026
- NDR Info: „Fragen und Antworten: Was macht der Iran-Krieg mit den Verbraucherpreisen?" — ndr.de, 2. April 2026
- n-tv: „Mineralölbranche pflichtet Reiches Warnung vor Spritknappheit bei" — n-tv.de, 25. März 2026
- Berliner Zeitung: „Folgen des Irankriegs: Fahrverbote sind nur der Anfang — dann droht der Energie-Lockdown" — berliner-zeitung.de, 1. April 2026
- ZDF heute: „Iran-Krieg zeigt: Deutschland muss seine Wirtschaft neu denken" — zdfheute.de, März 2026
- MSN/Wirtschaft: „Wegen Iran-Krieg und Energiepreis-Hammer: Deutsche Wirtschaft abgewürgt" — msn.com, März 2026
- IEA: Pressemitteilung zur Freigabe strategischer Reserven, März 2026 — iea.org
Zuletzt aktualisiert: 2. April 2026 | Autor: Markus Brandt | Lesezeit: ca. 16 Minuten