Hinweis: Dieser Artikel dient der sachlichen Information und Vorbereitung. Er ist keine Aufforderung zu Hamsterkäufen oder Panikreaktionen. Alle dargestellten Fakten basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen seriöser Medien und Institutionen.
Am 28. Februar 2026 griffen die USA und Israel militärische Ziele im Iran an. Seitdem ist die Straße von Hormus — die engste und wichtigste Schifffahrtsroute für Öl und Gas weltweit — de facto blockiert. 500 Öl- und Gastanker stecken fest. 19,5 Millionen Barrel Öl pro Tag, die normalerweise durch diese 34 Kilometer breite Meerenge fließen, erreichen den Weltmarkt nicht mehr.
Goldman Sachs nennt es den “größten Ölangebotsausfall in der Geschichte der globalen Energiemärkte” — größer als das arabische Embargo 1973, größer als die Invasion Kuwaits 1990.
Für Deutschland bedeutet das: steigende Energiepreise, teurere Lebensmittel, Lieferengpässe bei Chemikalien und Düngemitteln — und wirtschaftliche Belastungen, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bis Ende 2027 auf 40 Milliarden Euro schätzt.
Dieser Guide ist keine Aufforderung zur Panik. Er ist das Gegenteil: eine sachliche, fundierte Anleitung, wie du dich und deine Familie rational auf die konkreten Auswirkungen dieser Krise vorbereitest.
Was passiert gerade — und warum betrifft es Deutschland?
Die Straße von Hormus: Deutschlands unsichtbare Lebensader
Die Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman, nur 34 km breit an der engsten Stelle. Durch sie fließen:
- Ca. 20 % des weltweiten Ölhandels (vor der Blockade: 19,5 Mio. Barrel/Tag)
- 25 % des weltweiten LNG-Handels (Flüssiggas, vor allem aus Katar)
- 20 % des globalen Ammoniakhandels (Basis für Düngemittel)
- 50 % des Schwefel-Seehandels (Basis für Schwefelsäure — unverzichtbar für Industrie)
- 40 % des weltweiten Heliums (aus Katar — kritisch für Chipindustrie)
Deutschland importiert zwar kein Öl direkt durch die Straße von Hormus — die Hauptlieferanten sind Norwegen, Kasachstan und die USA. Aber der Ölpreis ist ein Weltmarktpreis. Wenn 20 % des Angebots ausfallen, steigt der Preis für alle.
Die konkreten Auswirkungen auf Deutschland (Stand März 2026)
Energiepreise: Der Ölpreis (Brent) ist seit Kriegsbeginn um über 40 % gestiegen. Diesel und Benzin haben die 2-Euro-Marke erneut überschritten. Die europäischen Gaspreise (TTF) haben sich auf über 50 Euro je Megawattstunde verdoppelt.
Lebensmittelpreise: Die gestiegenen Düngemittelpreise (Ammoniak +60 %, Phosphat +40 %) treffen die Landwirtschaft direkt. Bauern zahlen deutlich mehr für Diesel und Dünger. Diese Kosten werden mit der nächsten Ernte an die Verbraucher weitergegeben.
Chemieindustrie:Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) warnt vor “ernsten, zunehmenden Versorgungsengpässen bei Rohstoffen” — Ammoniak, Phosphat, Helium und Schwefel.
Wirtschaft insgesamt: Das IW Köln beziffert den Gesamtschaden für die deutsche Volkswirtschaft auf 40 Milliarden Euro bis Ende 2027.
Was “Kriegsvorsorge” NICHT bedeutet
❌ Kriegsvorsorge heißt NICHT
- Waffen kaufen
- Bunker bauen
- In den Wald fliehen
- Hamsterkäufe, die Regale leeren
- Panik verbreiten
✅ Kriegsvorsorge heißt
- Vorräte aufbauen — ruhig, systematisch, über Wochen
- Finanzielle Reserven bilden — Bargeld, Rücklagen
- Informationsquellen sichern — UKW-Radio, Notfallnummern
- Dokumente sichern — Kopien, USB-Stick
- Nachbarschaft kennen — gemeinsam ist man stärker
Die 5 konkreten Risiken für deutsche Haushalte — und was du tun kannst
Risiko 1: Steigende Energiekosten
Was passiert: Heizöl, Gas, Benzin und Diesel werden deutlich teurer. Eine Gasrechnung, die 2024 noch 1.500 Euro/Jahr betrug, kann 2026 auf 2.500–3.000 Euro steigen.
Was du tun kannst:
- Sofort: Energieverbrauch senken. Raumtemperatur um 1°C senken spart ca. 6 % Heizkosten.
- Kurzfristig: Balkonkraftwerk installieren (800W, 300–500 Euro).
- Mittelfristig: Powerstation als Notstrom-Backup (500–2.000 Wh).
- Finanziell: Monatliches Energiebudget um 30–50 % erhöhen.
Risiko 2: Teurere Lebensmittel und mögliche Engpässe
Was passiert: Die Düngemittelkrise trifft die Landwirtschaft mit Verzögerung. Lebensmittelpreise steigen mit 3–6 Monaten Verzögerung nach den Rohstoffpreisen.
Wichtig: Deutschland hat keine Nahrungsmittelknappheit. Die deutsche Landwirtschaft produziert genug, um 85–90 % des Kalorienbedarfs selbst zu decken. Was sich ändert, sind Preise und Verfügbarkeit bestimmter Importprodukte.
Was du tun kannst:
- Vorrat aufbauen (nicht hamstern!): 10-Tage-Vorrat systematisch über 4–6 Wochen aufbauen, NICHT alles auf einmal.
- Regional und saisonal einkaufen: Weniger abhängig von globalen Lieferketten.
- Grundnahrungsmittel vorrätig halten: Reis, Nudeln, Haferflocken, Konserven, Speiseöl.
Risiko 3: Inflation und finanzielle Unsicherheit
Was passiert: Die Kombination aus steigenden Energiepreisen, teureren Lebensmitteln und Lieferengpässen treibt die Inflation. Für Verbraucher: Kaufkraftverlust.
Was du tun kannst:
- Bargeld-Reserve: 500–1.000 Euro in kleinen Scheinen zuhause. Bei einem Cyberangriff auf Bankensysteme funktionieren Geldautomaten nicht.
- Ausgaben überprüfen: Abos kündigen, Impulskäufe reduzieren.
- Keine Panikverkäufe am Aktienmarkt. Historisch erholen sich Märkte nach geopolitischen Krisen.
- Heizöl und Brennstoff jetzt kaufen — die Preise könnten im Herbst noch höher sein.
Risiko 4: Lieferengpässe bei Medikamenten und Alltagsprodukten
Was passiert: Medikamentenwirkstoffe werden zu einem großen Teil in Indien und China produziert. Schon 2022/23 gab es Engpässe bei Fiebersäften und Antibiotika.
Was du tun kannst:
- Dauermedikation: Sprich mit deinem Arzt über eine 30-Tage-Reserve. Nicht 10 Tage — 30 Tage.
- Hausapotheke auffüllen: Schmerzmittel, Fieberthermometer, Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel.
- Hygieneartikel: Seife, Zahnpasta, Toilettenpapier.
Risiko 5: Informationsflut und Desinformation
Was passiert: In geopolitischen Krisen explodiert die Desinformation. Russische und iranische Desinformationskampagnen zielen gezielt auf europäische Bevölkerungen ab.
Was du tun kannst:
- Seriöse Quellen nutzen: Tagesschau, ZDF heute, Deutschlandfunk, dpa. Nicht Twitter, nicht Telegram-Gruppen.
- Informationskonsum begrenzen: 2x am Tag Nachrichten reicht. Permanentes Doom-Scrolling erhöht den Stresspegel.
- BBK-Warnapp NINA installieren: Offizielle Warnungen der Behörden.
- Faktencheck nutzen: Correctiv, dpa-Faktencheck, Tagesschau-Faktenfinder.
Die Vorsorgecheckliste für geopolitische Krisen
Sofort (diese Woche):
- ☐500–1.000 Euro Bargeld in kleinen Scheinen zuhause
- ☐Medikamenten-Vorrat auf 30 Tage aufstocken
- ☐Kurbelradio besorgen (25–40 Euro)
- ☐NINA-Warnapp installieren
- ☐Notfallnummern ausdrucken und laminieren
- ☐Energieverbrauch überprüfen und reduzieren
Nächste 4 Wochen (nicht hamstern — systematisch aufbauen):
- ☐10-Tage-Lebensmittelvorrat (bei jedem Einkauf 2–3 Konserven extra)
- ☐25 Liter Wasser pro Person lagern
- ☐Powerbank (20.000 mAh) kaufen und laden
- ☐Hausapotheke überprüfen und ergänzen
- ☐Dokumentenkopien anlegen (Ausweis, Versicherungen, Kontodaten)
- ☐Heizöl/Brennstoff auffüllen (wer Ölheizung hat)
Mittelfristig (nächste 3 Monate):
- ☐Balkonkraftwerk installieren (Energiekosten senken)
- ☐Notfall-Finanzpolster: 3 Monatsgehälter auf dem Tagesgeld
- ☐Nachbarschaft kennenlernen — Netzwerk aufbauen
- ☐Regelmäßige Vorrats-Rotation einrichten (FIFO-Prinzip)
Was die Bundesregierung empfiehlt
Das BBK (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe) hat seine Empfehlungen nicht erst seit dem Iran-Krieg — sie gelten seit Jahren:
- 10 Tage Vorrat an Lebensmitteln und Wasser
- 2 Liter Trinkwasser pro Person pro Tag
- Dokumentenmappe mit den wichtigsten Unterlagen
- Bargeld in kleinen Scheinen
- Batterieradio oder Kurbelradio für den Fall, dass Strom und Mobilfunk ausfallen
Diese Empfehlungen klingen in normalen Zeiten übertrieben. In einer geopolitischen Krise mit realen Versorgungsrisiken klingen sie vernünftig.
Weiterführende Guides:
FAQ — Häufige Fragen zur Kriegsvorsorge
Kommt der Krieg nach Deutschland?▼
Die NATO-Bündnisverteidigung (Artikel 5) schützt Deutschland vor direkten militärischen Angriffen. Ein konventioneller Krieg auf deutschem Boden ist extrem unwahrscheinlich. Die realen Risiken für deutsche Haushalte sind wirtschaftlich: steigende Preise, Lieferengpässe, Energieknappheit.
Soll ich Jodtabletten kaufen?▼
Jodtabletten (Kaliumiodid) schützen die Schilddrüse bei radioaktiver Belastung. Das BfS rät: Nicht eigenständig kaufen oder einnehmen. Im Ernstfall werden Tabletten von den Behörden verteilt. Die eigenständige Einnahme ohne akute Bedrohung kann gesundheitsschädlich sein.
Sollte ich mein Geld von der Bank holen?▼
Nein — nicht alles. Eine Bargeld-Reserve von 500–1.000 Euro zuhause ist sinnvoll. Das deutsche Bankensystem ist durch die Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Person geschützt.
Muss ich einen Bunker haben?▼
Nein. In Deutschland gibt es kein öffentliches Schutzraumkonzept mehr. Fokussiere dich auf die realen Risiken: Versorgung, Energie, Finanzen.
Wie wahrscheinlich ist ein Cyberangriff auf deutsche Infrastruktur?▼
Das BSI stuft die Bedrohung als 'so hoch wie nie' ein. Cyberangriffe auf Energieversorger, Krankenhäuser und Behörden finden täglich statt — die meisten werden abgewehrt. Ein erfolgreicher großflächiger Angriff könnte zu regionalen Stromausfällen führen.
Wird Benzin weiter steigen?▼
Solange die Straße von Hormus blockiert ist, bleibt der Ölpreis hoch. Experten erwarten keine schnelle Entspannung. Plane mit Benzinpreisen über 2 Euro/Liter für mindestens 6–12 Monate.
Was passiert mit meinem Job?▼
Die deutsche Wirtschaft wird belastet, aber nicht zerstört. Branchen mit hoher Energieabhängigkeit (Chemie, Glas, Keramik, Stahl) sind am stärksten betroffen. Dienstleistungen, IT und Gesundheitswesen sind weniger betroffen. Genereller Rat: Notgroschen aufbauen, Qualifikationen aktualisieren.
Soll ich Gold kaufen?▼
Als Beimischung im Portfolio (5–10 %) ist Gold sinnvoll. Als alleinige Krisenwährung ist Gold nicht praktikabel — du kannst damit nicht an der Tankstelle bezahlen.
Quellen
- ZDF heute: “Iran-Krieg: Die Folgen für die Weltwirtschaft und Deutschland”, 19.03.2026
- ZDF heute: “Iran-Krieg: Chemieindustrie warnt vor Lieferengpässen”, 11.03.2026
- IW Köln: Schätzung 40 Mrd. Euro Schaden bis Ende 2027
- VCI (Verband der Chemischen Industrie): Statement Große Entrup, März 2026
- Goldman Sachs: Einordnung als größter Ölangebotsausfall der Geschichte
- HWWI (Michael Berlemann): Prognose Lebensmittelpreise
- BBK: Ratgeber Notfallvorsorge, bbk.bund.de
- BSI: Lagebericht IT-Sicherheit Deutschland